
Pro Alps macht sich für eine nachhaltige Verkehrspolitik stark, um das «einzigartige und ökologisch sensible Alpengebiet zu schützen und als Lebensraum zu erhalten».
Filip Rozycki, Pro Alps
Welche Verkehrsentscheide werden heute getroffen und wie können sie so gestaltet werden, dass sie Mensch und Umwelt im Alpenraum besser schützen? Das fragt sich die Fachorganisation Pro Alps und schreibt: «Wer am vergangenen Auffahrtswochenende unterwegs war, habe die Folgen negativer Verkehrsentscheide bereits deutlich gesehen: lange Autokolonnen vor dem Gotthard, überfüllte Parkplätze am frühen Morgen und Ausflugsorte, an denen statt Bergidylle vor allem Blech dominiere.»
Lärm- und Schadstoffbelastung
Der Freizeit- und Tourismusverkehr mache heute mehr als die Hälfte des gesamten Personenverkehrs in der Schweiz aus und sei damit der grösste Treiber der Mobilität – noch vor dem Pendlerverkehr. Besonders stark werde die Strasse genutzt: Rund drei Viertel der touristischen Reisen erfolgten mit dem Auto, obwohl viele Alpenregionen auch mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar seien.
In den Tälern führe dies zusätzlich zu einer deutlich höheren Lärm- und Schadstoffbelastung sowie zu zunehmendem Flächenverbrauch für Parkplätze und Ausweichverkehr bei Staus, schreibt die Organisation, die dich nach eigenen Angaben für eine nachhaltige Verkehrspolitik starkmacht, um das «einzigartige und ökologisch sensible Alpengebiet zu schützen und als Lebensraum zu erhalten».
«Teufelsstein» und «Bergkristall»
Vor diesem Hintergrund lanciert Pro Alps 2026 erstmals eine Jahreskampagne mit zwei thematisch verbundenen Auszeichnungen. Der sogenannte «Teufelsstein» ist ein Schmähpreis, der Projekte, Angebote oder Kampagnen ins Visier nimmt, die aus Sicht der Organisation den motorisierten Individualverkehr im Alpenraum zusätzlich fördern – etwa grosse Parkierungsanlagen, Veranstaltungen ohne ÖV-Konzepte oder touristische Werbung, die primär auf die Anreise mit dem Auto setzt.
Der Preis werde seit 2002 vergeben und soll künftig breiter angelegt sowie stärker unter Einbezug der Öffentlichkeit gestaltet werden, vonseiten der Organisation.
Demgegenüber steht laut der Mitteilung von Pro Alps der «Bergkristall», der positive Beispiele auszeichnet, die zeigten, wie touristische Mobilität auch ohne zusätzliche Verkehrsbelastung funktionieren kann – etwa Hotels mit integriertem ÖV-Ticket, Bergdörfer mit durchdachter Verkehrslenkung oder Shuttleangebote, die den Privatverkehr ersetzen. Statt einer einmaligen Auszeichnung entsteht eine ganzjährige Sammlung von Projekten mit öffentlichem Voting.
Vorschläge einreichen
Der Start der Kampagne ist auf den 20. Mai 2026 angesetzt. Für den Teufelsstein können bis am 9. Juni Vorschläge eingereicht werden. Eine Jury wählt anschliessend fünf Projekte aus, über die die Öffentlichkeit im Sommer abstimmt. Die Preisvergabe erfolgt im Oktober. Für den Bergkristall sind Einreichungen laufend möglich, wobei im Februar 2027 das Projekt mit den meisten Stimmen ausgezeichnet wird.
Damit eine Einreichung in Frage kommt, muss sie:
- im Schweizer Alpenraum stattfinden oder von dort ausgehen
- bereits umgesetzt sein oder kurz vor der Umsetzung stehen
- den Alpenraum verkehrlich stärker belasten (mehr Autos, mehr Lärm, mehr Abgase)
- dem Ansatz «Verkehr vermeiden, verlagern, verträglicher gestalten» klar widersprechen
-> Projekte können via Website oder bei technischen Problemen auch via E-Mail an [email protected] eingereichtwerden.