Geschwister sind für Kohlmeisen die wichtigsten Lehrmeister

Junge Kohlmeisen lernen lebenswichtige Fähigkeiten vor allem von ihren Geschwistern. Ihre Eltern spielen als Lehrmeister nur eine untergeordnete Rolle, wie eine neue Studie mit Schweizer Beteiligung zeigt.

sda |

Für die im Fachblatt «Plos Biology» veröffentlichte Studie unter Leitung von Sonja Wild vom Max-Planck-Institut für Verhaltensforschung in Deutschland installierten Forscherinnen und Forscher in zwei Waldgebieten spezielle Futterboxen mit verschiebbaren Türen. Die Vögel mussten die kleine Tür nach links oder rechts schieben, um an die dahinter liegenden Mehlwürmer zu gelangen.

Die Kohlmeisen-Eltern wurden gezielt trainiert, die Tür auf einer bestimmten Seite zu öffnen – manche nach links, andere nach rechts. Anschliessend beobachteten die Wissenschaftlerinnen über zehn Wochen, wie 229 Jungvögel aus 51 Nestern das Puzzle lösten – und vor allem: von wem sie es lernten. Dafür statteten die Forscherinnen und Forscher die jungen Kohlmeisen auch mit Mikrochips aus, um ihre Bewegungen und sozialen Interaktionen zu verfolgen.

Die Auswertung zeigte, dass die Eltern nur einen begrenzten Einfluss auf das Lernen der Jungvögel hatten. Die wichtigsten Lehrer waren laut der Studie ältere Geschwister. Auch andere erfahrene erwachsene Vögel aus dem Schwarm trugen zur Weitergabe des Wissens bei.

Soziales Umfeld beeinflusst die Vögel

Die Richtung, in die die Jungvögel die Tür öffneten, wurde dabei stark von der sozialen Umgebung der Vögel beeinflusst. Wenn die Mehrheit der Vögel die Tür nach rechts schoben, öffneten auch die Jungvögel die Tür nach rechts. Mit der Zeit haben sich die Vögel dann immer stärker auf ihre eigene Erfahrung verlassen.

Laut den Autorinnen und Autoren deutet das darauf hin, dass bei Arten mit kurzer elterlicher Fürsorge – wie den Kohlmeisen, die nur wenige Wochen bei ihrem Nachwuchs bleiben – kulturelle Weitergabe nicht nur von den Eltern abhängt, sondern über verschiedene soziale Wege erfolgt. Diese Vielfalt an Übertragungswegen mache den Wissensaustausch flexibler als bei Arten, in denen ausschliesslich die Eltern als Lehrmeister fungierten.

Aus der Schweiz an der Studie beteiligt war Lucy Aplin, die unter anderem an der Universität Zürich forscht.

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