Wie viel Kunststoff gelangt in landwirtschaftliche Böden?

mgt/mge |

Plastikmüll in den Ozeanen, Mikroplastik in Kosmetik, überflüssige Plastikverpackungen – drei bereits bekannte Themen zum Umwelteinfluss von Kunststoff. Doch wie viel Plastik landet eigentlich in unseren Böden? Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und das Institut für Ökologie und Politik Ökopol untersuchten erstmalig, aus welchen Quellen welche Mengen an Mikro- und Makroplastik in landwirtschaftliche Böden gelangen. 

Das Fraunhofer UMSICHT und Ökopol bilanzierten erstmalig Mengen und Quellen von Kunststoffeinträgen in landwirtschaftliche Böden in Deutschland. Diese umfassten einerseits Kunststoffeinträge, die die Landwirtschaft verantwortet, und andererseits Kunststoffeinträge verursacht durch Dritte, schreibt das Institut auf seiner Webseite. Dazu gehören z. B. Littering, Klärschlamm (in der Schweiz verboten), Komposte und Gärreste.

19055 Tonnen landen pro Jahr in landwirtschaftlichen Böden

Laut der Studie verbraucht die deutsche Landwirtschaft ca. 1,1 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr. Sie hat damit einen Anteil von 4,7 % am deutschen Gesamtverbrauch von 23,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Beim Kunststoffverbrauch erreicht die Landwirtschaft einen Rezyklatanteil von ca. 37 %, ist somit bei der Umsetzung einer Circular Economy anderen Kunststoffanwendungen deutlich voraus.

Insgesamt werden die Kunststoffemissionen in landwirtschaftliche Böden in Deutschland von den Autoren auf mindestens 19 055 Tonnen pro Jahr geschätzt, wovon 15 420 Tonnen (81 %) ausserhalb der Landwirtschaft entstehen, und 3635 Tonnen (19 %) direkt durch die Landwirtschaft verursacht werden. Das bedeutet, dass der durch Dritte verursachte Eintrag an Plastik höher ist als der Anteil, der durch landwirtschaftliche Prozesse selbst verursacht wird.

Insbesondere durch den Einsatz von Düngemitteln, Bodenverbesserern, Pflanzenschutzmitteln oder Saatgut würden Emissionen direkt durch die Landwirtschaft verursacht, oder sie entstünden durch die Freisetzung von Kunststoffen im Futter- und Pflanzenbau, bei Pflanzhilfen, Pflanzbehältern oder Bewässerungssystemen, schreibt das Institut weiter auf seiner Webseite.

Bestimmte landwirtschaftliche Praktiken führen zu besonders hohen Flächeneinträgen wie Pflanzhilfen im Wein- und Gartenbau, Düngung mit Kompost, Anbau unter Folien, Anwendung von Klärschlamm und Langzeitdünger sowie Bodenverbesserern in Form von Hydrogelen. Für diese Prozesse muss allerdings auch der Eintrag an Kunststoff in landwirtschaftliche Böden gegenüber anderen Umwelteinflüssen abgewägt werden. Beispielsweise reduziert die Verwendung von Folien in der Landwirtschaft den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und ermöglicht erst einen regionalen Anbau von z. B. Erdbeeren oder Spargel.

Die Autorinnen der Studie schlagen Massnahmen vor, um den Eintrag von Kunststoff zu reduzieren. Bildung, Recycling und ausreichende Abbaubarkeit in allen umweltoffenen Anwendungen und solchen, in denen Verluste nicht ausreichend ausgeschlossen werden können. 

Kommentare (3)

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  • W. MÜLLER | 16.04.2023
    W. MÜLLER sagt:
    16. April 2023 um 12:11 Uhr
    Wenn wir alle auf diesem Planeten sei es die Landwirtschaf , die Konsumenten, die Produktionsfirmen, nicht endlich das Problem angehen ist das für unsere nachkommen eine der größten Katastrophen der Menscheit.
    WENN DAS SO WEITER GEHT HAT ES IN CA 20 JAHREN MEHR PLASTIK IN DEN WELTMEEREN
    WOLLEN WIR DAS ????
  • W. MÜLLER | 16.04.2023
    Wir alle müssen nun am gleichen Strick ziehen und den PLASTIK einschränken und sauber entsorgen zur Weiterverarbeitung zurückführen.
    Das heißt die Landwirtschaft, die Konsumenten, die Firmen der Herstellung von Plastik , die Lebensmittel Industrie müssen an die Zukunft der kommenden Generationen denken.
    BIS 2040 wird es mehr PLASTIK in den Weltmeeren als FISCHE
  • BÄNZ | 15.04.2023
    Mikroplastik durch Geoengenering nicht vergessen! Sichtbar durch Spinnwebenfäden artigen Polymerfasern in der Luft gebüschen und in der Abendsonne über dem Gras

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