Männer und Schamanen haben zur Steinzeit neben den berühmten Höhlenmalereien in Frankreich auch ihre Handabdrücke hinterlassen. Davon ging die Wissenschaft bis jetzt jedenfalls aus. Nun hat ein US-Forscher die Abdrücke vermessen - und festgestellt, dass drei Viertel davon von Frauen stammen könnten.
An den Wänden der Chauvet-Höhle in Südfrankreich etwa finden sich mehr als 470 Tier- und Symboldarstellungen. Die mit Holzkohle und Ocker gemalten Bilder stammen aus der Zeit vor 32'000 bis 35'000 Jahren. Neben Abbildungen von Wildtieren finden sich in dieser Höhle auch viele Handabdrücke und Handnegative.
Da einige davon kleiner sind, gingen Forscher davon aus, dass sie von jungen Männern stammten, eventuell im Zusammenhang mit bestimmten Ritualen. Doch Dean Snow, Anthropologe an der Pennsylvania State University, fiel auf, dass die Fingerproportionen einiger Handabdrücke eher weiblich waren, wie der Onlinedienst «wissenschaft.de» am Donnerstag schrieb.
So ist der Ringfinger bei Männern häufig deutlich länger als der Zeigefinger, bei Frauen hingegen sind öfter beide gleich lang. Also vermass Snow insgesamt 36 Handabdrücke aus Höhlen, sowie die Hände von heute in der Gegend lebenden Menschen und verglich die Längenverhältnisse. Danach konnte er nach eigenen Angaben recht genau zwischen Männern, Frauen und männlichen Jugendlichen unterscheiden.
Das Ergebnis: Nur jeder zehnte Abdruck stammte demnach von erwachsenen Männern, 15 Prozent von Jugendlichen - hingegen 75 Prozent von Frauen. Snow ist sich seiner Sache ziemlich sicher: Die Steinzeit-Hände seien alle in die Extrembereiche der heutigen Verteilung gefallen, erklärte er.
Der körperliche Unterschied zwischen Männern und Frauen sei, zumindest was die Hände betraf, deutlicher als heute gewesen. Nun gelte es herauszufinden, was dieser hohe Anteil an Frauen-Handabdrücken bei der steinzeitlichen Höhlenkunst bedeute.