Welche Änderungen bringt das Mercosur-Abkommen auf den Teller?

Im Juni wird das Parlament über das Mercosur-Abkommen debattieren. Doch nicht nur die Politik, auch Konsumentinnen und Konsumenten stellt das Freihandels-Abkommen vor Fragen.

sda |

Zum Beispiel, ob künftig hormonbehandelte Rindersteaks aus Argentinien in Schweizer Regalen landen werden. Fachleuten zufolge führen die Geschäfte kaum zu nennenswerten Unterschieden. Die Gastronomie hingegen sieht das anders.

Die Zölle auf Schweizer Exporte nach Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay könnten wegen des Freihandelsabkommens erheblich gesenkt werden. Im Gegenzug würden mehr Fleisch und Weine aus diesen Ländern in die Schweiz importiert werden.

Nicht weniger als dreitausend Tonnen Rindfleisch und tausend Tonnen Geflügel zusätzlich könnten so die Schweizer Grenze passieren, wobei die Kontingente unter zwei Prozent des Gesamtverbrauchs liegen müssen.

Eine Kennzeichnung, «die funktioniert»

Die Ladenprodukte würde eine solche Erhöhung nicht revolutionieren, meint Hansjürg Jäger, Dozent für Agrarpolitik und Agrarmärkte an der Hochschule für Land-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Bern. Denn die Schweiz, die nicht autark sei, führe schon heute Produkte aus diesen Ländern ein.

Per Gesetz sind Händlerinnen und Händler dazu verpflichtet, mit der Kennzeichnung „“ deutlich darauf hinzuweisen, wenn von ihnen verkauftes Fleisch gegen geltende Schweizer Standards – zum Beispiel den Einsatz von Hormonen oder Antibiotika – verstosse.

Keine Rückverfolgbarkeit in Restaurants

Die grösste Gefahr liegt woanders, und zwar im stark wachsenden Geflügelmarkt und dem Verzehr davon im Take-away-Segment. Die Schweiz ist laut dem letzten Agrarbericht bei Geflügel zu 60 Prozent autark. Weisses Fleisch hingegen muss  in grossem Umfang importiert werden.

Dabei lässt die Rückverfolgbarkeit von Fleisch in Restaurants zu wünschen übrig, wie eine Untersuchung der Fédération romande des consommateurs (FRC) zeigt. Das Ergebnis: Konsumenten würden unwissentlich mit Antibiotika vollgepumptes brasilianisches Geflügel essen, beklagt Laurianne Altwegg, Leiterin für Landwirtschaft, Energie und Umwelt bei der FRC.

Das ist ein Problem, denn der Konsument würde dieses Fleisch wohl nicht wählen, wenn er richtig informiert wäre. Die im Abkommen vorgesehenen Kontingente seien zwar nicht riesig, es handle sich hier aber um eine verpasste Gelegenheit, die derzeit unbefriedigende Situation zu verbessern, erklärt sie.

Preisverfall bei Edelfleisch

Die Preise für diese Produkte könnten sinken. Die Landwirte haben sich bereits zu Wort gemeldet, um den Sektor zu schützen. Sie befürchten, dass die Preise für diese Produkte wegen des Abkommens sinken könnten.

Dominique Barjolle zeigt sich sehr besorgt um die Vergütung von Produzenten edler Fleischstücke von hochwertigen Fleischrassen, beispielsweise von Charolais-Rindern.

«Die Herkunft dieser Stücke aus dem Mercosur macht bereits mehr als vierzig Prozent der Einkäufe der Konsumenten in der Schweiz aus», erklärt die Ökonomin und Agronomin, die als Forschungsleiterin an der Universität Lausanne tätig ist. Und: «Dreitausend Tonnen zollfrei stellen einen Sog für dieses Fleisch dar und werden die Preise höchstwahrscheinlich deutlich nach unten ziehen.»

Gefahr für den Wein

Im Abkommen ebenfalls umstritten ist der Aspekt der Weinimporte. Schon heute haben Schweizer Winzer Mühe, über die Runden zu kommen. Sie befürchten nun, dass die deutlich günstigeren Weine aus Südamerika zu unlauterem Wettbewerb führen könnten.

Kommentare (4)

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  • Armin Hauser | 25.05.2026
    Es ist an der Zeit, dass nur noch Lebensmittel importiert werden dürfen, die die gleichen Anforderungen erfüllen, wie es schweizer Lebensmittel tun. Wie lange wollen wir noch tonnenweise, bei uns verbotenes Gift importieren, dass dann letztendlich auch in unseren Gewässern landet. Wird dies nicht getan, müssen die Importeure, die Entsorgung des importieren Lebensmittelgiftes übernehmen. Dann wird der Import automatisch gedrosselt.
  • Gesunder Menschenverstand | 24.05.2026
    In der Schweiz sind Hormone oder Antibiotika zur Leistungsförderung verboten, --> solches Fleisch importieren muss auch verboten werden!
    • Seppetoni | 25.05.2026
      Wir müssen endlich aufhören, die Konsumenten zu bevormunden! Jeder soll kaufen können, was er will.
      Auch bessorgte Gastonomie-Konsumenten können von den umtriebigen NGO informiert bzw. aufgefordert werden, von Gastrobertrieben genaue Deklarationen zu verlagen.

      Es ist fahrlässig, wenn die Mercosur-Verträge mit fadenscheinigen Argumenten verhindert werden wollen! Nach den Problemen mit EU und USA sollte allen klar sein, dass wir auch mit andern Länder bzw. Kontinenten gute Handeslbeziehungen brauchen. Wenn es der produktiven CH-Wirtschaft nicht mehr gut geht, sind auch die üppigen DZ von uns Bauern in Gefahr!
    • Georg | 28.05.2026
      Hört endlich auf unsere Bauern zu verherrlichen. Unsere Gewässer sind schon verschmutzt und zwar von all dem Zeugs was auch unsere Bauern auf die Felder sprühen und nicht von ausländisch Fleisch essenden Bürgern!!! Zudem reden wir da von 1,5 % welche zusätzlich in die Schweiz kommen, das wird keinen Bauern umbringen. Die teuerste Landwirtschaft der Welt sollte nicht dauernd dem Rest der Wirtschaft im Wege stehen, endlich dringend benötigte Abkommen zu schliessen. Schlussendlich wollen sie nur noch mehr Geld vom Bundesrat Erpressen.
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