«Bauer wird Studi»: Eine WG mit 7 dreiviertel Menschen

Junglandwirt Sebastian Hagenbuch vertieft sein landwirtschaftliches Wissen mittels eines Agronomiestudium in Zollikofen. Nach bestandener Lehre mussten die Latzhosen und Arbeitshandschuhe dem (Sennen-)Hemd und Laptop weichen.

Sebastian Hagenbuch |

Junglandwirt Sebastian Hagenbuch vertieft sein landwirtschaftliches Wissen mittels eines Agronomiestudium in Zollikofen. Nach bestandener Lehre mussten die Latzhosen und Arbeitshandschuhe dem (Sennen-)Hemd und Laptop weichen.

Während der Lehre wurde mir das Leben auf dem Silbertablett serviert: Job, Essen, Unterkunft - alles war organisiert, und ich konnte mich ganz der Arbeit (und einigen anderen Vergnügungen...) widmen. Anders im Studium: Es gibt zwar ein Studierendenwohnheim unmittelbar auf dem HAFL-Gelände, aber wie sich herausstellte, waren die Aufnahmekriterien rigoros.

Wer nicht entweder aus dem hintersten Winkel des Val Mustair kommt, einen breiten Thurgauer-Dialekt mitbringt oder ennet dem Gotthard beheimatet ist, hatte kaum Chancen auf ein Zimmer.

Die gute Notlösung

So kam es, dass ich dem Ruf einer guten Kollegin gefolgt und in eine WG nach Biel gezogen bin. Eine nicht ganz alltägliche WG allerdings. Wir sind genossenschaftlich organisiert, bewohnen eine ehemalige Bäckerei an der Brüggstrasse und sind ein ziemlich kunterbunter Haufen. Wir, das sind

Nela, Masterstudetin für Performance und Bewegung und Musikerin in diversen Bands

Sanna, selbstständige Artistin und Lehrerin

Marc, Ethnologie-Doktorand mit zahlreichen Engagements

Daniel, Informatiker aus Deutschland

Tobi, Veranstaltungstechniker, Heimwerker und Teilzeitpapa

Andrea, Lehrerin, Jugendsozialarbeiterin und Teilzeitmama

Enea (3) und Yann (6 Monate), Kinder von Tobi und Andrea und Farbtupfer im WG-Alltag

Die WG ist in etwa so landwirtschaftsnah wie die HAFL im ersten Jahr praxisnah ist. Das heisst, man spricht zwar ab und zu darüber, trifft sich aber kaum je auf dem Feld. Aber das ist schon in Ordnung so. Ich schätze die Vielseitigkeit dieser WG. Ich schätze den Freiraum, den dieses grosse Haus bietet, ebenso wie die Möglichkeit, mich klammheimlich zurückzuziehen. Und wenn man reden will, ist die Chance recht gut, auf ein Paar offene Ohren zu stossen.

Dass die WG genossenschaftlich organisiert ist, zeigt sich in erster Linie darin, dass man sich mit dem Einzug verpflichtet, zum Unterhalt des Gebäudes beizutragen. Da ich an den Wochenenden fast immer zum Arbeiten nach Hause gefahren bin, kam dies zugegebenermassen zu kurz. Neulich bot sich allerdings die Möglichkeit, etwas für mein WG-Karma zu tun: Eine Woche lang haben wir die ganze Küche auf Vordermann gebracht (Wand und Decke ablaugen, neu streichen, neue Regale zimmern, Gestelle abschleifen und neu streichen etc.). Eine intensive, aber schöne Woche. Die Mitarbeit sorgt auch für zunehmende Identifikation und ein "zu Hause" Gefühl, das über das Funktionelle (Hauptsache n'Dach überm Kopp) hinausgeht.

Wo man zu Hause ist

Das Gefühl, zu Hause zu sein, ist schön. Es wird mir aber meist nicht geschenkt, sondern kommt erst auf, wenn ich beginne, meinen Lebensraum selbst aktiv mitzugestalten anstatt bloss in ein fertiges Nest zu sitzen. Wie jetzt in Biel. Und genau diese Gestaltungsmöglichkeiten hat man als Landwirt wie sonst kaum jemand. Spannende Zukunftsaussichten also...

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