Wegen Krieg: Habt Ihr Eure Lager gefüllt?

Geopolitische Spannungen und unsichere Lieferketten rücken die Versorgungssicherheit der Landwirtschaft stärker in den Fokus. Eine durchdachte Lagerhaltung von Betriebsmitteln und Treibstoffen kann helfen, Betriebe in Krisenzeiten handlungsfähig zu halten. Habt Ihr Eure Lager gefüllt? Macht mit bei unserer Umfrage.

ats/sda |

Angesichts wachsender internationaler Konflikte und der Sorge vor möglichen Versorgungsunterbrüchen gewinnt die Lagerhaltung von wichtigen Hilfsmitteln auf Landwirtschaftsbetrieben an Bedeutung.

Ein grösserer militärischer Konflikt oder politische Spannungen könnten Lieferketten unterbrechen und den Zugang zu zentralen Betriebsmitteln erschweren. Für landwirtschaftliche Betriebe kann dies rasch zu ernsthaften Problemen führen.

Das zeigt folgendes Beispiel:  Der Iran-Krieg hat die Treibstoffpreise in der Schweiz innert weniger Tage spürbar in die Höhe getrieben. Zwischen dem 28. Februar und dem 9. März verteuerte sich Diesel um 8,6 Prozent auf durchschnittlich 1,90 Franken pro Liter. Der Preis für Bleifrei 95 stieg im gleichen Zeitraum um 3,7 Prozent auf 1,70 Franken.

In Krisensituationen anfällig

Besonders wichtig sind Vorräte bei Betriebsmitteln wie Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmitteln sowie bei Ersatzteilen für Maschinen. Auch Treibstoffe wie Diesel spielen eine zentrale Rolle, da Traktoren, Mähdrescher oder Hoflader darauf angewiesen sind. Fällt die Versorgung aus oder verzögert sie sich, können wichtige Arbeiten auf dem Feld oder im Stall nicht mehr rechtzeitig durchgeführt werden.

Viele Betriebe arbeiten heute mit relativ kleinen Lagerbeständen und verlassen sich auf regelmässige Lieferungen. In Krisensituationen kann dieses System jedoch anfällig sein. Eine vorausschauende Lagerhaltung – etwa für mehrere Wochen oder Monate – kann deshalb helfen, Engpässe zu überbrücken und die Produktion aufrechtzuerhalten.

Sicherheit und Zusammenarbeit

Bei der Lagerung von Treibstoffen und Betriebsmitteln müssen jedoch strenge Sicherheits- und Umweltvorschriften eingehalten werden. Diesel sollte nur in zugelassenen Tanks gelagert werden, und auch Dünger oder Pflanzenschutzmittel müssen sachgerecht aufbewahrt werden.

Neben der betrieblichen Vorsorge kann auch die Zusammenarbeit zwischen Betrieben wichtig sein. Gemeinsame Lager, gegenseitige Unterstützung bei Maschinen oder der Austausch von Betriebsmitteln können in Krisenzeiten helfen, Engpässe abzufedern und die landwirtschaftliche Produktion möglichst stabil zu halten.

Kommentar: Wie viel sollte ein Betrieb vorsorgen?

Lagerhaltung von Hilfsstoffen und anderem Material kostet und bindet Geld. Doch ich bin aktuell nicht allein, wenn ich mir überlege, von gewissen Gütern ein grösseres Lager als üblich anzulegen. Die Weltlage bringt einen zu diesem Gedanken. Es stellt sich die Frage, welche Lagermassnahmen den Betrieb resillienter machen. Brandaktuell ist hier das Thema Treibstoff. Da es im Nahen Osten mehr als unsicher ist, steigen die Öl- und somit auch die Dieselpreise schlagartig. Vor 14 Tagen lag der Preis bei meiner Tankstelle im Dorf noch bei 1.65 Franken pro Liter Diesel, gestern waren es nun schon 1.83 Franken.

Zur Lagerhaltung: Ich habe einen 1000-Liter-Dieseltank zur Verfügung und habe Offerten für die Füllung verlangt. Kein Angebot unter 2 Franken bei einer Totalfüllung. Ich bin kein Schwarzmaler, aber ich überlege schon, ob wir den teuren Diesel trotzdem bestellen, da es auch schnell darum gehen kann, ob man überhaupt hat oder nicht. Eine Randbemerkung: Ich bauere 500 Meter neben der Tankstelle, so fülle ich den Lagertank selten bis nie. Das ist bei vielen Höfen anders.

Wer nun Diesel hat, fährt aufs Feld und sät eine Kultur oder Dünger. Dann sind wir schon beim nächsten Hilfsstoff. In der Meerenge vor dem Iran fährt eine enorme Menge Harnstoffdünger durch, auch für Europa. Das geht nun laut verschiedenen Berichten nicht mehr. Was wird das wohl für den Preis heissen — oder eben für die Frage, hats überhaupt noch?

Von gewissen Gütern ist man für den landwirtschaftlichen Kreislauf abhängig. Das kann man nicht durch Spargedanken wegdiskutieren. Beim Saatgut werde ich emotionaler: Egal, wie viel Boden du hast, ohne Pflanzkartoffeln gibts keine zum Ernten im Herbst. Ich gehe da einen etwas fundamentalistischen Weg: Ich säe nur nachbaufähige Sorten an. Auch beim Silomais. Mit gutem Lager- und Aufbereitungs-Know-how sichert mich das für eventuell schwierige Zeiten ab. Seit dem Ukrainekrieg habe ich auch jedes Jahr wieder Kartoffeln. Ich nenne sie augenzwinkernd «Putin-Kartoffeln».

Strom aus dem Kabel wird oft vergessen. Bricht das Netz zusammen, sind auch fast alle Photovoltaikanlagen ausser Betrieb. Wie schnell es gehen kann, zeigte eine böswillige Sabotage in Berlin diesen Winter: mehrere Tage Reparaturen, bis wieder Strom floss. Und die Wasserversorgung?

Daniel Hasler ist Redaktor beim «Schweizer Bauer» und bewirtschaftet einen Betrieb.

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