Roboter sollen Supermarktregale auffüllen

In Skandinavien sollen Roboter künftig nachts die Supermarktregale auffüllen. Erste Tests laufen bereits. Die Schweizer Detailhändler verfolgen solche Projekte mit Interesse. Bei Reinigungsarbeiten kommen Roboter hierzulande schon zum Einsatz.

awp |

Mit seinem langen Greifarm packt der Roboter eine Milchpackung nach der anderen und stellt sie zackig ins Kühlregal. Es ist mitten in der Nacht in einem Supermarkt in Stockholm. Die Mitarbeitenden sind längst zu Hause. Doch im Laden wird weitergearbeitet.

Die schwedische Handelskette ICA – die grösste des Landes – testet im Quartiersupermarkt ICA Nära Roslagstull im Norden der Stockholmer Innenstadt gemeinsam mit dem Startup Cota Robotics eine Maschine. «Wenn wir den Laden schliessen und abends nach Hause gehen, beginnt der Roboter zu arbeiten und arbeitet die ganze Nacht», beschreibt der selbstständige ICA-Händler Peter Dinehage sein Wunschszenario auf Linkedin. Am nächsten Morgen solle die Arbeit erledigt sein. «Dann kann ich mich gleich um den ersten Kunden kümmern.»

Noch in den Kinderschuhen

Noch steckt das Projekt in den Anfängen. «Wir sind noch weit davon entfernt. Das ist ein Experiment, und wir werden unterwegs sicherlich auf viele Kinderkrankheiten stossen», räumt Dinehage ein. Die Maschine kann Waren zum richtigen Regal bringen und einräumen. Weitere Funktionen wie Bestandskontrollen und das Aufräumen sind geplant.

ICA-Schweden-Chef Eric Lundberg sieht in der Robotik vor allem eine Möglichkeit, Mitarbeitende von körperlich schweren und monotonen Aufgaben zu entlasten. Die Maschinen sollten das Personal ergänzen, nicht ersetzen, betonte er ebenfalls auf Linkedin.

Auch in Dänemark werden entsprechende Roboter getestet. In einem Føtex-Supermarkt bei Kopenhagen lernen menschenähnliche Maschinen das Einräumen von Waren. Bis Anfang 2027 sollen sie selbstständig arbeiten können.

Schweizer Detailhändler sehen Potenzial

Auch die Schweizer Detailhändler verfolgen die Entwicklung mit Interesse, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur AWP zeigt. «Grundsätzlich sieht die Migros Potenzial für Robotik und Automatisierung, insbesondere bei klar definierten, wiederkehrenden Tätigkeiten oder ausserhalb der Öffnungszeiten», erklärte eine Sprecherin. Konkrete Projekte oder Pilotversuche zum Einräumen von Waren seien derzeit allerdings nicht geplant.

Dabei zieht die Migros eine klare Grenze: «Mitarbeitende und der persönliche Kontakt zur Kundschaft bleiben zentrale Bestandteile des Einkaufserlebnisses.» Technologie könne bei einzelnen Aufgaben unterstützen und entlasten, ersetze die persönliche Beratung und den Service aber nicht.

Ähnlich klingt es bei Denner. «Wir verfolgen die Entwicklung aufmerksam. Ein Test ist derzeit aber nicht vorgesehen», erklärte der Discounter auf Anfrage. Vor einem möglichen Einsatz müssten insbesondere das Kosten-Nutzen-Verhältnis und die Akzeptanz bei Mitarbeitenden und Kundschaft geprüft werden. Viele Arbeiten erforderten weiterhin Menschen, etwa die Qualitätskontrolle von Frischprodukten.

Auch Aldi Suisse und Lidl Schweiz beobachten die technologischen Entwicklungen mit Interesse. Roboter zum selbstständigen Einräumen von Waren werden bei beiden Discountern derzeit aber nicht getestet. Auch Coop hat keinen grossflächigen Einsatz geplant.

Hunderte Putzroboter bereits im Einsatz

Ganz ohne Roboter geht es im Schweizer Detailhandel allerdings schon heute nicht mehr. Vor allem bei der Reinigung kommen die Maschinen zunehmend zum Einsatz.

Besonders weit ist Denner. In mittlerweile rund 200 Filialen unterstützt der Reinigungsroboter Pudu die Mitarbeitenden beim täglichen Putzen. Die Erfahrungen seien positiv. «Indem sie Routinearbeiten übernehmen, haben unsere Mitarbeitenden mehr Zeit für die Pflege des Sortiments und die Beratung der Kundinnen und Kunden», erklärte der Discounter.

Auch Aldi Suisse testet derzeit Putzroboter. Lidl Schweiz hat in vier ausgewählten Filialen je einen Reinigungsroboter im Einsatz. Mit der Reinigungsleistung sei man grundsätzlich zufrieden. Die Geräte bewegten sich selbstständig durch die Läden und umfuhren Hindernisse zuverlässig.

Grenzen der Technik

Allerdings zeigen sich im Alltag auch Grenzen der Technik. Neben dem täglichen Unterhalts- und Wartungsaufwand nennt Lidl vor allem die begrenzte Akkulaufzeit, schwer zugängliche Stellen und ungeplante technische Unterbrüche als Herausforderungen.

Bei Landi werden ebenfalls in einzelnen Läden Reinigungsroboter eingesetzt. Sie brächten zwar einen Zeitgewinn, allerdings dürfe der Aufwand für den Unterhalt und den Betrieb der Geräte nicht unterschätzt werden, erklärte die Muttergesellschaft Fenaco.

Die Migros hat dagegen frühere Versuche mit Reinigungsrobotern inzwischen abgeschlossen. «Aktuell sind in den Migros-Filialen keine Roboter im Einsatz», sagte die Sprecherin. Die Reinigungsqualität und die Technik hätten grundsätzlich überzeugt. Ein breiter Einsatz müsse aber auch organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll sein.

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