Der Film «Das Flüstern der Wälder» lässt die Natur sprechen

Der Dokumentarfilm «Das Flüstern der Wälder» von Vincent Munier zeigt die stille, bedrohte Schönheit der Vogesen-Wälder (F) und verzichtet weitgehend auf Kommentare zugunsten von Naturgeräuschen und eindrücklichen Bildern. Gemeinsam mit seinem Vater und Sohn erkundet Munier seine eigene Herkunft und macht zugleich auf den Verlust von Arten wie dem Auerhahn aufmerksam. 

sda |

Schon «Der Schneeleopard» lockte Hunderttausende in die Kinos. Nun erreicht Vincent Muniers Dokumentarfilm «Das Flüstern der Wälder» («Le Chant des forêts») allein in Frankreich über eine Million Menschen. Am 26. März kommt er in die Deutschschweizer Kinos.

Tausende Drehstunden und bereits ein Millionenpublikum: Mit «Das Flüstern der Wälder» hat Vincent Munier wohl seinen bislang intimsten Dokumentarfilm geschaffen. Statt in ferne Weltgegenden aufzubrechen, bleibt der Tier- und Landschaftsfotograf diesmal vor der eigenen Haustür – in den Wäldern der Vogesen (F). Dort entdeckt er eine Natur, die uns fremd geworden ist, und erzählt sie mit der Spannung eines modernen Märchens.

Mit dem Ton der Natur auf der Spur

Die Kamera verweilt bei Nebelschwaden, bei jungen Tannen, die aus abgestorbenen Stämmen wachsen, bei scheinbar unspektakulären Momenten: Eine Rehmutter mit ihrem Kitz, die einen von Nebel überzogenen See durchquert, zwei junge Uhus auf der Suche nach Nahrung, ein Luchs, der wenige Zentimeter von der Kamera entfernt steht. Dazu die Geräusche der Wildnis: das Rufen der Kraniche, das Röhren der Hirsche, das harte Aufeinanderschlagen ihrer Geweihe im Kampf.

Der Film verzichtet weitgehend auf einen Off-Kommentar und lässt der Sprache der Natur den Vortritt. Nur stellenweise wird sie von der feinen Klavier- und Violinenmusik des Multiinstrumentalisten Warren Ellis begleitet, der bereits die Musik zu «Der Schneeleopard» (»La panthère des neiges», 2021) komponierte.

Bedrohte Schönheit

Munier kehrt in «Das Flüstern der Wälder» an den Ursprung seiner eigenen Biografie zurück. Gemeinsam mit seinem Vater Michel, ein Naturkundler und Fotograf, und seinem Sohn Simon streift er durch die Wälder der Vogesen, wo seine eigene Beziehung zur Natur entstand.

Im Zentrum steht nicht nur die Schönheit der Natur, sondern auch ihre Bedrohung. Der aus den Vogesen verschwundene Auerhahn wird zum stillen Symbol für das, was wir verlieren. Er macht deutlich, wie sehr Klimawandel und menschliche Eingriffe die Tierwelt verändern. Doch Munier verweigert Alarmismus. Sein Film setzt auf Nähe, Geduld und Staunen – und auf die Hoffnung, dass Bewusstsein durch Aufmerksamkeit entsteht.

Höchste Besucherzahl seit Jahren

Muniers Film «Der Schneeleopard» (zusammen mit Regisseurin Marie Amiguet) war mit rund 620'000 Kinobesucherinnen und -besuchern bereits ein grosser Erfolg. Mit über einer Million Zuschauerinnen und Zuschauern verzeichnet «Das Flüstern der Wälder» nun die höchste Besucherzahl für einen Dokumentarfilm seit zehn Jahren.

Für den französischen Verleih ist der Film damit zu einem echten Phänomen geworden, denn er erreiche ein breites Publikum – Jung und Alt, in der Stadt wie auf dem Land.

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