
Die Finsternis war im deutschsprachigen Raum bis zum Sonnenuntergang als tiefe partielle Sonnenfinsternis sichtbar.
Reto Blunier
Bis zu 93 Prozent der Sonnenscheibe waren bedeckt.
20.18 Uhr der Höhepunkt
Begonnen hatte die Finsternis in der Schweiz kurz nach 19.20 Uhr – und zwar im äussersten Nordosten des Landes. Dort war die Sonne zunächst erst teilweise vom Mond bedeckt. Wenige Minuten später konnte das Ereignis im ganzen Land beobachtet werden. Gegen 20.18 Uhr erreichte die Verdunkelung ihren Höhepunkt. Danach gab der Mond die Sonnenscheibe langsam wieder frei.
Für viele Menschen war die Finsternis ein aussergewöhnliches Schauspiel. An zahlreichen Orten richteten sich die Blicke zum Abendhimmel. So fanden sich schon eine Stunde vor Beginn der Finsternis mehr als tausend Neugierige auf dem Berner Rosengarten-Hügel mit seiner Weitsicht über die Altstadt ein. Zum Höhepunkt der Sonnenfinsternis wuchs die Menschenmenge dort auf bis zu 4000 Personen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur sda schätzte.
Tausende auf Hügeln
Auf der Zürcher Polyterrasse über den Dächern der Altstadt machten sich Hunderte die besten Plätze streitig. Und auf den Hohen Kasten in der Ostschweiz hatten sich ebenfalls mehrere hundert Neugierige mit Sonderfahrten bringen lassen. Im Emmental wiederum stieg ein knappes Dutzend Heissluftballons auf zur noch besseren Beobachtung der Sonnenfinsternis.
Aber auch in der Westschweiz, wo das Spektakel etwas später zu sehen war, fanden sich vor allem auf erhöhten Punkten dutzende bis hunderte Schaulustige ein, so dass zum Beispiel die Auffahrt zum Chasseral im Berner Jura für Autos gesperrt wurde und die letzten vier bis fünf Kilometer zu Fuss erklommen werden mussten.
Auch im Freiburgischen und im Wallis kamen an verschiedenen Orten Hunderte zusammen, um das Spektakel am Himmel zu beobachten. Auf dem Signal de Bernex, dem zweithöchsten Punkt im Kanton Genf, versammelten sich gemäss der Schätzung eines sda-Reporters rund tausend Schaulustige. Das Interesse an der Sonnenfinsternis war auch im Tessin gross. So beobachtete sda in Cardada oberhalb von Locarno rund 150 Neugierige.
Ansturm auf Schutzbrillen
Wie gross das Interesse an der Sonnenfinsternis war, zeigte sich bereits in den Tagen davor. Wer das Spektakel beobachten wollte, brauchte eine zertifizierte Sonnenfinsternisbrille – denn normale Sonnenbrillen schützen die Augen nicht ausreichend. Solche Schutzbrillen waren in der Schweiz in den Tagen vor der Sonnenfinsternis kaum noch erhältlich. Vor den wenigen verbliebenen Läden bildeten sich am Dienstag lange Warteschlangen.
So standen in der Stadt Bern am Dienstagnachmittag rund 300 Menschen vor einem Fachgeschäft an, um eine Schutzbrille zu erwerben. Die Wartezeit betrug rund eineinhalb Stunden, wie eine Umfrage von sda zeigte. Auch in Lausanne warteten am Dienstagmorgen hunderte Menschen vor einem Optikergeschäft. Und auch online waren nur wenige Schutzbrillen erhältlich: Laut Digitec Galaxus war die Verkaufslage letzte Woche «nicht optimal».
Seltenes Ereignis
Wer die Sonnenfinsternis verpasst hat, muss lange auf die nächste warten: Eine partielle Sonnenfinsternis dieser Grössenordnung wird in der Schweiz erst wieder im Jahr 2075 zu sehen sein. Die nächste totale Sonnenfinsternis in der Schweiz findet sogar erst im Jahr 2081 statt.

Für viele Menschen war die Finsternis ein aussergewöhnliches Schauspiel.
Reto Blunier
Die letzte totale Sonnenfinsternis, die von grossen Teilen der Schweiz aus zu sehen war, liegt bereits mehr als 300 Jahre zurück: Sie ereignete sich im Jahr 1724. 1842 war die Sonne zudem über dem südlichsten Zipfel der Schweiz total verfinstert.
Dass solche Ereignisse lokal so selten sind, liegt am schmalen Schatten des Mondes, der nur einen etwa 150 bis 200 Kilometer breiten Streifen auf der Erde abdeckt. Dass dieser Streifen genau die Schweiz trifft, ist reine Glückssache. Global betrachtet treten Sonnen- und Mondfinsternisse etwa alle sechs Monate auf.