Trotz Überschuss: Warum weiter Milchpulver importiert wird

Während Schweizer Milchproduzenten unter tiefen Preisen leiden, wurden im zweiten Halbjahr 2025 weiterhin Milch und Milchpulver importiert. Was lange im Hintergrund blieb, gerät stärker in die Kritik. Die hohen Überschüsse verschärfen den Preisdruck und lenken die Aufmerksamkeit nun auch auf die Schokoladenindustrie.

ome |

Trotz der Milchschwemme und sinkender Produzentenpreise wurden im zweiten Halbjahr 2025 weiterhin erhebliche Mengen an Milch und Milchpulver importiert und im Veredelungsverkehr verarbeitet. Der «Schweizer Bauer» hat darüber berichtet: -> «Trotz Milchschwemme: Sie durften Milch und Milchpulver importieren».

Beobachter sehen darin eine zusätzliche Belastung für den Schweizer Milchmarkt, der bereits durch Überversorgung und niedrige Preise unter Druck steht. «Lange Zeit störte sich aber kaum jemand an diesen Importen», heisst es in einem Artikel der «NZZ». Denn die Schweizer Milchproduktion war auf einem Niveau, das die Nachfrage von Industrie und Konsumenten gerade zu decken vermochte. Aufgrund der derzeit hohen verfügbaren Milchmengen hat sich die Situation jedoch grundsätzlich geändert. Nun gerät auch die Schokoladenindustrie stärker in den Fokus. 

Fast jedes sechste Kilo Milch stammt aus dem Ausland

Erkundigt man sich während der Ferien im Ausland, was mit der Schweiz in Verbindung gebracht wird, so werden neben dem Finanzplatz, dem Käse und den Bergen schon bald auch die Schokolade genannt. Dabei drängen sich einem idyllische Bilder auf, in denen auch die Kühe ihren Platz finden. Dass Schweizer Schokolade jedoch aus Schweizer Milch hergestellt wird, ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Zunehmend greifen exportorientierte Schokoladenfirmen auf Milch aus dem Ausland zurück. Laut der «NZZ» stammte im Jahr 2024 fast jedes sechste Kilo Milch für die in der Schweiz hergestellte Schokolade aus dem Ausland. Der Grund, weshalb Schweizer Firmen Milch und Milchpulver aus dem Ausland beziehen, scheint offensichtlich. Schweizer Produkte können preislich mit ausländischen nicht konkurrieren.

-> Milchimporte auf dem Prüfstand

Ein Fonds sollte es eigentlich richten

Um diese Wettbewerbsnachteile zu vermeiden oder zumindest abzufedern und den Milchmarkt zu stabilisieren, hat die Branchenorganisation Milch (BOM) einen Fonds eingerichtet. Dieser Fonds dient dazu, die Preisdifferenz zwischen teurer Schweizer Milch und günstigeren Importrohstoffen auszugleichen. Exportorientierte Verarbeiter erhalten Beiträge, wenn sie Schweizer Milch einsetzen oder Überschüsse exportieren. Der Fonds wird über Abgaben der Branche finanziert.  

Laut der «NZZ» würden zahlreiche Schokoladenproduzenten aber weiterhin die günstigeren Milchprodukte aus der EU beziehen. In der Schokoladenindustrie fehle die Bereitschaft, die Milchproduzenten in dieser Situation zu unterstützen. «Es ist daher wichtig, dass die Unternehmen in der Produktion auch Schweizer Milch verwenden – in der gegenwärtigen Situation erst recht», wird Martin Rufer, Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes, von der «NZZ» zitiert.

-> «Milchwirtschaft retten, Milchimporte sofort stoppen»

Gefahr der Produktionsverlagerung ins Ausland

Rund 70 Prozent der in der Schweiz hergestellten Schokolade werden exportiert. Schweizer Hersteller sehen sich dabei mit Konkurrenten aus dem Ausland konfrontiert. Diese können ihre Rohstoffe zu wesentlich niedrigeren Kosten beziehen. «Ein Importstopp oder zusätzliche Einschränkungen beim Bezug von Vorprodukten würden diesen Wettbewerbsnachteil weiter verschärfen», sagt die Sprecherin von Chocosuisse, dem Verband der Schweizer Schokoladenfabrikanten. Es bestünde das Risiko, dass Teile der Produktion ins Ausland verlagert würden.

Auch BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler weist im Artikel auf die langfristige Gefahr der Produktionsverlagerung ins Ausland hin. Ein Importstopp könne allenfalls kurzfristig eine Lösung sein, gibt er der «NZZ» zu verstehen: «Uns würde es kurzfristig helfen, wenn dieser Import gestoppt würde.» Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) weise zudem darauf hin, dass ein Importstopp bestehende Handelsvereinbarungen verletzen würde. Die Möglichkeit, Importe von Milchpulver zu stoppen, werde vom BLW deshalb derzeit auch nicht geprüft.

-> «Ohne tiefere Milchmenge droht eine Katastrophe»

-> Cremo bringt Milchpulver in Biogasanlage

Kommentare (8)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • ueli | 07.02.2026
    Schweizer Schokolade...mit Schweizerkreuz beworben
    wird mit guter Marge verkauft,
    mit ausländischem Milchpulver.
    sollte man mehr publik machen
  • HeRo | 06.02.2026
    Immer Jammern, aber selber Maschinen, Dünger,Pestizide und Futtermittel Importieren ! Unsere lieben Swiss First Bauern
    • Stungi | 06.02.2026
      Verdienst du etwa beim milchimport geld?das du so gegen die landwirtschaft bist?oder hast aktien eines ausländischen konzern?es gibt leider viele leute wie du,die haben von den schweizer vorschriften keine ahnung,im vergleich zum importierten lebensmittel,wer viel mehr auflagen erfüllt sollte eigentlich bevorzugt werden,ist leider so das wir viele besserwisser haben die anforderungen stellen,beim konsum oder dierektzahlungen sehen die dann aber denn mehrwert nicht.ps den meisten milchbauern wird bei ca 27 prozent der milchmenge nur exportpreis ca 30 rp ausbezahlt,und bei jedem kg milch wird ein marktstützungsbeitrag abgezogen,mit dem dann wieder milch verramscht wird,ohne das der melker einfluss nehmen kann,dies entscheiden dann solche leute die bei landw. Ausstellungen die sekräterinnen hinstellen,damit sie die meinungen der geldgeber nicht hören müssen oder wollen
  • Wilhelm Tell | 05.02.2026
    Aufruf!!!!!!
    Für eine zukunftsfähige, vielfältige und starke Landwirtschaft, treffen wir uns am Samstag den 7 März 2026 von 10:00-15:00 Uhr auf dem Bundesplatz in Bern!!!

    Gemeinsam stehen wir für eine zukunftsfähige, vielfältige und starke Landwirtschaft ein.
    Wir Bäuerinnen und Bauern fordern unsere Grundrechte der Bundesverfassung ein! Wir brauchen praxistaugliche Rahmenbedingungen für die Produktion, und den garantierten Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Dies soll mit verschiedenen Hilfsmitteln erreicht werden (Zoll, Import, Einhaltung unserer Standarts auf Importe, Verminderung von administrativen Auflagen, kein Digitalisierungszwang, Förderung der Betriebe welche Direktvermarkten, Förderung von Betrieben die im Vollerwerb stehen, etc.)
    Weiter fordern wir unser Recht ein, auf sozialverträgliche Entwicklung in der Landwirtschaft.
    Die soziale Teilhabe ist erst wieder gewährleistet, wenn wir die durchschnittliche Arbeitsbelastung von 67 auf 50 Stunden je Woche reduzieren könn
  • Stimmt es, | 05.02.2026

    dass auf dem Weltmarkt der Milchpreis massiv steigt?

    • Aargauer Bauer | 05.02.2026
      Ja, steht in den deutschen Agrar Medien.
  • Gesunder Menschenverstand | 05.02.2026
    Wir werden auf verschiedenen Ebenen ver..scht.
    Im Ausland werben mit Schweizer Schokolade, doch alle Zutaten sind vom Ausland...
    • P.E | 05.02.2026
      Alles klar, nur die Schweizer dürfen in alle Herrn Länder Milchpulver exportieren!
      Auch in Länder die massiv höhere Milcherzeuger Preise haben.
×

Schreibe einen Kommentar

Kommentar ist erforderlich!

Google Captcha ist erforderlich!

You have reached the limit for comments!

Das Wetter heute in

Lesershop

Hier gehts zum Lesershop

Umfrage

Halbierungsinitiative: Wie stimmt Ihr ab?

51.5 % Ich bin für die Initiative
45.9 % Ich bin gegen die Initiative
1.1 % Ist mir egal
1.5 % Weiss noch nicht

Teilnehmer insgesamt 268

Zur aktuellen Umfrage

Bekanntschaften

Suchen Sie Kollegen und Kolleginnen für Freizeit und Hobbies? Oder eine Lebenspartnerin oder einen Lebenspartner?