
Eine ukrainische Landwirtin in einem Gebäude, wo einst die Kühe gemolken wurden. Zerstörte Infrastrukturen beeinträchtigen auch die Wasserversorgung.
Iurii Mykhaylov
Die Landwirtschaft in der Ukraine ist nicht nur unmittelbar den Auswirkungen der Kriegshandlungen ausgesetzt, sondern leidet auch unter den Folgen des Klimawandels. Konkret schlägt sich das in einer Wasserkrise nieder, die vor allem die südlichen Landesteile betrifft. Der Ukrainische Agribusiness Club (UCAB) beziffert die dortigen Verluste der Landwirtschaft aufgrund fehlender Bewässerung auf umgerechnet rund 253 Mio. Euro (rund 232 Mio. Franken) pro Jahr.
Wasserinfrastruktur in schlechtem Zustand
Laut dem UCAB ist die Durchschnittstemperatur in der Ukraine in den vergangenen 30 Jahren um 1,2 Grad gestiegen. Für eine optimale Entwicklung des Getreides seien jährlich etwa 700 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter erforderlich, aber die tatsächliche Menge seien oft niedriger, was sich negativ auf die Erträge auswirke.
Hinzu komme der schlechte Zustand der Wasserinfrastruktur, so der UCAB. Seit Beginn des russischen Angriffs habe der Gegner systematisch die Wasserversorgung ins Visier genommen. Mittlerweile habe die Ukraine etwa ein Drittel ihrer Wasserressourcen verloren. Das bekannteste Beispiel sei die Zerstörung des Kachowka-Staudamms, wodurch etwa 10% aller Wasserressourcen der Landwirtschaft verloren gegangen seien.
Hohe Ernteausfälle
Durch den Wegfall des Staudamms sind laut UCAB die Bewässerungssysteme auf einer Fläche von 750’000 Hektar ausgefallen. In der Folge sei dort die landwirtschaftliche Produktion um rund 89% gesunken. Bei Getreide und Hülsenfrüchte habe man Ausfälle von 93% verzeichnet, und bei Ölsaaten habe das Minus 98% betragen.
Die Ukraine passe sich jedoch den veränderten Bedingungen an, so der UCAB. Die Landwirte setzten Strategien für ein effektives Wassermanagement um. Den Rahmen dafür bilde die Wasserstrategie 2050, die den Weg vorgebe, um die Wasserressourcen des Landes nachhaltig zu bewirtschaften, zu schützen und wiederherzustellen. Das übergeordnete Ziel dieser Strategie sei die Anpassung des ukrainischen Wassersektors an die EU-Vorgaben, insbesondere die Wasserrahmenrichtlinie.