Mondkalender: Baumstämme liefern die Fakten

Der Mondkalender wird manchmal belächelt. Er basiert aber auf Tatsachen. Der ehemalige ETH-Forscher Ernst Zürcher machte Messungen im Wald. Und Maria Thun beobachtete ihr Gartengemüse.

sum |

Der Mondkalender nach Maria Thun zeigt an dieser Stelle jede Woche, welche Arbeiten mit Pflanzen in den nächsten Tagen günstig sind. Manche schmunzeln über jene, die nach dem Mond gärtnern. Natürlich haben der Boden, das Wetter und die Sonneneinstrahlung die stärkste Wirkung auf die Vegetation. Darüber hinaus gibt es aber eine Fülle von Beobachtungen und Studien, die eine Wirkung des Mondes auf Pflanze und Tier zeigen.

Ernst Zürcher, ehemals Professor an der ETH Zürich und an der Hochschule für Forstwirtschaft in Biel, gilt als einer der prominentesten Wissenschaftler, die diesen unorthodoxen Weg gehen, die Wirkung des Mondes zu untersuchen. Zürcher stellte zum Beispiel fest, dass der Umfang vieler Baumarten mit der Phase des Mondes korreliert: Bei Vollmond sind die Bäume durch den höheren Wassergehalt etwas dicker. Auch konnte er zeigen, dass bei Vollmond geschlagenes Holz im Gegensatz zu Neumond-Holz seine hohe Affinität zu Wasser behält – das Holz erinnert sich an die Mondstellung zum Zeitpunkt des Fällens. 

Tierkreiszeichen und Wurzeltage

Auch Maria Thun, die deutsche Pionierin des biologisch-dynamischen Pflanzenbaus schlechthin und Erfinderin des Mondkalenders, stützte sich auf eigene Versuche. Sie stellte fest, dass Radieschen je nach Mondstellung unterschiedlich gut wachsen. Diese und weitere Erkenntnisse fasste sie im Mondkalender zusammen, wobei sie sie nicht nur Phasen des Mondes wie Neumond, zunehmender Mond, Vollmond und abnehmender Mond, sondern auch die unterschiedlichen Tierkreiszeichen, die der Mond während seiner Reise am Himmel durchläuft, einbezieht. Auf diesen basiert auf der Einteilung in Blatt-, Blüten-, Frucht- und Wurzeltage.

Übrigens: In einer Umfrage wollten wir 2024 wissen, ob schweizerbauer.ch-Leser nach dem Mondkalender bauern. 38 Prozent der Antwortenden bei unserer nicht repräsentativen Umfrage nutzten damals das Instrument, 33 Prozent bauern nicht damit, und 26 Prozent hatten angegeben, dass sie ihn manchmal brauchen. Es sind damals 138 Stimmen eingegangen. 

Venus zwischen den Hörnern

Ergänzend zum Mondkalender gibts hier auch immer den Ausblick des Goetheanums zum Geschehen am Himmel. Dort steigt Venus am Abend immer höher und wandert im Mai zwischen den Hörnern des Stieres. Am 14. Mai steht der helle Planet direkt zwischen den beiden Randsternen des dynamischen Tierkreisbildes. Venus ist der nächste planetarische Nachbar der Erde und ist als einziger weiterer Planet genauso gross wie die Erde.

Was sie von der Erde total unterscheidet, ist ihre Atmosphäre. Ein Druck von 90 Atmosphären herrscht an der Oberfläche von fast reinem Kohledioxid. Physikalisch bedeutet so ein Druck, dass ein Gas im «überkritischen» Zustand ist. Der Unterschied von flüssig und gasförmig hebt sich auf und gerät in einen hyperfluiden Zwischenzustand.

Überhaupt ist Venus eine Welt, in der sich die Gegensätze aufheben. So ist es durch den hohen Druck immer gleich warm: 460 Grad. Das gilt für die Tag- und für die Nachtseite. Da die Achse von Venus nur  3 Grad geneigt ist, gibt es auch keine Jahreszeiten. 

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