Trotz Gefahren: Luchse besiedeln das westliche Mittelland

Der Luchs erobert das Schweizer Mittelland. Was lange als zu dicht besiedelt und zu stark zerschnitten galt, erweist sich laut einem neuen Bericht für die scheuen Grosskatzen als erstaunlich geeigneter Lebensraum.

sda |

Die Stiftung Kora (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) wertete für die am Mittwoch veröffentlichten Daten der Jahre 2020 bis 2025 aus GPS-Sendern, Fotofallen und genetischen Untersuchungen aus.

Hauptbeute Reh

Im westlichen Mittelland von Bern über Freiburg bis in die Waadt schreitet die Besiedlung voran. Mehrere Weibchen haben dort erfolgreich Nachwuchs aufgezogen. Eine Pionierin ist das Luchsweibchen Mona: Bei ihr wurde bereits 2012 erstmals eine Fortpflanzung im Mittelland dokumentiert. Als Hauptbeute dienen den Luchsen im Mittelland das Reh. In den Alpen jagen Luchse hingegen häufiger Gämsen.

Luchse bevorzugen auch im Mittelland den Wald als Lebensraumtyp und nutzen oft steile, bewaldete Hänge entlang von Flüssen als Korridore, schreibt Kora. Sie kamen dabei teilweise auch in die Nähe grösserer Städte, obwohl sie grössere Distanzen zu Siedlungen und Strassen soweit möglich bevorzugten.

Verkehr als grösste Gefahr

Die grösste Bedrohung für die Luchse im Mittelland stellt der Verkehr dar. Vor allem junge Luchse, die ihr Revier verlassen und neue Gebiete suchen, geraten auf Strassen und Bahnlinien. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Tiere von Autos oder Zügen getötet. Auch Störungen durch Menschen können sich negativ auswirken. So führten Holzarbeiten während der Aufzuchtzeit in einem Fall zum Verlust von Jungtieren, da die Weibchen ihren Wurfplatz verlassen musste. Autobahnen und Städte bilden gemäss Kora tödliche Barrieren in der Landschaft, die vor allem abwandernden Jungluchsen zum Verhängnis werden können.

Das Mittelland bietet dem Bericht zu folge die grosse Chance, die genetisch verarmten und weitgehend isolierten Luchspopulationen der Alpen und des Juras zu vernetzen. Eine genetische Analyse von 70 im Mittelland nachgewiesenen Individuen bestätigte, dass sich dort Tiere aus beiden Herkunftsregionen treffen.

364 Luchse schweizweit

Es kam bereits zu Verpaarungen zwischen Luchsen aus den Alpen und dem Jura. Der genetische Austausch schreitet jedoch nur langsam voran. Dies liegt an der hohen Sterblichkeit, die dazu führt, dass viele eingewanderte Tiere oder deren Nachkommen nicht lange genug überleben, um sich fortzupflanzen.

In der Schweiz gibt es drei Luchspopulationen: die Jura-, die Nordost- und die Alpenpopulation. In den Jahren 2024/2025 wurde die Anzahl Luchse insgesamt auf 364 geschätzt.

-> Den Bericht «Luchse im Schweize Mittellan» findet ihr hier

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