Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die im «Nature»-Fachmagazin «Communications Sustainability» veröffentlicht wurde. Forschende haben dafür über ein ganzes Jahr den Abfall in einer speziell angefertigten Falle im Rhein bei Köln gesammelt und analysiert. Daraus berechneten die Forschenden, dass der Rhein jährlich zwischen 3010 und 4707 Tonnen sogenanntes Makrolitter, also Müllteile mit einer Grösse von mehr als 2,5 Zentimetern, transportiert. Zwischen 446 und 697 Tonnen davon sind Plastik.
Diese Schätzungen für Plastik liegen der Studie zufolge zwischen dem 22- und 286-Fachen früherer Schätzungen, die auf eintägigen Abfallbeobachtungen beruhten. Dies zeigt laut den Forschenden, dass eine für eine realistische Schätzung von Abfall im Fluss eine langfristige Überwachung sinnvoll ist. Die Menge des Abfalls schwankte zwischen den Tagen stark: Besonders hoch war sie bei steigendem Wasserstand im Fluss, da dann Abfall von den Ufern mitgerissen wird.
Wer ist Schuld?
Als grösste Quelle für den Abfall identifizierte die Studie private Konsumenten mit einem Anteil von über 56 Prozent. Einwegprodukte machten dabei mehr als 40 Prozent des gesamten Mülls aus. Wie viel des Abfalls aus der Schweiz komme, sei unmöglich zu sagen, sagte die Studienerstautorin Leandra Hamann von der Universität Bonn (Deutschland) zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Dies ist laut der Forscherin auch eines der Hauptprobleme, die es in Zusammenhang mit der Reduzierung von Müll in der Umwelt gibt: Da es fast unmöglich sei, zu sagen, woher der Abfall stamme, sei es sehr schwer, Verantwortung zu identifizieren oder zuzuweisen und Massnahmen zur Reduzierung zu entwickeln.
«Einfach gesagt: Wer ist Schuld und wer muss das Problem lösen?», sagte Hamann. Eine entsprechende Abfallmessung in der Schweiz würde die Forscherin sehr befürworten. «Das wäre ein grosser Zugewinn zu den wissenschaftlichen Daten», sagte sie.
