Hans Jörg Rüegsegger, Präsident der Lobag, erklärt, weshalb seine Delegierten das Referendum gegen die AP 2017 nicht unterstützt. Er rät den Betriebsleitern, über die Bücher zu gehen, aber nicht nur auf Direktzahlungen zu setzen.
«Schweizer Bauer»: Aktuell werden Unterschriften für ein Referendum gegen die AP 2017 gesammelt. Die Delegierten der Lobag lehnten ein solches klar ab. Ist man im Bernbiet mit der AP zufrieden?
Hans Jörg Rüegsegger: Nein, man ist weder mit der AP 2017 noch mit den Verordnungen zufrieden. Gross ist die Verunsicherung der Betriebsleiterfamilien. Die Neuerungen lösen Angst aus. Angst ist in der jetzigen Situation aber der schlechteste Ratgeber.
Weshalb will die Basis der Lobag denn trotzdem kein Referendum?
Es stellt sich die Frage, was ein Referendum bringt. An unserer Delegiertenversammlung diskutierte die Basis die Vor- und Nachteile ausführlich. Die Delegierten kamen klar zum Schluss: Ein Referendum ist keine Alternative.
Weshalb nicht?
Wir Bauern müssen weitsichtig werden, einig sein und unsere Zukunft selber gestalten. Schlussendlich muss jeder Bauer selber entscheiden, wohin er mit seinem Betrieb will. Und so müssen wir Bauern agieren, nicht nur reagieren. Man darf nicht vergessen, dass wir Bauern nicht nur von den Direktzahlungen abhängig sind. Für den Erfolg sind auch die Produkterlöse und die Kosten verantwortlich. Ziel muss es also sein, am Markt mehr zu holen, an der Produktion festzuhalten und die Kosten zu senken. Ein wichtiges Bestreben muss der Kulturlandschutz sein. Denn ohne Land gibt es keine Landwirtschaft. Dann müssen wir bei der Selbstversorgung ansetzen. Wollen wir diese hochhalten, braucht es uns produzierende Bauern. Dazu laufen Bestrebungen auch im Schweizerischen Bauernverband.
Obschon die Basis unzufrieden ist, wollen die Bauern die Kröte schlucken?
Nein, diese Kröte schlucken wir nicht einfach so. Wir müssen alles daran setzen, um Korrekturen im Sinne der produzierenden Landwirtschaft zu erreichen. Korrekturen erreichen wir in der heutigen Zeit aber nicht übers Poltern, sondern nur durch Verhandlungen, Gespräche, Einigkeit und politische Unterstützung. Dass dies so ist, davon zeugt, dass die SAK-Faktoren nicht angepasst werden, dass der Bund die Ökoflächen nicht ausdehnen will und dass bei den Landschaftsqualitätsbeiträgen etwas zugunsten der Bauern geht.
Was tut sich denn im Bereich der Landschaftsqualitätsbeiträge?
Entweder braucht es mehr Mittel oder man muss eingestehen, dass sie keine tragende Säule für die Bauern sein können.
Was kann denn in der Verordnung noch korrigiert werden?
Grundsätzlich müssen Gelder von den Übergangsbeiträgen in die Produktion umgelagert werden. Korrigieren kann man etwa die Anforderungen für die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion. Auch ein Futtergetreidebeitrag ist eine breite Forderung, die vielen Bauern zugutekommen könnte. Zu sagen ist auch, dass sich nebst der Lobag auch viele Berner Politiker und Fachorganisationen für die berechtigten Anliegen der Bauern einsetzen.
Es stehen viele Neuerungen an. Was muss jetzt ein Bauer tun, um sich für die AP 2017 zu rüsten?
Er muss über die Bücher. Unsere Bauern müssen sich jetzt bewegen. Um sich bewegen zu können, muss man wissen, welche Auswirkungen die AP für den eigenen Betrieb hat. Es ist nach Anpassungsmöglichkeiten zu suchen. Diese sind kritisch zu hinterfragen und bei positiver Auswirkung umzusetzen.
Alle Bauern haben also Anpassungsmöglichkeiten?
Ja, doch bedürfen die genauer Prüfung. Ich rate den Bauern aber ab, das Heil nur in Programmen zu suchen. Wir können mehr Einkommen durch eine höhere Produktion, durch bessere Preise, durch Nischen oder durch die Kostensenkung erwirtschaften. Unpassende Programme bringen zwar Direktzahlungen , wohl kaum aber Betriebserfolg.