Ein Überblick über die grössten Profiteure und Verlierer der letzten 90 Jahre auf Schweizer Wiesen und in den Wäldern, basierend auf der am Dienstag im Fachblatt «Nature Ecology & Evolution» veröffentlichten Studie:
Die Verlierer
Schmetterlinge (insbesondere im Mittelland): Während sich andere Gruppen stabilisierten, ging die Artenvielfalt der Schmetterlinge bis in die 1980er-Jahre zurück und hat sich bis heute nicht erholt. Landesweit sank ihre Vielfalt um 12 Prozent. Im dicht besiedelten und landwirtschaftlich intensiv genutzten Mittelland brach die Vielfalt sogar um 29,2 Prozent ein.
Die Feinschmecker und Stubenhocker (Spezialisten): Wer unflexibel ist, verliert. Hochgradig spezialisierte Schmetterlingsarten verloren 41 Prozent ihrer Vielfalt. Auch Nahrungsspezialisten (monophage Arten), die auf ganz bestimmte Pflanzen oder Bäume angewiesen sind, erlitten bei Käfern (-16,6 Prozent) und Schmetterlingen (-22,3 Prozent) massive Einbussen.
Kälte-Fans (kälteangepasste Arten): Der Klimawandel macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Besonders kälteangepasste Schmetterlinge verloren seit den 1930er-Jahren fast ein Drittel (29,8 Prozent) ihrer Vielfalt
Die Gewinner
Totholzkäfer (saproxyloide Käfer): Nach einem harten Einbruch zwischen den 1930er- und 1960er-Jahren erleben sie ein Comeback. Über den gesamten 90-Jahres-Zeitraum verzeichnen sie sogar ein leichtes Plus von 2,7 Prozent. Sie profitieren von moderner, naturnaher Waldwirtschaft und mehr Totholz.
Wärme-Liebhaber (wärmeangepasste Arten): Die Gewinner der Erderwärmung. Weil wärmeliebende Arten vor allem im intensiv genutzten Tiefland lebten, traf sie die Industrialisierung der Landwirtschaft zuerst besonders hart. Bis zum Jahr 1980 brach die Artenvielfalt bei den wärmeliebenden Totholzkäfern um 28,1 Prozent und bei den wärmeliebenden Schmetterlingen um 28,4 Prozent ein. Mit der Beschleunigung der globalen Erderwärmung ab 1980 wendete sich das Blatt komplett, und diese Arten legten wieder stark zu. Dank dieser späten Erholung fiel das Minus über den gesamten Zeitraum (1930–2020) mit lediglich 4,9 Prozent bei den Käfern und einem Minus von 13,5 Prozent bei den Schmetterlingen deutlich glimpflicher aus als bei anderen Gruppen.
Grosse Schmetterlinge: Im Gegensatz zu ihren kleinen Verwandten profitierten grössere Schmetterlingsarten mit einem Plus von 14,1 Prozent an Vielfalt, da sie mobiler sind und neue Lebensräume leichter erreichen.
