Selten so viele Lawinentote wie heuer – ist der Klimawandel schuld?

Diesen Winter sind in Europa so viele Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht mehr.

sda |

Mindestens 138 Menschen starben nach Angaben einer offiziellen Statistik – 18 davon in der Schweiz. Experten sind sich jedoch uneinig darüber, inwiefern der Klimawandel dafür verantwortlich ist.

Im vorigen Winter 2024/25 gab es in Europa insgesamt 70 Lawinentote. Diese Saison waren es also fast doppelt so viel. Zuletzt wurden 2017/18 noch mehr Todesopfer gezählt: insgesamt 147. Die Statistik stammt vom European Avalanche Warning Service (EAWS), einem Zusammenschluss der nationalen Lawinenwarndienste verschiedener Länder. Auch das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF gehört dazu.

Dessen Leiter, Jürg Schweizer, sagte zu dieser Situation in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ): «Mit dem Klimawandel hat die langanhaltende kritische Lawinensituation dieses Winters nichts zu tun.»

Für die langanhaltende Lawinengefahr war laut Schweizer der Witterungsverlauf massgeblich: «Die Schwachschicht, die uns in diesem Winter so viele Probleme bereitete, ist schon im Dezember entstanden», sagte er. Nach Schneefall Ende November habe es bis in den Januar hinein kaum Niederschlag gegeben. In dieser Zeit wandelte sich der Schnee, es entstanden grosse kantige Kristalle und somit Schneeschichten mit wenig Zusammenhalt. «Man spricht von Schwimmschnee oder Zucker.»

Lawinensituation aus dem Lehrbuch

Im Januar kam dann erstmals viel Neuschnee. Dieser überdeckte diese Schwachschicht. «Es lag gut ein halber Meter Schnee, ein Schneebrett auf einem schlechten Fundament», sagte Schweizer. Das sei eine Lawinensituation aus dem Lehrbuch gewesen. Dass diese kritische Situation mehr oder weniger im ganzen Alpenraum vorgekommen sei, erkläre zu einem Teil die hohe Anzahl der Lawinenopfer.

Anders sehen dies andere Experten aus dem deutschsprachigen Raum. Als einer der Gründe für die höhere Zahl an Todesopfern wird von ihnen der Klimawandel genannt. Demnach verändern sich die traditionellen saisonalen Rhythmen durch höhere Temperaturen, weshalb der Schnee nicht mehr so fest ist. Zudem verbinden sich Altschnee und Neuschnee nicht mehr so gut. Ausserdem gebe es stärkere Winde, sodass sich oft gefährlicher Treibschnee ansammelt, heisst es.

Mit dem Klimawandel sind nach Angaben des SLF eher nässere als trockenere Winter zu erwarten. Entsprechend sei auch das Altschneeproblem im Winter 2025/26 keine Folge des Klimawandels gewesen, konterte Schweizer.

Tourengeher besonders betroffen

Unter den Lawinentoten dieses Jahres waren ungewöhnlich viele Tourengeher. Skitouren und Abfahrten ausserhalb der präparierten Pisten werden seit einiger Zeit immer beliebter. Insbesondere an Steilhängen in hochalpinem Gelände mahnen die Lawinenwarndienste zu grosser Vorsicht.

Dringend empfohlen wird von Bergwacht, Alpenvereinen und anderen Experten, bei Touren in hochalpinem Gelände Schaufel, Sonde und ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) mit sich zu führen. Dies kann lebensrettend sein: Wenn eine Lawine zum Stillstand kommt, sind fast alle Verschütteten noch am Leben. Alles Weitere hängt dann davon ab, wie schnell man gefunden wird: Nach 15 Minuten werden 90 Prozent der Verschütteten noch lebend gerettet. Danach nimmt die Zahl rapide ab.

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