«More Than Honey» - Bienen fliegen bald in Schweizer Kinos

Am Donnerstag kommt der Dokumentarfilm «More Than Honey» des Zürchers Markus Imhoof (70, «Das Boot ist voll») in die Deutsch-schweizer Kinos: betörend schöne Aufnahmen, erstaunliche und erschreckende Einsichten. Mit Video

sda |

Am Donnerstag kommt der Dokumentarfilm «More Than Honey» des Zürchers Markus Imhoof (70, «Das Boot ist voll») in die Deutsch-schweizer Kinos: betörend schöne Aufnahmen, erstaunliche und erschreckende Einsichten. Mit Video

Wer meint, das Bienensterben raube ihm einfach nur den Honig vom Brot, wird eines Besseren belehrt. «Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen aus», zitiert der Film Albert Einstein. Denn mehr als ein Drittel unserer Nahrungsmittel sind abhängig von der Bestäubung durch Bienen.

Mensch kann Biene nicht ersetzen

Das Bienensterben erfordert unter anderem, dass Blüten von Menschenhand bestäubt werden, etwa in Teilen Chinas. Nachdem Mao die Spatzen verbot, vermehrten sich die Insekten; der erhöhte Pestizideinsatz dezimierte die Bienen.

Eine Pekinger Studie hat untersucht, ob Bienen oder Menschen besser bestäuben. «Es ist nicht der Mensch», lautet der lapidare Kommentar im auch sonst recht witzigen Film.

Money statt honey

Imhoof, dessen Grossvater in grossem Stil imkerte, ist für sein neuestes Werk nach eigenen Aussagen vier Mal um den Erdball geflogen. Vom Innerschweizer Klein-Imker, der seine tödlich infizierten Bienenvölker mit Tränen in den Augen vergast bis zum amerikanischen Massen-Bienenhalter, der mit seiner geflügelten Millionen-Crew auf Stör zum Bestäuben von pestizidverseuchten Plantagen reist und für welchen Summen «the sound of money» ist.

Der Regisseur besuchte Österreicherinnen, die Spitzen-Königinnen züchten und per Post (!) in die ganze Welt verschicken, einen Bienenhirnforscher in Deutschland, einen Killerbienen-Spezialisten in Arizona sowie seine Tochter und deren Mann, die in Australien überlebensfähige neue Arten züchten.

«Bienen sterben am Erfolg der Zivilisation»

Sie setzen sie auf einer einsamen Insel aus, die dadurch zur Arche Noah wird. Denn: «Bienen sterben am Erfolg der Zivilisation», sagt Imhoof aus dem Off.

Ob, wie Einstein meinte, der Mensch die Bienen nur um wenige Jahre überlebt, weiss der Regisseur nicht, wie er auf dem Filmfestival in Locarno sagte. «Die Bienen werden’s überstehen. Beim Menschen bin ich mir nicht so sicher».

Nie Gesehenes sichtbar gemacht

Welches biologische Wunderwerk auf dem Spiel steht, zeigt der Regisseur mit technisch aufwendigen Makroaufnahmen: Geburt und Jungfernflug der Königin etwa oder der Schwänzeltanz einer Biene, mit dem sie den Kolleginnen Richtung, Entfernung und Reichhaltigkeit eines Pollenvorkommens anzeigt.

Die Aufnahmen entstanden in einem Studio, ein Bienenflüsterer sorgte mit Düften für die Verständigung zwischen Crew und geflügeltem Cast.

Besonders eindrücklich wirkt der Flug des friedlichen Geschwaders zur von der Schwänzlerin angegebenen Stelle - dank 700 Bildern pro Sekunde sieht das sonst fürs menschliche Auge unsichtbare Spektakel aus, als wäre es in einem Pixar-Studio künstlich entstanden. Ein weiterer Sieg des Insekts über seinen menschgemachten Ersatz.

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