An der Delegiertenversammlung des Verbands Bernischer Landfrauenvereine ging es um die Gleichstellung von Mann und Frau, bei der es noch «viel Luft nach oben» gebe. Und jemand wurde mit einer besonderer Ehrung überrascht.
«Seid selbstbewusst, steht für euch und eure Anliegen hin. Ihr Bäuerinnen seid zu 50 Prozent mitverantwortlich, dafür, was in der Schweizer Landwirtschaft passiert», sagte Ueli Werren. Er ist Gemeindepräsident von Madiswil BE und hiess die Delegierten des Verbands Bernischer Landfrauenvereine (VBL), die für ihre Versammlung in den Oberaargau eingeladen wurden, willkommen.
Die Frauen, die sich im VBL engagieren, nehmen die von Werren angesprochene Verantwortung bereits wahr. «Der VBL ist der kantonale Berufsverband der Bäuerin», sagte Präsidentin Rita Gfeller.
«Luft nach Oben bei Gleichstellung»
In verschiedenen Kommissionen kümmert sich der Verband um die Aus- und Weiterbildung der Bäuerin, er ist Träger des Ausbildungsrats des Bildungsjahrs Hauswirtschaft und setzt sich auf politischer Ebene für die Anliegen der Bäuerin ein. Christine Brügger, Fachkommission «Bäuerin, bäuerliche Themen/Politik/Netzwerke», stellte in Aussicht, dass der VBL Parolen fassen würde für die beiden zur Abstimmung kommenden Agrarinitiativen, die «Trinkwasserinitiative» und die «Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide».
Sie blickte auch zurück aufs vergangene Jahr und freute sich, dass ein Anliegen, für das sich der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) bereits seit Jahren einsetzt, im Bundesrat Gehör gefunden hat. In der AP22+ will der Bundesrat nämlich, dass die soziale Absicherung der Bäuerin eine Grundvoraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen wird. Wie der SBLV sei auch der VBL dafür. Im Gegensatz zum Schweizer und zum Berner Bauernverband. Darüber seien sie vom VBL «sehr enttäuscht», sagte Brügger. «In der Schweiz ist noch immer Luft nach oben, was die Gleichstellung von Mann und Frau angeht», sagte sie.
Besondere Ehre
Wer sich seit Jahren für die Gleichstellung von Mann und Frau einsetzt, ist SBLV-Präsidentin Christine Bühler. Sie wird am 25. April ihr Amt nach acht Jahren abgeben. An der VBL-Delegiertenversammlung stand sie aber noch einmal für ihre Anliegen ein. Sie sagte, dass bereits rund ein Drittel der Bauernfamilie eine gute Lösung für die Absicherung des mitarbeitenden Familienmitglieds, also meistens der Bäuerin, gefunden hätten. Gesetzliche Bestimmungen braucht es trotzdem. Nämlich dort, «wo es darum geht, Schwächere zu schützen».
Was Bühler nicht wusste, war, dass sie nach ihrer Rede gleich noch einmal auf die Bühne musste. Sie war von 2003 bis 2011 im Vorstand des VBL und wurde nun für ihr Engagement ausgezeichnet. Die langjährige Landfrau Barbara Heiniger hielt eine emotionale Laudatio und verlieh Bühler die Ehrenmitgliedschaft des VBL, worauf alle Anwesenden aufstanden und applaudierten.