Beine auseinander, Brust raus, Schultern nach hinten: Solche Posen der Macht sollen gemäss einer weltweit beachteten Studie die Hormonproduktion sowie die Risikobereitschaft beeinflussen. Dies widerlegen nun Zürcher Forschende in einer grösseren Studie.
Sie kommen zum Schluss, dass «Power-Posen» das Risikoverhalten nicht beeinflussen. Die Teilnehmenden fühlten sich allenfalls etwas selbstsicherer. Dies berichten die Forschenden in «Psychological Science», der gleichen Fachzeitschrift, die 2010 auch die frühere Studie veröffentlicht hatte.
«Power-Posen»
Damals war ein Team um Amy Cuddy von der Harvard Business School zum Schluss gekommen, dass schon kurz eingehaltene sogenannte «Power-Posen» die Hormone sowie die finanzielle Risikobereitschaft beeinflussen. Typische Posen der Macht, in der Fachsprache Hochstatus-Gesten genannt, sind etwa die Hände in die Hüfte stemmen oder zurückgelehnt die Arme hinter dem Kopf verschränken.
Cuddy und Kollegen testeten damals nur 26 Frauen und 16 Männer. Trotz der kleinen Datenbasis fand die Studie viel Beachtung und Cuddy wurde zur begehrten Vortragsrednerin. Eva Ranehill und Kollegen von der Universität Zürich haben die Studie nun mit je rund 100 Männern und Frauen wiederholt.
Wahrnehmung von Macht
Sie fanden weder Auswirkungen auf das Männlichkeitshormon Testosteron, das Stresshormon Cortisol, noch auf das tatsächliche Verhalten der Probanden, wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte. Die körperliche Machtdemonstration beeinflusse hingegen die eigene Wahrnehmung von Macht. Letzteres hatte auch die frühere Studie gefunden.
Für die Studie mussten 200 Studentinnen und Studenten nach dem Zufallsprinzip Körperhaltungen mit «viel Macht» respektive mit «wenig Macht» einnehmen. Danach führten sie eine Aufgabe zur finanziellen Risikobereitschaft durch, die jener der Studie von 2010 entsprach. Sie mussten dabei zwischen fixen (geringen) Geldbeträgen und risikoreichen Glücksspielen mit höheren Gewinnchancen wählen.
«Die grössere Teilnehmerzahl unserer Studie macht es viel unwahrscheinlicher, dass wir zu Ergebnissen kommen, die dem Zufall geschuldet sind», sagte Studienleiter Roberto Weber von der Universität Zürich. Die Ergebnisse zeigten, wie wichtig es sei, auch bereits veröffentlichte Studien zu wiederholen und zu überprüfen.