Das System basiere auf Nanopartikeln aus Siliziumdioxid, die mit einem Wirkstoff beladen und von einer Polymerhülle umgeben seien, wie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa am Dienstag mitteilte. Als Wirkstoff kam in den Versuchen das Desinfektionsmittel Chlorhexidin zum Einsatz.
Wird diese Hülle mit sichtbarem LED-Licht bestrahlt, verändert sie ihre Struktur und wird durchlässig, wodurch der Wirkstoff austritt. Schaltet man das Licht aus, verschliesst sich die Hülle wieder und stoppt die Abgabe. Laut den Forschenden lassen sich Zeitpunkt und Dosis über die Dauer und Intensität der Bestrahlung steuern.
Diese kontrollierte Abgabe habe den Vorteil, dass das Medikament genau dosiert werde. Dies vermindere die Gefahr, dass Bakterien in der Wunde Resistenzen entwickeln. «Am besten wäre es, wenn wir dieses neue System der lichtgesteuerten Wirkstoffabgabe mit einem Wundsensor kombinieren könnten», wird Forscher Luciano Boesel zitiert.

Das Empa-Team hat im Labor unterschiedliche Fotoschalter entwickelt, die auf sichtbares LED-Licht mit jeweils einer spezifischen Wellenlänge reagieren. Integriert in ein Pflaster, ermöglichen diese eine lichtgesteuerte Abgabe der jeweils erforderlichen Wirkstoffe auf die Wunde.
Empa
Ein solcher Sensor könnte die Art und Anzahl der Bakterien bestimmen. Das Pflaster liesse sich dann mit verschiedenen Wirkstoffen beladen, die durch Licht unterschiedlicher Wellenlängen gezielt freigesetzt werden könnten. «Das wäre ein wichtiger Schritt in Richtung einer personalisierten Wundbehandlung», so Boesel.
Das System wurde bisher nur im Labor getestet. Bevor es als medizinisches Produkt zugelassen werden kann, muss es für den klinischen Bedarf angepasst werden und klinische Studien durchlaufen. Es dürfte noch mehrere Jahre dauern, bis das Pflaster zur Anwendung kommt.
