«Unsere Leidenschaft gehört klar den Spezialitäten»

Die Käserei Oberli hat sich während der letzten Jahre auf die Herstellung von Käsespezialitäten fürs In- und Ausland konzentriert. Die Strategie der Rohmilchkäse aus silofreier Milch hat sich im Käsemarkt bewährt.

Martin Brunner |

Die Käserei Oberli hat sich während der letzten Jahre auf die Herstellung von Käsespezialitäten fürs In- und Ausland konzentriert. Die Strategie der Rohmilchkäse aus silofreier Milch hat sich im Käsemarkt bewährt.

Der Gang durch die Käsekeller der Käserei Oberli in Rossrüti gleicht einem Gang durch ein Käseparadies. Die vielen Eigenkreationen heissen «Schweizer Gold», «Die rote Hexe», «Gärtensberger, «Weinlandkäse» und sogar «Mini Liebi». Ihr neuestes Kind ist «Die rote Hexe», welche in den USA bereits die «Sofi Gold» gewonnen hat, eine Auszeichnung für den besten Käse an der Fancy Food Show in New York 2014.

Sie alle sind gehaltvolle, feine und cremige Käse mit einem runden und würzigen Geschmack, hergestellt aus silofreier Rohmilch. Typisch für sie ist auch ihre Geschmeidigkeit, die sie vom relativ hohen Fettgehalt bekommen.

Milchmenge ausgebaut

Die silofreie Milch stammt von den 30 eigenen Lieferanten aus der weiteren Umgebung von Rossrüti. «Wir fanden immer mehr Landwirte, die mit uns zusammenarbeiten wollen», sagt Christian Oberli. «Sie liefern uns heute 5,5 Millionen Kilo Milch. Das ist deshalb wichtig, weil ich alle Bauern persönlich kenne, die Transportwege kurz sind und die Wertschöpfung in der Region bleibt.»

Rund 2,5 Millionen Kilo Milch werden zu Raclette, Fontal und Tilsiter verarbeitet. Bedeutsam ist diese Milchmenge auch deshalb, weil sie den Weg zeigt, den Oberli konsequent verfolgt. Er begann 1980 mit 1,2 Millionen, liegt heute bei acht Millionen und hätte Kapazitäten für zehn bis zwölf Millionen Kilo Milch, die er auch nach und nach ausschöpfen will.

Strategie gewechselt

Der Entscheid hin zu diesen Spezialitäten fiel schon vor einiger Zeit. Für Hans Trachsel, den Leiter der Produktion, und Christian Oberli, war klar, dass sie international nur mit Spezialitäten bestehen können. In der Schweiz ist der Markt gut besetzt. «Mit unserem damaligen Partner Coop durften wir nicht mehr zusammenarbeiten, da dieser den Pasttilsiter ausschliesslich von Emmi bezog», erklärt Oberli. «Wir wollten aber auf dem Markt bleiben. Deshalb entschieden wir uns 1998, international tätig zu werden.»

Es sollten einzigartige, lang gelagerte Käse mit nicht austauschbaren Namen sein. Zu dieser Strategie gehörte auch die Gründung der Handelsfirma, der Bodensee Käse AG, mit fünf beteiligten Käsern. Sie kümmert sich um die Vermarktung im In- und Ausland. «Dieser Wechsel war zwar am Anfang hart. Viel Überzeugungsarbeit war nötig. Doch es hat sich gelohnt. Unsere Abnehmer schätzen es, direkt mit dem Produzenten Kontakt zu haben. Wir stehen heute als eine der grössten gewerblichen Rohmilch-Halbhartkäsereien in der Schweiz erfolgreich im Markt.» Möglich war dies nur, weil er auf hohe Qualität und Flexibilität setzt.

Käsekeller ausgebaut

Unterdessen ist Christian Oberli einen Schritt weitergegangen. Vor zwei Jahren kaufte er die Bodensee Käse AG, weil die Käserei Studer, der verbliebene Partner, an Emmi verkauft wurde. Marcel Ledergerber, Oberlis rechte Hand und Stellvertreter, ist für die Bodenseekäse AG verantwortlich. «Das war für uns ein Quantensprung», erklärt Oberli. «Wir arbeiten zwar mit vielen Handelspartnern zusammen. Gleichzeitig haben wir mit der eigenen Handelsfirma vor allem im Ausland eine starke Position.»

Ebenfalls zukunftsweisend ist der aktuelle Ausbau der Käsekeller. Die rund 15 Käsesorten lagerten bisher in Kellern mit einer Kapazität für 30'000 Laibe. 50'000 Plätze sind nun neu dazugekommen und bereits belegt. Besonders daran ist der Standort der Käsekeller. Oberli zeigt, wo früher die Kühe und die Pferde standen, wo gemolken wurde usw. «Wir konnten nicht in den Boden bauen, hatten aber diesen leeren Stall aus unserem früheren Landwirtschaftsbetrieb. Diesen durften wir umnutzen.» Dies ist auch rechtens, denn Oberlis Betrieb gehört heute in die Spezialzone zur Milchverarbeitung.

Oberli kümmert sich auch um seine Schweine

«Unsere Leidenschaft gehört klar den Spezialitäten», sagt Oberli. «Dabei stellen sich in vielen Bereichen grosse Herausforderungen. Die Befriedigung ist aber ebenso gross.» So hofft er, dass seine Käserei weiter wachsen kann, zwei bis drei Prozent pro Jahr. Mithelfen werden seine teilweise langjährigen 17 Mitarbeitenden, davon in der Käseproduktion drei Käsermeister, zwei gelernte Käser, vier Hilfsarbeiter und drei Lehrlinge.

Und der Präsident der Ostschweizer Milchkäufer hat klare politische Vorstellungen. Auch bei der BOM und bei Fromarte ist er im Vorstand. «Wir sind in der Schweiz nicht marktkonform», sagt er klar. «Die Milchpreise sind im Augenblick viel zu hoch. Das bekommt in nächster Zeit umso mehr Gewicht, weil sehr viel Käse aus der EU im Moment nicht nach Russland geliefert werden kann.» Neben all seinem Engagement lässt sich Christian Oberli aber eines nicht nehmen: Er steht jeden Morgen im Stall und kümmert sich um seine Schweine.

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