Gesichtet wurden dabei auch Gruppen von mehr als hundert Tieren, wie Livio Rey, Mediensprecher der Vogelwarte, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärt. So sei auf der Online-Beobachtungsplattform der Vogelwarte (ornitho.ch) beispielsweise am Dienstag eine Gruppe von 250 Tieren in Chavornay südlich von Yverdon in der Waadt gemeldet worden. Tags darauf beobachtete jemand in der Region Genf eine Ansammlung von 180 Störchen.
Die Zahl der Tiere sei dabei nicht ungewöhnlich, so Rey: «Es handelt sich auch nicht um die grössten Gruppen, die wir je registriert haben.» Auch sei noch unklar, ob die derzeitige Häufung von Anfragen ein Zufall sein könnte. Aber das Thema berühre die Menschen offensichtlich.
Viel Nahrung auf Äckern
Erklären lassen sich die vielen Sichtungen laut der Vogelwarte relativ einfach: Zum einen seien nach der Brutzeit besonders viele Störche unterwegs. Dies, da neben den ausgewachsenen Tieren auch die frisch ausgeflogenen Jungen herumflögen. «Dazu kommt, dass die Zugzeit begonnen hat und entsprechend auch Weissstörche aus Deutschland und Frankreich bei uns auftauchen können, die sich auf dem Weg in den Süden befinden», sagt Rey.
Besonders gerne sammeln sich die Tiere demnach auf frisch gepflügten Äckern und frisch gemähten Wiesen. Dort kämen die Störche relativ leicht an Nahrung, also etwa an Heuschrecken, Mäuse oder Regenwürmer. «Teilweise übernachten die grossen Gruppen auch auf Dächern, was dann wiederum in der Bevölkerung auffällt», so Rey.
Eine Rolle spielt für die Ansammlungen gemäss dem Mediensprecher der Vogelwarte auch, dass Weissstörche beim Fliegen warme Luftströme für den Auftrieb nutzen. Entsprechend sammelten sie sich dort, wo die Bedingungen günstig seien. Um ein soziales Verhalten im engeren Sinne handle es sich nicht. Man beobachte auch, wie sich Verbände wieder auflösten.
Zwei Routen in den Süden
Die Weissstörche in der Schweiz sind sogenannte Westzieher: Sie begeben sich traditionell via Spanien und die Meerenge von Gibraltar nach Westafrika. Der Vogelzug beginnt dabei meist ab Mitte Juli. Eine weitere Route, jene der sogenannten Ostzieher, führt vom Osten Deutschlands und aus Osteuropa via den Bosporus und den Golf von Suez nach Ostafrika.
Derzeit erlebe die Schweiz den «Durchzugs-Peak», erklärt dazu Rey. Also eine zahlenmässige Spitze. Typischerweise kehren die ausgewachsenen Tiere dann ab Februar für die Brut wieder nach Europa zurück.
Immer häufiger beobachten Ornithologen allerdings ein neuartiges Zugverhalten, wie die Vogelwarte bestätigt: Störche verbringen den Winter auf der iberischen Halbinsel oder bleiben gleich in der Schweiz. So wurden im Januar 2017 288 Störche gezählt, die den Winter in der Schweiz verbrachten. Im Januar 2026 waren es mit schweizweit 1770 Tieren so viele wie noch nie.
Genug Nahrung auch im Winter
Der Grund ist laut Rey, dass die Vögel auch im Winter hier genug Nahrung finden. Dies, da es weniger schneie und weniger Frost gebe. Die Temperatur als solche sei ohnehin nie der Grund für den Storchenzug gewesen: «Das Storchen-Gefieder isoliert gegen die Kälte recht gut, damit kommen Störche gut zurecht», sagt Rey.
Die Präsenz der Weissstörche ist das Ergebnis einer erfolgreichen Wiederansiedlung. In den 1950er-Jahren galten sie in der Schweiz als ausgestorben. Zwischen 1970 und 1992 stieg die Storchen-Population von knapp 20 auf 140 Brutpaare an. Heuer brüteten in der Schweiz rund 1300 Storchenpaare, wie die Organisation Storch Schweiz im Juli auf Anfrage von Keystone-SDA mitteilte.

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