Der Schweizer Starkoch Andreas C. Studer liebt Kühe und die Fotografie. Jetzt hat er beides in ein Buch gepackt.
«Schweizer Bauer»: Wie kommt Studi der Fernsehkoch darauf, Kühe zu fotografieren?
Andreas C. Studer: Kühe gehören zu meinen Kindheitserinnerungen, ich war von klein an an ein Kuhfan. Wir gingen oft wandern, etwa in den Ferien auf der Riederalp, wenn andere ans Meer reisten. Was ich damals manchmal nicht so toll fand, beschert mir nun sehr schöne Erinnerungen und eine Verbundenheit mit der Heimat.
Sie sind ein vielbeschäftigter Mann. Wie kamen Sie auf die Idee, ihre Kuhliebe zwischen zwei Buchdeckel zu bringen?
Fotografieren ist ein Hobby von mir. Ich gehe gerne nach draussen in die Natur, um mich vom manchmal hektischen Berufsalltag zu erholen. Und so wurden Kühe fast automatisch zu meinem Lieblingsmotiv. Ein Kollege vom deutschen Fernsehen ermunterte mich dazu, doch etwas daraus zu machen. Die Idee vom Kuhbuch ist mir dann immer mehr im Kopf herumgespukt. Kommentare in der Sendung zu meinen eventuellen Buchplänen führten immer zu Reaktionen von Zuschauern, die fragten, wann das Buch rauskomme. Doch trotzdem, es war ja «nur» ein Hobby. Als aber der Verlag auf mich zukam und mir ohne Termindruck anbot, mein Kuh-Buch herauszugeben da sind mir schlicht die Gegenargumente ausgegangen.
Wo haben Sie fotografiert?
In der ganzen Schweiz, viel im Berner Oberland, aber auch im Tessin, im Graubünden und bis ins hinterste Walliser Seitental bei den Eringern
Wussten Sie, dass die Eringer Kampfkühe sind?
Nein, anfangs nicht, ich merkte aber rasch, dass sie etwas anders – sagen wir direkter – drauf sind als etwa die Simmentaler. Aber der Bauer hat mir gesagt «Wenn man sie in Ruhe lässt und ihnen genügend Raum lässt, lassen sie einem in der Regel auch in Ruhe.» So wars auch, das ging prima.
Studi, der Kuhflüsterer?
Das wäre übertrieben, aber ich habe sicher viel über den Umgang mit Kühen gelernt. Dass eine Kuh, wenn sie nicht gerade ein Kälblein hat, nicht einfach von sich aus angreift. «Überfällt» man sie nicht, spricht sie an und gibt ihr genügend Ausweichraum, verhält sich selber ruhig und freundlich, bleibt das Verhältnis meist ungerübt. Hektik und Drängen mögen sie gar nicht. Dass eine Kuh nicht gerade dann in die Kamera schaut, wenn sie soll, oder dorthin geht, wo man sie haben will, zwingt einem zur Ruhe, zur Aufmerksamkeit. Der Zen-Effekt der Kühe halt.
Was sind ihre Lieblingsbilder im Buch?
Das ist schwierig zu sagen. Aber ich liebe die Bilder aus den Hochalpen, mit der klaren Luft und den Berggipfeln. Wie etwa das Titelbild mit dem Schreckhorn im Hintergrund. Aber das ist etwas schwierig zu sagen, ich bin ja nicht objektiv. Ich habe mich so lange auf den Weiden und Berghängen herumgetrieben, mit jedem Bild verbinde ich Erinnerungen.
Wie haben die Bauern reagiert, wenn Sie ihre Kühe fotografiert haben?
Oft hat nur jemand von weitem herübergeschaut, was dieser komische Städter dort auf der Weide macht. Mit Kameraschwenken und Handzeichen kam man meist überein. Die meisten haben sich über mein Interesse gefreut. Das ein oder andere Mal wurde ich auch zu einem Kafi eingeladen. Einfach als «der Kuhfotograf», nicht als «Studi». Diese Begegnungen waren sehr freundlich, interessant und echt. Eine Bereicherung und ein Einblick ins Bauernleben.
Was bedeutet Ihnen als Koch die Landwirtschaft?
Sie ist sehr wichtig für uns. Dort entsteht unsere Nahrung! Saisonalität und Regionalität ist für mich die Basis in der Küche. Das bringe ich auch als oberster SBB-Koch zum Ausdruck. Meine Rezepte beinhalten Schweizer Produkte. Bei den Älplermagronen gehört ein echter Schweizer Käse dran, nicht irgendein Analogzeugs. Auch wenn halt der Endpreis ein paar Rappen höher ist. Ich bin überzeugt, dass der Gast bereit ist, das zu zahlen. Es muss einfach möglich sein, dass ein Wert auch seinen Preis hat. Selber bin ich auch ein grosser Fan unserer Schweizer Spezialitäten. Wenn ich länger in Deutschland bin, dann nehme ich mir immer etwas mit. Dieses Mal etwa einen ganz feinen Étivaz-Alpkäse.
Andreas C. Studer, geb. 1966 und aufgewachsen in Interlaken. Dort startete er seine berufliche Laufbahn als Koch, die ihn in die Spitzengastronomie führte. 1997 begann seine Karriere als Fernsehkoch. Er gehört heute zu den prominentesten TV-Köchen im deutschsprachigen Raum, unter anderem bekannt aus «al dente» (SRF), «Lanz kocht» und aus der «Küchenschlacht» (beide ZDF).
Zum Buch
Meine Schweizer Kühe (d/f/e) von Andreas C. Studer ist ein wunderschöner Bildband mit Kühen aus der ganzen Schweiz – auf der Weide oder im Stall, auf dem Viehmarkt oder bei den Alpabzügen. Ein Buch vom Glück, eine Schweizer Kuh zu sein. pam
Leinenband mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-7165-1728-4, Benteli Verlag, Fr. 48.-