Im Vorfeld des am vergangenen Sonntag begonnenen Weltgesundheitsgipfels in Berlin hat die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Germanwatch die Bundesregierung aufgefordert, sich dort für weniger Antibiotika in den Ställen einzusetzen.
In den Ställen wird laut der Verbraucherschutzorganisation Germanwatch zu viel Antibiotika eingesetzt. Daher fordert Germanwatch, dass es dringend Massnahmen gegen die Gefahr von Antibiotikaresistenzen aus der Tierhaltung geben müsse. «Wir erwarten klare Aussagen, wie die G7-Zusagen eingehalten und der noch immer hohe und routinemässige Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung reduziert werden können», erklärte der politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals. Es sei zwingend nötig, die Verwendung der als Notfallschutz für den Menschen vorgesehenen Reserveantibiotika in der Tierhaltung einzudämmen.
Keine Mühen gescheut
Das Gipfeltreffen der G7-Staats- und Regierungschefs hat laut Germanwatch unter deutscher Präsidentschaft beschlossen, keine Mühen zu scheuen, um das Problem der Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen. Ähnlich äusserten sich zuvor auch die Agrar- und Gesundheitsminister, die explizit zum Kampf gegen Resistenzen in Landwirtschafts- und Ernährungssystemen aufriefen. In den letzten Jahren hätten zudem zahlreiche humanmedizinische Institutionen wie der Ständige Ausschuss der Europäischen Ärzte und die Bundesärztekammer immer wieder eine strenge Regulierung von Antibiotika gerade auch in der Tierhaltung gefordert.
Abkehr von «industrieller Tierhaltung»
Der Teamleiter Welternährung von Germanwatch, Konstantinos Tsilimekis, wies darauf hin, dass zuletzt auch die Wissenschaftsakademien der G7-Staaten den weit verbreiteten Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung als eine der Hauptursachen für die Zunahme von Resistenzen benannt hätten. «Bei der globalen Zusammenkunft auf dem World Health Summit müssen nun dringend gemeinsame Massnahmen vereinbart und vorangetrieben werden», forderte Tsilimekis. Neben klaren Zielformulierungen zur allgemeinen Verringerung des Antibiotikaverbrauchs und Verboten des Einsatzes von Reserveantibiotika spiele auch die nationale wie internationale Abkehr von der «industriellen Tierhaltung» eine entscheidende Rolle. Die bisherigen Bemühungen reichten dazu noch lange nicht aus.
Situation in der Schweiz
Seit 2019 sind Tierärztinnen und Tierärzte verpflichtet zu deklarieren, wofür sie Antibiotika verschreiben. Die Daten gehen an das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Im Juni dieses Jahres beschloss der Bundesrat Massnahmen gegen die Resistenzen.
Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR)
Antibiotika sind einer der bedeutendsten Fortschritte in der Medizin. Ihr Einsatz macht es möglich, bakterielle Krankheiten zu heilen, die früher oft tödlich verliefen. Der übermässige und unsachgemässe Einsatz von Antibiotika führt jedoch dazu, dass immer mehr Bakterien gegen diese Medikamente resistent werden. Die Konsequenzen sind dramatisch und betreffen Mensch, Tier, Landwirtschaft und Umwelt gleichermassen. Der Bundesrat hat deshalb 2015 seine nationale Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) verabschiedet, um das Problem zunehmender Resistenzen koordiniert anzugehen.
