
Eine Studie empfiehlt, die wilden Honigbienen als Teil der Biodiversität anzuerkennen und sie systematisch zu überwachen.
M. Moser
Die Honigbiene ist nicht nur ein Nutztier der Imkerei, sondern lebt auch wild in Baumhöhlen und Felsspalten. Aufgrund der Untersuchungen des Forschungsteams wurde die wildlebende Honigbiene nun von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) auf die internationale Rote Liste der bedrohten Arten aufgenommen und als «endangered» bzw. «stark gefährdet» eingestuft.
Die Schweizer Daten der Studie stammen aus dem Langzeit-Monitoring von FreeTheBees («Wildtier Honigbiene – Baumhöhlen erforschen & Lebensräume schützen») . Seit 2012 dokumentieren rund 180 Freiwillige über 400 freilebende Nistplätze. Wie FreeTheBees mitteilt, schaffen sie damit eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für den Schutz der wildlebenden Honigbiene.
Was sind die Konsequenzen für die Schweiz?
Die Studienautoren empfehlen, die wilden Honigbienen als Teil der Biodiversität anzuerkennen und sie systematisch zu überwachen. Wildvölker machen rund ein Sechstel der europäischen Honigbienen aus und ihr Lebensraum werde knapp. «Es fehlt an alten Bäumen mit Höhlen, an Nahrung und an naturnahen Strukturen», heisst es in der Mitteilung. Auffällig seien zudem starke regionale Unterschiede, deren genaue Ursachen wissenschaftlich noch ungeklärt sind.
Lebensraumverlust, menschliche Einflüsse und Parasiten
Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig und Gegenstand aktueller Forschung. Ein Hauptfaktor ist der fortschreitende Verlust geeigneter Lebensräume durch intensive Landnutzung und Bebauung. Zudem reduziert das Verschwinden alter Bäume mit natürlichen Höhlen die verfügbaren Nistmöglichkeiten erheblich.
Gleichzeitig führt der Rückgang naturnaher Landschaften zu einem Mangel an Nahrungsressourcen wie Pollen und Nektar, was insbesondere im Winter das Überleben der Völker erschwert. Von diesen Problemen sind Bienenvölker in der Imkerei mindestens teilweise verschont. Ihnen werden nahezu ideale künstliche Höhlen angeboten (Bienenbeuten) und sie werden bei akuter Nahrungsknappheit zugefüttert.
Schweiz: 615 Bienenarten
Die Bienenschützer empfehlen, wilde Honigbienen als Teil der Biodiversität anzuerkennen und systematisch zu überwachen. Wildvölker machten rund ein Sechstel der europäischen Honigbienen aus, doch ihr Lebensraum werde knapp: Es fehle an alten Bäumen mit Hohlräumen, an Nahrung und an naturnahen Strukturen.
Gefährdet sind aber bei weitem nicht nur die wildlebenden Honigbienen. Insgesamt leben in der Schweiz 615 Bienenarten. 45 Prozent der heimischen Wildbienen sind gefährdet. Das geht aus der 2024 aktualisierten Roten Liste Bienen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) hervor.
Davon gelten 9,6 Prozent oder 59 Arten in der Schweiz als ausgestorben. 3,9 Prozent oder 24 Arten wurden als kritisch gefährdet, 13,7 Prozent (84 Arten) als stark gefährdet und 18,2 Prozent 112 Arten als verletzlich eingestuft.
Wer ist FreeTheBees?
FreeTheBees setzt sich in der Schweiz aktiv für das Überleben der wildlebenden Honigbiene ein. Als unabhängige und gemeinnützige Organisation verfolgt sie innovative Ansätze wie das Projekt «Wildtier Honigbiene» (ehemals Swiss BeeMapping), die Schaffung von Baumhöhlenhabitaten und einen Entdeckungspfad, um natürliche Lebensräume zu erhalten und die Biodiversität zu fördern.