«Bauer, ledig, sucht»: Flirten, streicheln, entschleunigen

Am Sonntagabend strahlte der TV-Sender 3+ die neunte Folge von Bauer, ledig, sucht aus. Unsere Bloggerin Cornelia Fässler begleitet die 22. Staffel und nimmt die Geschehnisse genau unter die Lupe.

Cornelia Fässler |

Vielen Bauern ist viel schnell zu viel. Wie das wohl gemeint ist? Das zeigen die Bauern der aktuellen Staffel mehrmals deutlich. Aufdringlichkeit und ein unselbständiges Gegenüber kommen alles andere als gut an. Doch die Hofherren und -damen passen erstaunlich gut in die Wunschkiste.

Entschleunigen

Trotz fliegender Kuschel-Stechtiere hatte Elli eine erholsame erste Nacht in ihrer Knutschkugel. Beim Verwöhnfrühstück werden grundlegende Bedürfnisse geklärt: Menschenmassensucht oder -flucht? Jodeleinlage oder Rückwärtssalto? Zurückhaltendes Kennenlernen oder bereits Flirtkurs?

Bei der Baustellenbegehung kommt Ellis kleiner Hang zur Ungeduld zum Vorschein. Doch wer weiss, vielleicht ist das genau der Anstoss, den Dänu noch gefehlt hat? Bei der Erstbegegnung mit Olivia und ihren Artgenossen zeigt sich die Hofdame hingegen von einer ruhigen und geduldigen Seite – ganz zur Freude des Bauers. Der entschleunigende Charakter der Vierbeiner scheint Elli gutzutun. Betretenes Neuland gefällt offenbar.

Einmal Copypaste undercover

Ob Marie Anna wirklich nur den Helfer der Woche vermissen wird? Benj hat durch seine unkomplizierte, humorvolle Art definitiv das Zeug, an Marie Annas Seite zu glänzen. Laut herausgelacht habe ich erneut über den Umgang der beiden, als das «letzte Gespräch» anstand.

Vor allem bei der Pferdebäuerin lernt man schnell, zwischen den Zeilen zu lesen. «In Kontakt bleiben» sieht für mich deshalb ganz anders aus, als uns die beiden selbsternannten Puzzleteile weismachen wollen. Und trotzdem bin ich – und Marie Anna vermutlich auch! – leicht paff, als Benj sie bei der Verabschiedung zuerst abknutscht, als gäbe es kein Morgen, und anschliessend das Gelände fluchtartig verlässt. Da kann wohl jemand schlecht Abschied nehmen. Aber gesessen hat die Aktion. So sieht also «in Kontakt bleiben» in Benjs und Marie Annas Sprache aus. Gratulation!

Der kastrierte Bock

Alter schützt vor dummen Ideen nicht. Und wenn Tochter «A» und Mutter «B» sagt, wird die Kutsche für den hühnerhautbesetzten, weisshosenbeinigen Hofherrn Ioannis geschmückt. Die Vorfreude scheint beiderseits gewaltig zu sein – entsprechend fällt die Begrüssungsumarmung aus.

Auf dem Rückweg offenbart Ioannis seinen beruflichen Werdegang und schlägt Fränzi glücklicherweise nicht in die Flucht. Im Gegenteil: Der Humor fährt auf derselben Kutsche. Den Zwergterroristentest zu Hause besteht der Hofherr souverän und Fränzi ist von Ioannis’ puderzuckerpinken Teddybärengeschenk hellbegeistert. Ich hoffe bloss, dass der Hofherr vor lauter Begeisterung den Blick fürs Wesentliche nicht verliert: Geduld und Vertrauen.

Kurze, blaue Zungen küssen gut

Lange Reise, schmales Bett, Ziel erreicht. Doch ganz über das Ziel hinausgeschossen wird dann doch nicht. Denn wenn für Gabi die eigene Badewanne bereits zu tief ist, wird sie sich im Meer noch ganz verlieren. Dieses Risiko möchte Röbi natürlich nicht eingehen und entführt seine Herzdame in die Stadt.

Sightseeing der eigenen Art: Wo andere einen Bartisch erkennen, entdecken Röbi und Gabi scharfsinnig das leider leere Dieselfass darunter. Leer mögen auch ihre Mägen sein. Deshalb verschlägt es die beiden Turteltäubchen in die Gelateria, wo Gabi ihr vorbildlichstes Französisch auf die Wasseroberfläche bringt. Herrlich, diesen beiden zuzusehen.

Wenn Augen Bände sprechen

Anita geht vorbereitet zum Doppeldate und möchte den Herren auf den Zahn spüren. Die zwei Anwärter scheinen ausser den weichen Knien und dem bereits entfachten Feuer für Anita nicht viel gemeinsam zu haben. Beim Selbstversorger-Zvieri nimmt sie Beat und Hans unter die Lupe und achtet auf jedes Detail.

Wo Hans bei Anitas vorbereiteten Fragen jeweils als Erster spontan aus dem Bauch heraus antworten muss, geniesst Beat den Denkminutenvorsprung. Seine Antworten fallen folglich romantischer und überlegter aus. Für Kopfmensch Beat sehr enttäuschend kommt dann jedoch Anitas Entscheid – meines Erachtens goldrichtig. Denn Hans hatte für mich die weniger fordernde Art und gab sich sehr natürlich – genau das, was Anita gesucht hatte.

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