Wie lang ein Meter oder wie schwer ein Kilogramm genau ist, bestimmt das Internationale Komitee für Mass und Gewicht (CIPM) mit Sitz in Paris. Neu ist darin auch die Schweiz vertreten, nämlich durch Philippe Richard, den stellvertretenden Direktor des Eidgenössischen Instituts für Metrologie (METAS).
Richard wurde an der 25. Generalkonferenz für Mass und Gewicht in Versailles in das Gremium gewählt, das eine Art «Verwaltungsrat» der internationalen Organisation des Metervertrags ist, wie das METAS am Montag mitteilte. Diesen Staatsvertrag haben 1875 total 17 Staaten unterzeichnet, darunter die Schweiz - er ermöglichte erstmals international einheitlich definierte Masse.
Philippe Richard leitet seit 2012 eine Fachkommission, die eine wichtige Rolle bei den Arbeiten zur Neudefinition des Kilogramms spielt. Das Kilogramm ist die einzige Masseinheit, die noch nicht durch eine physikalische Naturkonstante definiert wird, sondern durch das in Paris in einem Tresor aufbewahrte Urkilogramm.
Das Urkilo schrumpft
Mit Schrecken stellen die Forscher jedoch fest, dass das Gewicht des Standard-Kilogramms - ein Zylinder aus 90 Prozent Platin und 10 Prozent Iridium - im Laufe der Jahre um einige dutzend Mikrogramm abgenommen hat. Deshalb wird das Kilogramm voraussichtlich im Jahr 2018 mit Bezug auf physikalische Naturkonstanten statt des Pariser Urkilogramms neu definiert.
Diese Neudefinition war ein wichtiges Thema an der Versailler Konferenz. Zwei Methoden sind derzeit im Rennen: Zum einen die Watt-Waage, an der unter anderen auch das METAS arbeitet. Dabei soll das Kilogramm in einem komplexen, zweiteiligen Experiment über elektrische Einheiten mit einer Naturkonstante, der Planckschen Konstante, in Beziehung gesetzt werden.
Andere Wissenschaftler versuchen, einen höchst reinen Siliziumkristall herzustellen, der eine genau bestimmte Anzahl von Atomen enthält. Damit lässt sich - über die genaue Bestimmung einer Naturkonstanten namens Avogadro-Konstante - das Kilogramm auf die Masse eines Atoms zurückführen.