
Regen gab es im April vielerorts nur ganz wenig.
Naoki Nihimura
Im schweizweiten Mittel betrugen die Niederschlagssummen gerade mal 27 Prozent des Referenzwerts von 1991-2020, wie das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) am Freitag in einem Blogeintrag schrieb. Man habe die «nassen» Tage mit mehr als einem Millimeter Niederschlag «praktisch an einer Hand abzählen» können. Im westlichen Mittelland, am westlichen Alpennordhang, in Teilen des Wallis und in Mittel- und Südbünden wurden kaum mehr als 15% des Normniederschlags registriert.
An 20 Stationen kein Regen
Damit erreichte der vergangene April laut Meteoschweiz den vierten Rang der niederschlagsärmsten Aprilmonate seit Messbeginn 1864. Am westlichen und östlichen Alpennordhang war es gar der niederschlagsärmste. Der bisher niederschlagsärmste April im Schweizer Mittel war der April 1865. Damals wurden gerademal 9% des Niederschlags registriert, wie er im Referenzzeitraum 1991-2020 im Durchschnitt zu erwarten wäre. Rund 12% waren es April 1893 (Rang 2), 21% im Jahr 2007 (Rang 3). Der nasseste April wurde 1986 registriert.

Niederschlagssumme im April 2026 als Verhältnis zur Referenzperiode 1991 bis 2020.
Meteoschweiz
Über das gesamte Messnetz verzeichneten 2026 über 80 Standorte ein neues Rekordminimum an Aprilniederschlägen. An über 20 davon kamen keine zehn Millimeter Niederschlag zusammen, darunter an solchen im Berner Oberland, im Kanton Graubünden oder in der Region zwischen Zofingen und Aarau im Kanton Aargau. Der Messstandort Frutigen erhielt nur gerade 4,0 mm, Interlaken registrierte 5,0 mm in der Monatssumme. Diese Stationen messen seit 1959.
Nun ist es trocken
Unter den Stationen mit Rekordwerten waren auch einige mit langen Messreihen von über 100 Jahren, primär aus dem Berner Oberland wie Kandersteg mit 11,6 mm, Lauterbrunnen mit 8,3 mm oder Grimsel Hospiz mit 23,5 mm. «Dazu vermeldete auch der Waadtländer Standort Château d’Oex mit 14,2 mm einen neuen Rekord in der rund 140-jährigen Messreihe», schreibt Meteoschweiz. Zum Vergleich: Normal wären im Mittelland rund 70 bis 100 mm, am Alpennordhang 80 bis 160 mm und auf der Alpensüdseite rund 100 bis 200 mm Niederschlag.
Niederschlagsarmut sei aber nicht unbedingt mit Trockenheit gleichzusetzen, hiess es im Blog weiter. Eine Rolle spielen demnach auch die Vorgeschichte über mehrere Monate, die Pegel in Flüssen und Seen, der Grundwasserspiegel, die Bodenfeuchte und der Zustand der Vegetation. Seit der Woche ab dem 20. April könne man in weiten Teilen des Landes aber effektiv von trockenen Bedingungen sprechen.
Sonnenrekord in Pully
Nicht nur punkto Niederschlag war dieser April rekordverdächtig. Denn statt Regen brachte das Hochdruckwetter kräftige Bise und viel Sonnenschein mit sich, wie es weiter hiess: 130-155 Prozent der mittleren Sonnenscheindauer über die Referenzperiode 1991-2020 wurden verzeichnet.
Im waadtländischen Pully wurde zudem ein Sonnenrekord gemessen: 284,4 Sonnenstunden und somit etwa drei Wochen mit maximalem Sonnenschein registrierte die entsprechende Messstation. Der bisherige Rekord von 283,5 Stunden stammte aus dem Jahr 1938.
In den nächsten Tagen dürfte es an zahlreichen Orten Regen geben. Die Mengen dürften aber bei weitem nicht ausreichen, um das Defizit auszugleichen.