
Typisch für den Rotmilan ist der stark gegabelte Schwanz.
Adrian Aebischer
An manchen Winterabenden treffen sich dutzende Rotmilane an denselben Schlafplätzen. Weshalb sich die Greifvögel dort sammeln, war lange unklar. Eine neue Studie der Schweizerische Vogelwarte liefert nun erste Hinweise: Besonders häufig nutzen junge Vögel diese Gemeinschaftsquartiere.
Die Auswertung, welche auf der Homepage der Vogelwarte ersichtlich ist, zeigt, dass vor allem nicht ausgewachsene Rotmilane an den Schlafplätzen übernachten. Junge Männchen tun dies sogar mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit wie junge Weibchen. Sobald die Tiere älter als drei Jahre sind, nimmt dieses Verhalten deutlich ab. Auch brütende Vögel bleiben den Sammelplätzen meist fern und übernachten stattdessen als Paar in der Nähe ihres Reviers.
Treffpunkt für junge Greifvögel
Die Erkenntnisse stammen aus einem Langzeitprojekt der Schweizerische Vogelwarte zur Ökologie des Rotmilan. Für die Studie analysierten Forschende fast 34’000 Übernachtungen von 216 mit GPS-Sendern ausgestatteten Vögeln über einen Zeitraum von sechs Jahren.
Warum sich besonders junge Rotmilane an Schlafplätzen sammeln, ist noch nicht endgültig geklärt. Die bisherigen Resultate liefern jedoch mögliche Erklärungen. So könnten die Vögel dort Informationen über gute Nahrungsgebiete erhalten – ein Vorteil für unerfahrene Tiere, die erst lernen müssen, Nahrung effizient zu finden.
Auch eine soziale Funktion ist denkbar: Die Schlafplätze könnten als eine Art «Partnerbörse» dienen. Nicht brütende Rotmilane hätten dort bessere Chancen, einen Partner zu finden oder Hinweise auf freie Reviere in der Umgebung zu erhalten.