Im Zentrum des christlichen Glaubens stehen Tod und Auferstehung Jesu Christi, und genau das wird an Karfreitag und Ostern gefeiert. Ostern gelte vielen «als das eigentliche Herz des christlichen Glaubens», sagt der reformierte Theologe Stephan Jütte, Sprecher der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS).
Historisch habe der Karfreitag in der reformierten Tradition eine besonders starke Stellung gehabt. Für die Reformation sei das Kreuz besonders wichtig als Ausdruck der göttlichen Gnade und als Zeichen dafür, dass Gott sich den Menschen im Leiden zuwendet, so Jütte. Heute werde aber stärker betont, dass Karfreitag und Ostern untrennbar zusammengehörten.
Alte und neue Traditionen
In der römisch-katholischen Kirche ist der Karfreitag traditionell kein «normaler Feiertag». Bis mittags sind etwa Geschäfte in katholischen Gegenden wie dem Wallis offen, und erst um 15 Uhr wird in der Karfreitagsliturgie an das Sterben Jesu erinnert. Auch in dieser Tradition gehören Karfreitag und Ostern untrennbar zusammen.
«Ostern ist im römisch-katholischen Verständnis der höchste Festtag des Kirchenjahrs, das «Fest der Feste» und der «Gipfel des Kirchenjahrs», heisst es dazu bei der Schweizer Bischofskonferenz.
In vielen Orten schweigen die Glocken ab Gründonnerstag und ertönen erst wieder in der Osternacht. Zu den prägenden Feiern der Osterzeit gehören in der römisch-katholischen Tradition auch der Palmsonntag, an dem Zweige geweiht werden, und der Gründonnerstag mit den Fusswaschungen.
Diese und weitere bis heute praktizierte Rituale wie Osterfeuer, Osterkerze, Taufen oder Erneuerung der Taufgelübde sind laut der Bischofskonferenz seit der frühen Kirche bezeugt und in der Neuordnung der Heiligen Woche erneuert worden. Neuere pastorale Formen sind etwa Haus- und Online-Liturgien oder der «österliche Lichtweg», eine Art Kreuzweg mit Ereignissen um Ostern.
Liturgie als gemeinsame Identität
Die Christkatholische Kirche in der Schweiz ihrerseits «pflegt den Reichtum der abendländisch katholischen liturgischen Tradition», wie ihr Bischof Frank Bangerter auf Anfrage feststellt. Am sichtbarsten zeige sich dies in der Osternacht: Diese Feier sei voller alter und bedeutungsvoller Zeichen wie das Osterfeuer, eine Reihe von biblischen Lesungen zur Heilsgeschichte und die Segnung des Taufwassers.
Mit «neuen Formen» im Gottesdienst gingen die Christkatholiken «eher behutsam um», sagt Bangerter. Die Christkatholische Kirche sei in vielen Fragen liberal, aber «gerade in der Liturgie bewusst traditionsverbunden». «Denn eine gemeinsame, verlässliche Liturgie trägt auch unsere gemeinsame Identität», so der Bischof.
Bewusst schlichte Feier
Eine «bewusst schlichte und konzentrierte Liturgie» pflegen hingegen die reformierten Kirchen auch an Ostern, wie Jütte betont. Im Mittelpunkt stünden die biblischen Texte der Passion und der Auferstehung sowie ihre Auslegung in der Predigt. An den beiden Tagen gebe es häufig ein Abendmahl.
Ostern werde «sichtbar und hörbar als Fest der Freude» gestaltet. Häufig erklinge am Ostersonntag ein besonders festliches Glockengeläut, und Kirchenräume würden mit Blumen geschmückt, die Musik sei fröhlich und festlich. Viele Gemeinden feierten zudem Ostermorgen- oder Frühgottesdienste, manchmal auch im Freien.
Auch in der reformierten Kirche sind Osterkerzen inzwischen fast zum Normalfall geworden. Sie erinnern symbolisch an Christus als «Licht der Welt». Liturgische Gewänder spielen hier traditionell eine geringere Rolle als in anderen Konfessionen. «Die Feier lebt weniger von äusserer Inszenierung als von der gemeinsamen Verkündigung der Osterbotschaft», heisst es bei der EKS.
Neben diesen «gewachsenen Formen» entstünden in vielen Kirchgemeinden auch neue Ausdrucksformen: meditative Passionswege, Familiengottesdienste, ökumenische Osternachtfeiern oder digitale Angebote. Solche Formate zeigten, dass die Osterbotschaft immer wieder neu in die Sprache und die Lebenswelt der Gegenwart übersetzt wird, sagt Jütte.
