
Eurasische Wölfe werden mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif. Paarungszeit ist vom Spätwinter bis in den März. Die Tragzeit dauert ungefähr neun Wochen. Ein Wurf besteht meist aus vier bis sechs Welpen, die vom gesamten Rudel großgezogen werden. Nach ein bis drei Jahren verlassen die Jungtiere ihr Rudel, siedeln sich in einem neuen Revier in der Nähe ihres alten Rudels an oder wandern fort.
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Das sind vier Rudel mehr als im Vorjahr, wie die Stiftung auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bekanntgab. Auch die Zahl der Wölfe insgesamt ist gestiegen: Im Berichtsjahr 2024 hatten die Fachleute mit 319 Tieren noch 31 Wölfe weniger nachgewiesen. Mindestens 155 Welpen kamen 2025 zur Welt.
Rudel in 9 Kantonen
Die Zunahme der Population zeigte sich unter anderem durch die Etablierung neuer Rudel. So bildete sich im Kanton Obwalden mit dem Klein-Melchtal-Rudel erstmals ein Wolfsrudel. Auch im Kanton Schwyz wurde im Berichtsjahr zum ersten Mal ein Wolfsrudel festgestellt, wie es von Kora heisst.
Im Kanton Neuenburg entstand mit dem Rudel im Vallée de la Brévine bereits das sechste Rudel im Juragebiet. Damit wurde Anfang 2026 in insgesamt 9 der 26 Schweizer Kantone mindestens ein Wolfsrudel nachgewiesen. Dabei handelt es sich um die Kantone Glarus, Graubünden, Neuenburg, St. Gallen, Schwyz, Tessin, Waadt, Wallis und Obwalden.
77 Wölfe wurden erlegt
Damit setzte sich die Ausbreitung des Grossraubtiers trotz verstärkter Regulierungsmassnahmen fort. In der Regulierungsperiode 2025/26 bewilligte das Bundesamt für Umwelt den Abschuss von rund 115 Wölfen; tatsächlich erlegt wurden 77 Tiere. In der vorangegangenen Periode waren 92 Wölfe geschossen worden, nach 55 Tieren in der ersten, verkürzten Regulierungsphase 2023/24.
Kora weist darauf hin, dass sich die Auswirkungen der Regulierung auf Population, Rudelstruktur und Nutztierrisse erst über mehrere Jahre verlässlich beurteilen lassen. 2025 hat die Stiftung daher ein nationales Forschungsprojekt zu den Folgen der Wolfsregulierung gestartet.
Zunehmende genetische Vielfalt
Der Bericht von Kora zeigt auch, dass die genetische Herkunft der Wölfe vielfältiger wird. Die grosse Mehrheit der in der Schweiz genetisch identifizierten Tiere stammt weiterhin aus der Alpenpopulation, die sich von Italien über Frankreich und die Schweiz bis nach Österreich erstreckt. Zunehmend werden aber auch Wölfe aus anderen Populationen nachgewiesen.
Im April 2025 wurde im Kanton Bern eine gewilderte Wölfin aufgefunden. Genetische Analysen zeigten, dass es sich bei dem Tier mit der Bezeichnung F295 um das erste in der Schweiz nachgewiesene Weibchen aus der zentraleuropäischen Population handelte. Bisher waren aus dieser Population nur Männchen nachgewiesen worden.
Insgesamt stammen laut Kora sechs in der Schweiz nachgewiesene Wölfe aus der zentraleuropäischen Population, die Deutschland und Polen umfasst. Zwei weitere Tiere wurden der Dinariden-Balkan-Population zugeordnet. Hinzu kommen mehrere Individuen mit gemischter Herkunft.
Zwei trächtige Wölfe in einem Rudel
Im Wallis wurde im Sommer 2025 erstmals in der Schweiz eine sogenannte doppelte Reproduktion in einem Wolfsrudel nachgewiesen. Darunter verstehen Fachleute die gleichzeitige Fortpflanzung von zwei Weibchen innerhalb desselben Rudels.
Betroffen war das Chablais-Rudel. Genetische Analysen von im Feld gesammelten Proben sowie von im Rahmen der Regulierung entnommenen Tieren zeigten, dass sich ein neues Männchen sowohl mit dem reproduzierenden Weibchen F43 als auch mit deren Tochter fortgepflanzt hatte. Insgesamt konnten in dem Rudel acht Welpen beobachtet werden.
Was Wölfe fressen
Kora hat auch die Nahrung der Wölfe untersucht. Sie ernähren sich überwiegend von Wildtieren, die 88.3 % ihrer Nahrung ausmachen. Besonders häufig werden Rothirsche, Rehe und Gämsen gefressen. Nutztiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder machen mit 11.7 % einen geringeren Anteil aus und variieren je nach Region und Jahreszeit, heisst es im Bericht.
Unterschiede im Nahrungsspektrum zeigen sich je nach sozialem Status, Jahreszeit und Region. Einzelwölfe fressen anteilsmässig mehr Rehe als Wölfe in Rudelgebieten. Saisonale Schwankungen sind ebenfalls erkennbar: «Rehe werden im Winter häufiger konsumiert, während Gämsen im Sommer und Herbst an Bedeutung gewinnen», so Kora.
Der Anteil an Nutztieren steigt im Sommer. Es gibt regionale Unterschiede: In den Walliser Alpen spielen Rehe und Gämsen eine grössere Rolle als Hirsche. Ausserdem wurden im südlichen Jura Rinder häufiger in der Nahrung nachgewiesen als in anderen Regionen.
Auch Luchs, Bär und Goldschakal im Fokus
Neben dem Wolf beschäftigte sich Kora auch mit anderen Grossraubtieren. Beim Luchs stellten die Fachleute eine wachsende Dichte im Oberwallis fest; zugleich wurde erstmals ein Luchs im Misox in Graubünden sicher nachgewiesen. Gleichzeitig erreichte die Zahl tot aufgefundener Luchse einen neuen Höchststand.
Beim Bären wurden 2025 in der Schweiz 15 genetische Nachweise registriert. Zeitweise hielten sich mindestens zwei verschiedene Tiere im Land auf. Die Art gilt jedoch weiterhin nicht als dauerhaft etabliert. Beim Goldschakal gingen 88 Meldungen ein, von denen 23 als sichere Nachweise bestätigt wurden. Diese verteilten sich auf acht Kantone. Zudem startete Kora das erste schweizweite Forschungsprojekt zu dieser Art.