Herisau weiht sauberste ARA der Schweiz ein

In Herisau wird am kommenden Samstag die schweizweit erste Abwasserreinigungsstufe mit Pulver-Aktivkohle eröffnet. Damit können auch kleinste Schadstoffe, zum Beispiel von Medikamenten, aus dem Wasser herausgefiltert werden.

sda |

In Herisau wird am kommenden Samstag die schweizweit erste Abwasserreinigungsstufe mit Pulver-Aktivkohle eröffnet. Damit können auch kleinste Schadstoffe, zum Beispiel von Medikamenten, aus dem Wasser herausgefiltert werden.

Herisau werde zur Pioniergemeinde in der Abwasserreinigung, zusammen mit Dübendorf, das auf ein anderes Verfahren setze, heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde vom Mittwoch. «Hier werden nun wertvolle Erfahrungen gemacht, von denen die gesamte Schweiz profitieren kann», sagte Michael Schärer vom Bundesamt für Umwelt.

Hormone für Fische gefährlich

Mikroverunreinigungen schwimmen zwar nur in geringen Mengen in den Gewässern. Trotzdem stellen sie eine Gefahr für die Lebewesen im Wasser dar. Sie stammen unter anderem von Körperpflegeprodukten, Medikamenten, Pflanzenschutzmitteln oder chemischen Verbindungen der Textilindustrie.

Auch Hormone aus der Anti-Baby-Pille gelangen übers Abwasser in die Flüsse und Seen. Für Menschen sind die Konzentrationen zwar ungefährlich. Bei Fischen können diese Stoffe aber die Fortpflanzung beeinträchtigen oder zu Organschäden und Verhaltensstörungen führen.

Herisau ist nicht ohne Grund für die Pionieranlage ausgewählt worden. Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Bachwis reinigt das Abwasser von rund 34'000 Personen, bevor es in die Glatt fliesst. Wegen der hohen Besiedlungsdichte gilt die Glatt seit jeher als stark belastetes Gewässer.

Textilfirma beteiligt

In Herisau gibt es nicht nur zwei Kantonsspitäler, viele Arzt- und Zahnarztpraxen, sondern auch mehrere Betriebe der Textilindustrie, die Schadstoffe ins Abwasser führen. Die Firma AG Cilander, die grösste Textilveredlerin der Schweiz, beteiligt sich mit knapp einer Million Franken an den Kosten von 4,7 Millionen Franken.

In den nächsten 20 Jahren sollen in der Schweiz rund 100 weitere Kläranlagen aufgerüstet werden, damit möglichst keine Kleinst-Verunreinigungen mehr in die Gewässer gelangen. Der Anteil von Mikroverunreinigungen soll damit um bis zu 70 Prozent reduziert werden.

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