Mit Tempo 80 durch Bauernhof

Täglich fahren mehr als 1400 Fahrzeuge durch den Betrieb der Familie Locher in Bonstetten ZH, um zur Autobahn zu gelangen. Für Tiere und Menschen führt dies zu gefährlichen Situationen.

Täglich fahren mehr als 1400 Fahrzeuge durch den Betrieb der Familie Locher in Bonstetten ZH, um zur Autobahn zu gelangen. Für Tiere und Menschen führt dies zu gefährlichen Situationen.

Auf diesem Hof leben alle gefährlich. Die Familie, die hier lebt und arbeitet. Aber auch die Tiere, insbesondere die Katzen. Der Jahresrekord belaufe sich auf dreizehn überfahrene Katzen, heisst es auf tagesanzeiger.ch. Sogar ein Huhn musste schon dran glauben. Gelten doch Hühner eigentlich als agile Tiere, fiel dieses trotzdem einem rasenden Auto zum Opfer.

Erlaubte Geschwindigkeit: 80 Km/h

Grund für diese Gefahr auf dem Betrieb: die Islisbergstrasse führt direkt durch den Bauernhof der Lochers. Eigentlich wäre diese Strasse nur für den Quellverkehr gedacht. Seit der Eröffnung der A4 durchs Säuliamt und des Uetlibergtunnels hat sich die Gemeindestrasse aber zum Autobahnzubringer entwickelt.

Denn die Autofahrer aus den aargauischen Gemeinden Islisberg, Rottenschwil und Lunkhofen nehmen nicht den umständlichen Weg bis zur Autobahneinfahrt Birmenstorf auf sich, wie dies vorgesehen wäre. Sie fahren die Islisbergstrasse hinunter, mitten durch Lochers Hof. Dieser befindet sich Ausserorts, es gilt also Tempo 80.

Sohn wurde angefahren

Bei einer vor zwei Jahren durchgeführten Verkehrszählung, wurde die Durchfahrt von 1400 Autos pro Tag gezählt. Seither wurden es aber tendenziell eher noch mehr. Carole Locher sagt: «Die meisten Automobilisten verlangsamen das Tempo zwar, doch auch wenn sie mit 50 Km/h fahren, ist das gefährlich für unsere Tiere und uns.»

Vor Jahren wurde sogar ihr Sohn von einem Auto angefahren. Er kam mit Schürfungen und Prellungen davon. Er wird nächstes Jahr den Hof übernehmen. Gut möglich also, dass bald wieder Kinder auf dem Bauernbetrieb in Bonstetten spielen werden. Es kamen auch schon Autos zu Schaden, weil es zu Kollisionen mit Kühen kam.

Gemeinde und Kapo schieben sich gegenseitig Verantwortung zu

Die Gemeinde wurde vor zwei Jahren aktiv. Sie erstellten in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Zürich ein Projekt. Am Anfang und Ende der Hofdurchfahrt sollen Schwellen eingebaut werden. Diese Kosten von 94'000 Franken wurde aber vom Gemeinderat abgelehnt.

Daraufhin spielte die Gemeinde den Ball weiter zur Kapo. Die Geschwindigkeit soll auf Tempo 30 statt 80 herabgesetzt werden. Diese ist aber der Überzeugung, dass eine dauerhaft tiefere Geschwindigkeit am ehesten mit baulichen Massnahmen erreicht werden können. Womit der «Ball» nun wieder bei der Gemeinde Bonstetten ist. Gemäss tagesanzeiger.ch will die Gemeinde keine Stellung beziehen.

Lange Vorgeschichte

Bereits im Dezember 1974 hatte sich Fritz Locher, Werners Vater, mit einem Gesuch an den Gemeinderat gewandt. Dazumal hatte die Gemeindeversammlung beschlossen, die Islisbergstrasse zu asphaltieren. Weil auf beiden Strassenseiten Gebäude von Fritz Locher standen, war er schon damals skeptisch und fürchtete den zunehmenden Verkehr. Die Gemeinde nahm die berechtigte Sorge zur Kenntnis und erkannte die erhöhte Unfallgefahr. 


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