Wolf: Ruf nach faktenbasiertem Umgang

Die Wolfsdebatte in Österreich gewinnt erneut an Dynamik. Mehrere Nichtregierungsorganisationen fordern einen sachlichen, wissenschaftlich fundierten Umgang mit dem Raubtier und warnen vor vorschnellen politischen Entscheidungen.

Die Wolfsdebatte in Österreich nimmt wieder an Fahrt auf. In einem offenen Brief fordern 14 Nichtregierungsorganisationen (NGO) einen faktenbasierten Umgang mit dem Beutegreifer. Bei politischen Entscheidungen müssten wissenschaftliche Erkenntnisse und europarechtliche Vorgaben konsequent berücksichtigt werden, heisst es in dem Papier. Politische Kurzschlusslösungen dürfe es nicht geben.

Die Organisationen verlangen die Einhaltung des europäischen Naturschutzrechts beim Umgang mit dem Wolf. Zudem müsse der Herdenschutz sachgerecht gefördert werden. Rund um die gesamte Thematik müsse es eine sachliche und differenzierte Berichterstattung geben, so der Appell an die Medien. Zugleich warnen die Verfasser des Briefes davor, den Wolf als Sündenbock für strukturelle Probleme der Landwirtschaft zu instrumentalisieren. Eine evidenzbasierte Debatte sei entscheidend, um Konflikte zu reduzieren und tragfähige Lösungen für Mensch und Natur zu entwickeln.

Erhaltungszustand in der Kritik

Nach Ansicht der Natur- und Tierschutzorganisationen befindet sich der Wolf in Österreich derzeit nicht in einem günstigen Erhaltungszustand. Die Population umfasse lediglich acht Rudel und zeige keinen stabilen Wachstumstrend. Dennoch seien seit 2022 insgesamt 58 Abschüsse behördlich genehmigt worden. In wiederholten Änderungen der Jagdgesetze mancher Bundesländer – so etwa in Tirol – seien die Kriterien für den Abschuss von Wölfen sukzessive gelockert worden.

Für einen günstigen Erhaltungszustand sind nach Einschätzung der NGO deutlich grössere Wolfspopulationen erforderlich, etwa rund 100 Rudel im Alpenraum sowie 16 zusätzliche Rudel im Wald- und Mühlviertel. Zudem müsse der Erhaltungszustand zwingend auf lokaler, nationaler und biogeografischer Ebene bewertet werden und durch ein Monitoring abgesichert sein.

«Mit dem Vorgaukeln, man würde das Problem mit Abschuss lösen, lässt man die Bauern und Bäuerinnen im Regen stehen», kritisierte der Verhaltensbiologe Prof. Kurt Kotrschal. Für ein konfliktarmes Zusammenleben mit dem Wolf brauche es Rudelbildung bei gleichzeitig hochwertigem Herdenschutz.

Risszahlen wieder gestiegen

Nach den 2023 und 2024 verzeichneten Rückgängen ist die Zahl der von Wölfen gerissenen Nutztiere in dem Alpenland im vergangenen Jahr wieder angestiegen. Laut dem Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs wurden 2025 insgesamt 506 Nutztiere nachweislich von Wölfen getötet. Im Jahr davor waren es 340 Risse, 2023 in der Summe 487 und 2022 sogar 791. Hinzu kommt jeweils eine noch höhere Zahl an vermissten Nutztieren. Für 2026 wurden offiziell noch keine Rissereignisse gemeldet. Im Jahr 2024 wurden nach Angaben des Österreichzentrums landesweit 102 Wölfe nachgewiesen. Insgesamt 13 Wölfe wurden entnommen, einer tot aufgefunden.

Lockerung des Schutzstatus in der EU

Im Juni 2025 hatte die EU den Schutzstatus des Wolfes von «streng geschützt» auf «geschützt» herabgesetzt, um mehr Handlungsspielraum für eine gezielte Bestandsregulierung zu schaffen. Damit erhielten die Mitgliedstaaten die Möglichkeit, Wölfe in der nationalen Gesetzgebung herabzustufen.

In Österreich dürfen Wölfe unter bestimmten Bedingungen geschossen werden, aber nur in klar definierten Ausnahmefällen, die je nach Bundesland unterschiedlich geregelt sind. 

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