In der Uhrenstadt im Kanton Neuenburg geben für einmal über 400 Glocken aus allen Kontinenten den Ton an.
Umgeben von Industriewerken, Wohnblöcken und Einkaufstempeln eröffnet sich einem in La Chaux-de-Fonds plötzlich ein ländlicher Fleck. Inmitten von Kräutergärten und saftig grünem Rasen stellt sich ein Neuenburger Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert wie ein «pièce de résistance» gegen die ihn umgebende Modernisierung.
Zufluchtsort für Glocken
Er beherbergt das Bauern- und Handwerkermuseum. Einst gehörte der Hof einer Bauernfamilie, die sich während der Winterzeit mit dem Herstellen von Uhren eine Tätigkeit geschaffen hat, die meist einträglicher war als die Arbeit auf dem Feld. Ein Schmuckstück in diesem Museum ist denn auch das original eingerichtete Uhrmacherzimmer. Jedes Jahr organisiert das Museum eine Sonderausstellung. Dieses Jahr ist sie den Glocken gewidmet.
Bevor die Uhren ihren Siegeszug antraten, bestimmten die Glocken über Jahrtausende den Lebensrhythmus der Menschen. Die Glocke war einst einziger Zeitgeber im Dorf und kündigte das Arbeitsende, eine Predigt oder eine andere religiöse Zeremonie an. Und heute, wo gegen den Glockenschlag gerichtliche Verfügungen erwirkt werden, scheint das Museum der einzige Zufluchtsort zu sein.
Ganz so gross wie Kirchenglocken sind die 450 zum Teil sehr aussergewöhnlichen Schlaginstrumente jedoch nicht. Und die Sammlung geht auch weit über die typisch schweizerische Folklore hinaus, zu der ja auch die Kuhglocken zählen. Zu sehen sind Glocken für Elefanten, Maulesel, Zebus oder Yaks. Glocken aus Holz, Bronze, Kokosnuss oder Blech. Glocken aus Vietnam, Afrika, Indonesien oder Tibet.
Passionierter Sammler
Die Ausstellungstücke stammen zum grossen Teil aus der Privatsammlung des mittlerweile pensionierten Glockengiessers Raymond Blondeau. Sein Atelier befindet sich immer noch in der Rue de l'Hôtel-de-Ville, wo er diese Handwerkskunst heute seinem Enkel vermittelt. Über Jahrzehnte hat Blondeau jeweils eine seiner Glocken mit auf Reisen genommen, um sie vor Ort gegen eine lokale Glocke austauschen zu können.
Auch seinen Freunden hat er Glocken mit auf die Reise gegeben, sodass er sich mit der Zeit diese beträchtliche Sammlung hat aufbauen können. Die meisten Glocken dürfen übrigens auch geschlagen werden. Sehr detailliert wird der Herstellungsprozess einer Glocke dargestellt. Veranschaulicht wird er durch Gerätschaften und eine umfangreiche Fotoserie.
Ausser an Montagen ist das Museum nachmittags jeweils von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. www.mpays.ch