Keine Folklore an Staatsempfängen

Der Ständerat hält nichts von der Idee, bei Staatsempfängen auf militärische Ehren zu verzichten und stattdessen Folklore zu bieten. Er hat am Mittwoch eine Motion von Thomas Minder abgelehnt - mit 36 Stimmen zu einer Stimme bei einer Enthaltung. Der Vorstoss ist damit vom Tisch.

Der Ständerat hält nichts von der Idee, bei Staatsempfängen auf militärische Ehren zu verzichten und stattdessen Folklore zu bieten. Er hat am Mittwoch eine Motion von Thomas Minder abgelehnt - mit 36 Stimmen zu einer Stimme bei einer Enthaltung. Der Vorstoss ist damit vom Tisch.

Der parteilose Schaffhauser Ständerat Minder hatte den Bundesrat  beauftragen wollen, Staatsempfänge ohne Ehrengarde abzuhalten.  Stattdessen sollte die Regierung den ausländischen Besuchern  Kultur, Tradition und Spezialitäten der Schweiz näher bringen. 

Als neutrales und touristisches Land sollte die Schweiz nicht  die Armee, sondern «Swissness» zur Schau stellen, forderte Minder: Trachtengruppen, begleitet von Bernhardiner Hunden, kulinarische Köstlichkeiten, Schweizer Uhren, einem Orchester oder einer  Nationalmannschaft. Der Verzicht auf «anachronistischen Militarismus» wäre ein  starkes Zeichen, findet Minder. Die Ehrengarde «mit frisch  rasierten Soldaten» sei nicht mehr zeitgemäss. Schliesslich würden  die Gäste auch nicht mehr mit der Kutsche abgeholt.

Affront gegenüber dem Gast

Der Bundesrat sieht dies ganz anders. Der Empfang eines  Staatsoberhauptes mit militärischen Ehren sei ein auf langer  Tradition fussender Bestandteil des diplomatischen Protokolls,  welches international gültig sei, sagte Aussenminister Didier  Burkhalter. Würde die Schweiz das Protokoll nicht befolgen, käme  dies einem Affront gegenüber dem Gast und dem Gastland gleich. 

Die militärischen Ehren - nicht zwingend mit frisch rasierten  Soldaten - stellten ein Symbol des Schutzes dar. Es handle sich um  eine Bezeugung des Respekts. Im Übrigen gehöre die Präsentation von  Schweizer Kultur, Brauchtum, Wirtschaftsleistung und Küche zu jedem  Programm eines Staatsbesuches. Der Aussenminister lud die  Ratsmitglieder ein, dem nächsten Empfang auf dem Bundesplatz  beizuwohnen.

Den Ständerat überzeugte die Argumentation des Bundesrates, und  Minder musste für den Vorstoss Kritik einstecken. Der Schaffhauser  hatte dem Rat bei einem anderen Geschäft vorgeworfen,  Selbstbefriedigung zu betreiben. Dieser Vorwurf fiel nun auf ihn  zurück: Diese Motion falle in die Kategorie der Selbstbefriedigung,  stellte Felix Gutzwiller (FDP/ZH) fest.

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