Habt Ihr gemäht?

Der Zeitpunkt des ersten Grasschnitts im Frühjahr ist entscheidend für Ertrag und Futterqualität. In der Praxis kursieren dazu zahlreiche Vorurteile – etwa dass zu früh oder zu tief gemäht werde oder sich Betriebe am Nachbarn orientierten. Fachleute aus Beratung und Saatgutpraxis ordnen diese Aussagen ein und zeigen, wie differenziert der erste Schnitt beurteilt werden muss. Habt Ihr schon gemäht? Macht mit bei unserer Umfrage.

Im Talgebiet ist der erste Schnitt vielerorts bereits gemacht. Immer wieder wird Bauern vorgeworfen, sie würden zu früh mähen, sobald die Nachbarn aktiv werden.

Herbert Schmid vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg relativiert: Zwar komme es vor, dass sich Betriebe an anderen orientieren, pauschal zutreffend sei das jedoch nicht. «Es ist ja auch nicht falsch, wenn man auf die ‹Richtigen›, also auf Futterbauprofis, schaut.»

Auch Simon Rothenbühler, Produktmanager Futterbau bei UFA-Samen, sieht das differenziert. Zwar seien einzelne Parzellen früh geschnitten worden, viele Betriebe warteten jedoch bewusst ab, bis das Grasstadium – etwa das Rispenschieben – erreicht sei.

Junges Futter: Qualitätsgewinn oder Ertragsverlust?

Ein häufig diskutiertes Thema ist die Frage, ob Gras zu jung geschnitten wird. Kritiker befürchten Futter mit zu wenig Struktur. Schmid verweist hingegen auf positive Erfahrungen: Ein früher Schnitt könne sich günstig auf Milchleistung und Futteraufnahme auswirken. Entscheidend sei die Gesamtbewirtschaftung.

Gleichzeitig weist er auf standortspezifische Unterschiede hin: In trockenen Lagen seien teilweise verunkrautete Wiesen ein Problem, während robuste Gräser wie Knaulgras nur alle drei bis fünf Jahre einen späteren Schnitt zur Versamung benötigen.

Rothenbühler betont dagegen den Zielkonflikt zwischen Qualität und Menge: Junges Futter habe zwar einen hohen Nährstoffgehalt, könne aber Ertragseinbussen verursachen. Der erste Schnitt habe deshalb einen zentralen Einfluss auf die Jahresbilanz.

Schnitthöhe: tiefer ist nicht automatisch besser

Ein weiteres Vorurteil betrifft die Schnitthöhe. Die Annahme, ein möglichst tiefer Schnitt steigere den Ertrag, wird von den Experten relativiert. Herbert Schmid empfiehlt je nach Nutzung eine Schnitthöhe von 6 bis 8 cm, bei Luzerne-Gras-Mischungen 8 bis 10 cm.

Auch Rothenbühler warnt vor zu tiefem Schnitt: Zwar könne kurzfristig mehr Masse geerntet werden, langfristig verlangsame sich jedoch der Wiederaustrieb, zudem nehme die Futterverschmutzung zu.

Futteraufbereitung: «Mehr ist nicht besser»

Auch bei der Bearbeitung des Heus bestehen unterschiedliche Vorstellungen. Die Aussage, Futter müsse möglichst häufig gewendet werden, wird von Schmid relativiert: Entscheidend sei die Anpassung an Feldbedingungen und Trocknungsleistung, nicht die Anzahl der Arbeitsgänge.

Rothenbühler formuliert es klarer: «Das Futter sollte so wenig wie möglich und so viel wie nötig bearbeitet werden.» Zu intensive Bearbeitung führe zu Nährstoffverlusten und Qualitätsabnahmen. Moderne Belüftungssysteme könnten helfen, die Qualität zu sichern und Verluste zu reduzieren.

Differenzierung statt Pauschalurteile

Die Beurteilung des ersten Schnitts lässt sich nicht auf einfache Regeln reduzieren. Zeitpunkt, Schnitthöhe und Futteraufbereitung hängen stark von Standort, Witterung und Bewirtschaftungsziel ab.

Einig sind sich die Fachleute darin, dass sowohl zu frühes als auch zu spätes Handeln Nachteile haben kann – entscheidend bleibt die fachlich begründete Abwägung im jeweiligen Betrieb.

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Kommentare (4)

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  • Bergbauer | 03.05.2026
    Bei uns, Ostschweiz, Bergzone, Südhang , 700müM war das Futter schon alt genug, am Boden ist es schon bis weit nach oben gelb und verholzt. Ertragsmässig haben wir einen neuen Rekord. Es ist aber sehr unterschiedlich, es kommt sehr auf die Bestände an, in der Region hat es viele Betriebe mit unterdurchschnittlichen Erträgen. Also bitte nicht einfach pauschal kritisieren, ihr spinnt, schaut einfach auf euch selbst. Es ist noch nicht Herbst, aber die Milchschwemme ist noch lange nicht vorbei.
  • Bergbauer | 03.05.2026
    Bei uns Ostschweiz 700 müM Südhang war das Futter schon alt genug, die Gräser sind am Boden schon weit nach oben gelb und verholzt, mengenmässig sieht es nach einem neuen Rekord aus. Es ist aber sehr unterschiedlich, es kommt sehr auf die Bestände an. Auf teils umliegenden Betrieben gibt es unterdurchschnittliche Erträge. Also bitte nicht allgemein kritisieren ihr spinnt!! Was nicht gut aussieht, die nächste Milchschwemme steht an…
  • Jung bauer | 02.05.2026
    Wir haben 45 ha, davon 7ha in der Acker Fläche, und 38 ha grünland.
    Sind auf 650m.ü.m.
    Milch und mutterkuh Betrieb.
    Wir haben noch nicht angefangen mit mähen hat zwar sehr schön Gras aber die Struktur fehlt noch da es noch jung genug ist.
    Ich weiss von 2 Nachbarn wo jeweils auch früh mähen und im Winter Stroh im mischwagen bei füttern müssen da die Struktur fehlt eine harnübersäuerung haben.
    Bis in etwa 2 Wochen gibt es perfektes Grund Futter.
  • Daniela Nef | 02.05.2026

    Bei uns im Appenzeölerland haben schon viele gemäht. Hat nicht viel. Es rechnet sich nicht,bei diesem Dieselpreis. Auch nachher gibt es noch Heuwetter. Man hätte meinen können,dass es nachher verboten würde. Etwas Stiel und Kopf der Maienblume abschneiden bringt nicht viel,wenn das Bodengras fehlt und ehrlich, zum Belüften nächste Woche ist es nicht so toll und gar so junges Heu tut den Kühen nicht gut. Schlussendlich gibts weniger Stock,das man im Winter zu kurz hat. Geduld bringt Rosen,sagt ein Sprichwort. Denen,die auch noch nicht angefangen haben,wünsche ich schönes Heuwetter.

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