Neuenburger und britische Forschende demonstrieren die Macht der Gruppenzugehörigkeit: Wer nicht zur eigenen Gruppe gehörte, der wurde in einer gemeinsamen Kooperationsaufgabe quasi ignoriert. Laut den Forschenden deutet dies auf die psychologischen Wurzeln von Rassismus und sozialer Ausgrenzung hin.
Für die Studie hatte das Team um Jennifer McClung von den Universitäten Neuenburg und St. Andrews in Schottland 64 Personen anhand eines banalen Unterschieds - ob sie die Zahl von Punkten auf einem Bild über- oder unterschätzten - in zwei Gruppen eingeteilt. Dann sollten jeweils zwei Personen eine gemeinsame Aufgabe lösen.
Nur Mitglieder der eigenen Gruppe wahrgenommen
Diese bestand darin, einen bestimmten Knopf zu drücken, wenn ein Pfeil bestimmter Farbe erscheint. Es ist bekannt, dass Menschen zögern, wenn Pfeil- und Tastenausrichtung nicht übereinstimmen, wenn also der blaue Pfeil, der mit der rechten Taste korrespondiert, nach links deutet und umgekehrt.
Denn dazu benötigt das Gehirn etwas mehr Rechenkraft. Dieser Effekt tritt auch ein, wenn zwei Menschen den Test gemeinsam durchführen, also jeder eine Taste bedient. McClung und Kollegen stellten nun fest, dass die Testpersonen nur dann zögerten, wenn der Partner aus der eigenen Gruppe stammte. Kam er aus der anderen Gruppe, gab es keine verzögerte Reaktion. Sie handelten, als seien sie alleine.
«Dies zeigt, dass wir auf dem Niveau der mentalen Repräsentation nur die Mitglieder unserer eigenen Gruppe wahrnehmen», erklärte McClung in einer Mitteilung der Uni Neuenburg.
«Erschreckende» Resultate
Damit stünden die Resultate der generellen Annahme entgegen, dass das Gehirn die Anwesenheit anderer Menschen automatisch wahrnimmt. Für die Forscher zeigen sie die mentalen Prozesse auf, die an der Basis von Problemen zwischen Gruppen stehen - vom Rassismus bis hin zum völligen Negieren menschlicher Eigenschaften bei anderen Personen.
«Wenn Mitglieder anderer Gruppen unsichtbar sind, ist es leichter, ihre Gedanken und Erfahrungen zu ignorieren und ihnen Leiden aufzuerlegen», liess sich McClung zitieren. Das «Erschreckende» ist gemäss der Autoren, dass dies nicht nur in Gruppen mit historisch starken Gegensätzlichkeiten geschieht, sondern auch in völlig willkürlich eingeteilten Gruppen.
Die Forscher schreiben in ihrer Arbeit, dass ihr Schluss auf gesellschaftliche Phänomene sehr spekulativ sei. Dennoch könnten die Forschungsarbeiten dabei helfen, die Grenzen der Fähigkeit zur Kooperation oder Empathie beim Menschen besser zu verstehen.