
Wenn die Winterruhe früh endet, haben viele Insekten schlechtere Startbedingungen. Das zeigt eine Deutsche Studie.
Monika Gerlach
Die meisten Wildbienen überwintern als verpuppte Larven in ihren Kokons im Boden, in Holz oder an anderen geschützten Orten. Arten, die im zeitigen Frühjahr schlüpfen, überwintern als voll entwickelte Erwachsene im Kokon. Dagegen müssen Arten, die im Sommer schlüpfen, ihre Entwicklung im Frühjahr noch abschliessen.
Weltweit verändert der Klimawandel den Zeitpunkt, zu dem Insekten im Frühjahr oder Sommer aus ihrer Winterruhe erwachen. Diese Verschiebungen können Folgen haben: Wenn Insekten wegen höherer Temperaturen zu früh schlüpfen, finden sie eventuell noch nicht die Blüten oder die Beutetiere, von denen sie sich ernähren. Ausserdem verbrennen sie ihre lebenswichtigen Fettreserven bei höheren Temperaturen schneller. Das kann ihre Überlebenschancen und Fortpflanzungsmöglichkeiten verringern.
Insekten von 160 Standorten untersucht
Wie steht es um die körperliche Fitness von Bienen und Wespen, wenn sich die Temperaturen rund um den Schlupfzeitpunkt verändern? Das hat ein Team vom Biozentrum der Universität Würzburg (D) untersucht. Dazu betrachteten die Forschenden fünf wildlebende Bienen- und Wespenarten, die im Deutschen Bundesland Bayern vorkommen und zu unterschiedlichen Jahreszeiten schlüpfen.
Für die Studie stellte sich das Team einer Mammutaufgabe: Es sammelte fast 15’000 in Winterruhe befindliche Individuen aus über 160 Regionen in Bayern und zog sie dann an der Uni unter kontrollierten kalten, warmen und heißen Frühjahrsbedingungen auf, um verschiedene Klimaszenarien nachzustellen.
Weibchen verlieren viel Körpermasse
Alle fünf Arten schlüpften bei wärmeren Frühlingstemperaturen früher. Doch dabei unterschieden sich die Populationen nach ihrer klimatischen Herkunft: Frühjahrsarten aus wärmeren Regionen wie Unterfranken erschienen bei warmen Frühlingstemperaturen besonders früh und behielten in der Zeit danach mehr Körpermasse als Individuen aus kühleren Regionen wie dem Bayerischen Wald.
Im Gegensatz dazu schlüpften bei den Spätsommerarten nur die Individuen aus kühleren Regionen früher. Weibchen der Sommerarten verloren unter wärmeren Bedingungen schneller an Körpermasse – in einigen Fällen bis zu 34 Prozent.
Insekten aus kühleren Regionen haben Nachteile
«Unsere Daten zeigen, dass Insekten aus kühleren Regionen besonders anfällig für warme Frühjahre sind. Sie verlieren schneller ihre Energiereserven und haben dadurch schlechtere Startbedingungen», sagt die Forscherin und Erstautorin der Studie Cristina Ganuza.