Samstag, 12. Juni 2021
26.04.2021 10:54
Interview

52 Chefredaktorenjahre im persönlichen Rückblick

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Von: sam

Ernst W. Eggimann (Jahrgang 1931) war von 1968 bis 1991 und Rudolf Haudenschild (Jahrgang 1955) von 1991 bis 2020 Chefredaktor der Zeitung «Schweizer Bauer». Sie schauen im Interview auf nicht weniger als 52 Jahre zurück. Und am Schluss auch noch etwas in die Zukunft.

«Schweizer Bauer»: Wie sah die Presselandschaft vor 50 Jahren aus?
Eggimann: In jedem Kanton hatte es starke Titel. Im Kanton Bern gab es neben den in der Hauptstadt erscheinenden Tageszeitungen «Bund» und «Berner Tagblatt» zwei grosse Landzeitungen, das «Emmen-thaler Blatt», weil in der Käsemetropole Langnau daheim, liebevoll «Chäs-Blättli» genannt, und die «Emmentaler Nachrichten», im Volksmund der «Münsiger Sturm», weil aus dem Dorf mit der einstigen Irrenanstalt, dem heutigen Psychiatriezentrum. Den «Schweizer Bauer» hatten im Bernbiet und in dessen Nachbarschaft wie etwa dem solothurnischen Bucheggberg die meisten Bauernfamilien abonniert, ebenso in den Kantonen mit vielen «ausgewanderten» Bernern. Er war damals nicht nur eine vielgeschätzte Fachzeitung und Organ von landwirtschaftlichen Organisationen, sondern berichtete als gleichsam dritte bernische Landzeitung dreimal wöchentlich auch über das politische, wirtschaftliche und kulturelle Geschehen in der ganzen Welt, in der Schweiz, im Bernerland und in den Regionen. Dies bis 1991, als er zur rein bäuerlichen Forumszeitung wurde und sich von allem trennte, was nicht im engeren und weiteren Sinn mit der Landwirtschaft zu tun hatte.

Wie kam Ernst W. Eggimann zum Schreiben für die Zeitung?
Die ersten Berührungen mit dem Journalismus gehen auf die Zeit zurück, als ich jeweils bei meinem Grossvater, dem Konolfinger Lokalkorrespondenten der bernischen Zeitungen, in den Ferien war. Weil es immer weniger Maschinensetzer gab, die seine noch von Hand in deutscher Kurrentschrift geschriebenen Manuskripte mühelos lesen konnten, schrieb ich ihm seine Berichte in die neue Hulligerschrift um. Daheim versuchte ich es dann, damals Fünftklässler, mit selber verfassten Zeitungsberichten, schickte sie ein und wurde so zum Ortskorrespondenten von Wasen im Emmental, von dem anfänglich die Redaktionen nicht wussten, dass er noch ein Schulbub war.

Können Sie uns da mehr erzählen?
Als am 27. Oktober 1946 im Wasen die Kirche brannte, waren viele Berichte und Bilder, die durch den Pressewald gingen, von mir; denn mein Onkel, der Dorffotograf, war in der Feuerwehr und schickte mich seine Rolleiflex-Kamera holen, damit das Unglück in Aufnahmen festgehalten wurde. Nach dem Lehrerseminar in Hofwil, wo ich eine Schülerzeitung gründete, redigierte und herausgab, war ich sechs Jahre als Lehrer in Fraubrunnen nebenbei Zeitungskorrespondent der Region. In dieser Rolle hatte ich auch etwa Aufträge wie im November 1954 beim Negus-Staatsbesuch, d. h. als der äthiopische Kaiser Haile Selassie im Schloss Jegenstorf wohnte. Eines Tages wurde ich in den Gasthof zum Brunnen gerufen, wo der mit der Wirtefamilie Marti gut bekannte Verleger Paul Fischer aus Münsingen auf mich wartete, um mir zu sagen, ich würde bei den «Emmentaler Nachrichten» (die bald darauf zu den «Tages-Nachrichten» wurden) als Redaktor gebraucht – und so wurde ich vom neben- zum hauptberuflichen Zeitungsmann.

Wie arbeitete damals ein Redaktor?
In Münsingen haben wir am Morgen um 4.30 Uhr angefangen. Die über Nacht eingegangenen neusten Meldungen wurden redigiert, dann dem Maschinensetzer weitergereicht und darauf in Bleizeilen vom Metteur nach den Anweisungen des Redaktors zur Zeitungsseite zusammengebaut. Um 8.00 musste die Zeitung auf den Zug, um – so verhältnismässig aktuell – noch am Nachmittag verteilt werden zu können.

Wer holte Sie dann als Chefredaktor zum «Schweizer Bauer»?
Das war Georg Glaser, der als Direktor der Landwirtschaftsschule Schwand pensioniert und damals nicht nur Gemeindepräsident von Münsingen war, sondern bei der OGG Präsident der Redaktionskommission, die den «Schweizer Bauer» beaufsichtigte. Für dessen Chefredaktor, lic. rer. pol. Werner Augsburger, der über 70 Jahre alt war und auf den Ruhestand wartete, wurde ein Nachfolger gesucht. Es müsse einer sein, der den Kanton Bern gut kenne, Beziehungen habe – und dazu ein grosses Herz für den Bauernstand. Dieses Profil treffe, wenn er unter den Journalisten ringsum Umschau halte, auf mich am besten zu.

Und dann?
So liess ich mich überzeugen und sagte zu. Der Lohn war bescheiden und so, dass er sich mit demjenigen vergleichen liess, den man dem langjährigen und verdienten Fachredaktor, dem kompetenten und engagierten ETH-Agraringenieur Arnold Bikle, bezahlte. Chefredaktor war eigentlich meist nicht ein studierter Agronom, solange der «Schweizer Bauer» einfach eine der drei bernischen Landzeitungen war und sich von den anderen lediglich durch die vertiefte Behandlung landwirtschaftlicher Themen unterschied. Das musste dann 1991 mit dem Neukonzept ändern: An die Spitze der reinen Fachzeitung gehörte ein journalistisch beschlagener Agrarfachmann. Mit Ruedi Haudenschild, dipl. Ing-agr. ETH, wurde er gefunden.

Sie sprechen es an: Sie waren als Lehrer gewissermassen ein Exot in der Agrarszene. Wer gab damals denn überhaupt den Ton an?
Die ETH-Agronomen hatten vor 50 Jahren die Landwirtschaft und ihre Organisationen fest in der Hand. Die damalige Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB), die, zusammen mit Mitstreitern für die Sache der Landwirtschaft der Schüpfener Bauer Rudolf Minger 1919 gegründet hat, gab den Ton an. Es war sozusagen selbstverständlich, dass ich ihr beitrat. Freilich stand ich ihr schon vorher als Perteiloser nahe – dank Münsinger Agronomen wie Schwand-Direktor Heinrich Schnyder und Hans Ulrich Reusser, dem geistigen Vater der jetzigen Fenaco, die, geschaffen nach dem Muster der Pomdor, aus dem Zusammenschluss der grössten Landwirtschaftsverbände hervorging. Auch die Pomdor (heute Ramseier Suisse) ist eine von ihm angestossene und realisierte Fusion, nämlich der vier bernischen Mostereien Herzogenbuchsee, Münsingen, Ramsei und Wichtrach. Hans Ulrich Reusser, den ich, damals Verwaltungsrats-Vizepräsident der Mosterei Münsingen, bei der Planung und Verwirklichung dieser Wirtschaftsfusionen journalistisch eng begleitete, präsidierte nach Georg Glaser während einiger Jahre beim «Schweizer Bauer» die Redaktionskommission, bevor er die VLG-Direktion verliess und in die Ostschweiz zog, um das Volg-Direktionspräsidium zu übernehmen.

Wo war die Redaktion des «Schweizer Bauer» 1968? Und wie wurde gearbeitet?
Die Redaktion, einst bloss ein Zweiergespann mit Fachredaktor Arnold Bikle und mir, hatte ihr Büro in der alten Verbandsdruckerei an der Maulbeerstrasse 10 in Bern. Der «Schweizer Bauer» kam dreimal wöchentlich heraus, am Montag, am Mittwoch und am Freitag. Die Zeitung ging am Morgen auf die Post und wurde am Nachmittag vertragen. Am Morgen um fünf Uhr leerte ich auf der Hauptpost das Postfach. Einen Telex gab es zwar schon; aber das meiste kam noch per Post. So auch die Meldungen der Depeschenagentur und der Wetterbericht. Gedruckt wurde in der damaligen Verbandsdruckerei, einer gemeinsamen Gründung des Berner Bauernverbandes, des Berner Milchverbandes, des Verbandes landwirtschaftlicher Genossenschaften (VLG), des Schweizerischen Fleckviehzuchtverbandes und weiterer Verbände.

Gab es für die Redaktion eine publizistische Leitlinie?
Unser Auftrag war, in der Zeitung die gesamte eidgenössische und bernische Politik und das gesellschaftliche Leben abzubilden. Genau gleich wie die anderen beiden Landzeitungen. Dazu kamen landwirtschaftliche Meldungen und Stellungnahmen etwa zu Ausstellungen, Verbänden, Versammlungen, Schlacht- und Nutzviehmärkten, Parlamentsdebatten und Abstimmungen. Und der Zeitung beigelegt wurden unverändert auch die wöchentlichen «Brugger Nachrichten» des Schweizerischen Bauernverbandes in Brugg. Schon damals sehr wichtig für die Bauern waren die Marktpreise für Nutz- und Schlachtvieh, Getreide, Kartoffeln, Obst und Gemüse.

Was war damals speziell am «Schweizer Bauer»?
Der «Schweizer Bauer» brachte zum Beispiel auch Konzert- und Theaterkritiken und hatte ein Feuilleton mit einem – bei Leserinnen und Lesern sehr beliebten – Fortsetzungsroman. Autoren, von denen ich einige zu Freunden hatte, kamen zu mir ins Büro und boten ihre Werke zum Abdruck an. Allwöchentlich gab es als Unterhaltungsbeilage das besinnliche «Sonntagsblatt». So war denn der «Schweizer Bauer» eine Mischung zwischen Tageszeitung, Fachzeitung und Magazin.

Der «Schweizer Bauer» war auch immer ein Organ der OGG?
Der «Schweizer Bauer» wurde unter dem Titel «Blätter für die Landwirtschaft» von den gleichen Ökonomen des Berner Patriziats gegründet wie die OGG selbst, die ihn übernahm. Bestimmung und Überwachung der Ausrichtung waren einer Redaktionskommission übertragen. Die Vertretung gegen aussen lag beim OGG-Präsidenten und dem Chefredaktor; Administration und Finanzen jedoch hatte die OGG an die Verbandsdruckerei abgetreten und redete dieser ins Kommerzielle nicht drein. Zum Budget hatte ich als Chefredaktor nichts zu sagen.

Wer war in der Redaktionskommission?
Einer der Präsidenten der Kommission war Schwand-Direktor Georg Glaser, diplomierter Agraringenieur (übrigens: Onkel der Schauspielerin Stephanie Glaser). In der Kommission vertreten waren die Verbände, deren Organ der «Schweizer Bauer» war.

Was waren die wichtigen Meilensteine in der Zeit von Ernst Eggimann von 1968 bis 1994?
Meilensteine in der Landwirtschaft waren die Fortschritte in der Mechanisierung, die Einkreuzung mit ausländischen Milchrassen ab 1968, Butterberge- und Fleischpreise, die Einführung der Milchkontingentierung oder die Verordnung zu den Höchstbeständen in der Tierhaltung. Aber auch die vielen Volksabstimmungen zu landwirtschaftlichen Themen wie die Futtermittelinitiative, die Einführung von Direktzahlungen oder die Kleinbauerninitiative.

Ende Achtzigerjahre kam die Idee auf, ein neues Konzept für einen attraktiveren «Schweizer Bauer» zu machen. Was waren die Überlegungen?
Alles musste aus der Zeitung entfernt werden, was nichts mit der Landwirtschaft zu tun hatte und nur eine (verspätete) Wiederholung dessen war, was man über das allgemeine Alltagsgeschehen in den Tageszeitungen längst gelesen hatte. Verschwinden mussten auch gewisse Fesseln der Verbände, die es nicht gern sahen, wenn auch die aufmüpfischen Bäuerlichen Komitees im «Schweizer Bauer» zu Wort kamen, auch wenn wir – zu deren Verdruss – die lediglich auf Personen zielenden Verunglimpfungen und manchmal Beschimpfungen prinzipiell redaktionell herausfilterten. Um in der Medienlandschaft der Zukunft zu überleben, musste der «Schweizer Bauer» eine die ganze Deutschschweiz abbildende und ansprechende rein landwirtschaftliche Forumszeitung werden.

Der Grossteil der Abonnenten waren also die Berner Bauern. Hat man bereits vor 1991 versucht, in anderen Kantonen zu wachsen?
Ja, doch die Agrarpresse war überall unter Kontrolle der kantonalen Bauernverbände. Nationale Ausstrahlung hatten nur etwa die «Grüne» als Magazin der Schweizerischen Gesellschaft für Landwirtschaft in Zürich, meist mit Hintergrundinformationen zur Produktion und der landwirtschaftlichen Forschung, sowie das Zentralblatt für Land- und Milchwirtschaft aus Bern als Sprachrohr der mächtigen Milchverbände. Der damalige OGG-Präsident Fritz Gerber und ich reisten in der halben Schweiz herum, um all die Bauernblätter zu einer starken Zeitung zu vereinigen. Unsere Bemühungen scheiterten aber, vor allem deshalb, weil die kantonalen Bauernorganisationen und die Drucker ihrer Verbandsorgane gut daran verdienten und dank dem die Sekretariatskosten mitfinanziert werden konnten. Dazu scheuten die kantonalen Bauernverbände einer unabhängige Forumszeitung aus Bern, weil sie fürchteten, Macht und Einfluss auf «ihre» Bauernfamilien zu verlieren. Erst der Druck, den der «Schweizer Bauer» 1991 mit dem neuen Konzept und der Expansion vom Seeland bis an den Bodensee aufsetzte, führte 1994, als der «Schweizer Bauer» dann im Alleingang auf seinem Weg war, zum Zusammenschluss der kantonalen Bauernblätter zum nationalen Verbandsblatt «Bauernzeitung».

So gab es also nur den Alleingang?
Genau. Doch handeln musste der «Schweizer Bauer» zudem auch, weil er als Zeitung für die Landbevölkerung gegenüber Tageszeitungen, Radio und Fernsehen mit der dreimaligen Erscheinungsweise nicht mehr konkurrenzfähig war. Die Verbandsdruckerei war schon etwas vorher in finanzielle Schieflage geraten. Sie wurde von Charles von Graffenrieds Berner Tagblatt Medien AG (BTM) übernommen. Der «Schweizer Bauer» war ein wichtiger Druckkunde. Die OGG unter Fritz Gerber hat das Gespräch mit Charles von Graffenried gesucht. Wir präsentiertem ihm in der Folge unser selber entwickeltes Konzept einer Forumszeitung. Von Graffenried wollte – auch im eigenen Interesse – den «Schweizer Bauer» und seinen Druckstandort Bern nicht fallen lassen und liess den damaligen publizistischen Leiter der BTM, Beat Hurni, mit dem jungen BZ-Redaktor und Agronomen Theo Ninck ein modernes Seitenkonzept mit festen Gefässen, Nachrichtenspalten für Kurzfutter und generell höheren Bildanteilen entwickeln.

Warum haben Sie das neue Konzept als Chefredaktor nicht umsetzen wollen?
Zum neuen Konzept, das ich mit Überzeugung selber entwerfen half, gehörte eben, dass ein Agronom die Führung übernahm und den eher musisch-literarisch gewobenen einstigen Schulmeister und Nichtagronomen ablöste. Der Ballast einer nicht aktuellen Landzeitung wurde abgestossen, der landwirtschaftliche Fachteil gestärkt.

Im Oktober 1991 wurde also der neue «Schweizer Bauer» herausgebracht?
Haudenschild: Ja, das Konzept wurde im Frühling 1991 abgesegnet und eine Verlags AG Schweizer Bauer gegründet, in der die OGG die Titelrechte und die BTM das Neukonzept einbrachte. Die Mehrheit der Aktien hielt die OGG.

Wie kam Ruedi Haudenschild zum neuen «Schweizer Bauer»?
Im Mai 1991 sprach mich Theo Ninck auf die geplanten Veränderungen beim «Schweizer Bauer» an. Damals war ich nach acht Jahren Berater und Landwirtschaftslehrer am Waldhof in Langenthal bereits vier Jahre Stabstellenleiter beim Schweizerischen Zentralverband für Milchwirtschaft (ZVSM) unter Direktor Samuel Lüthi und befasste mich intensiv mit Agrarpolitik, Produktionsprogrammen, Genossenschaften und Verbänden. Theo Ninck hatte den Eindruck, dass ich zum neuen Konzept passen könnte. Mein Herz schlug für die Schweizer Bauern. An einem heissen Juni-Tag wurde ich zu einem Gespräch mit Beat Hurni, dem Publizistischen Leiter der BTM, eingeladen. Selber kam ich fast gar nicht zu Wort, und nach einer Stunde war ich angestellt.

Dann ging alles also sehr schnell?
Haudenschild: Gewiss. Noch vor den Sommerferien traf ich Ulrich Utiger, welcher kurz vorher als Verlagsleiter eingestellt worden war. Zusammen planten wir Agro-Dossiers. Der auf September neu eingestellte ETH-Agronom Robert Stark kümmerte sich engagiert um die Umsetzung des Neukonzeptes und setzte mit den Grafikern der Berner Zeitung neue Massstäbe bei der Darstellung der Marktpreise und Frontgrafiken. Er organisierte Marktkommentare und recherchierte Frontgeschichten, wo Protagonisten direkt zu Wort kamen. Ernst W. Eggimann hat in den letzten Ausgaben unter seiner Ägide das neue Konzept redaktionell angekündigt, und die Leser wurden mit einer PR-Kampagne des Verlages «gluschtig» gemacht.

Wie ging es weiter?
Am 3. Oktober habe ich übernommen. Ernst hat mir dabei sehr geholfen. Beim Andruck im Druckzentrum am Dammweg in Bern musste ich eine Rede halten. Die ganze Berner Bauern- und Verbandsprominenz war anwesend. Direktzahlungen und Freihandel (GATT) waren schon damals heisse Themen. Mein Credo war immer, dass eine für den konsumnahen Markt produzierende und gleichzeitig pflegende Schweizer Landwirtschaft mit einem vernünftigen Grenzschutz eine Zukunft habe. Und dafür bräuchten die Bauern Perspektiven und ein mit der übrigen Wirtschaft vergleichbares Einkommen für ein Auskommen auf ihren Höfen. Das dafür notwendige Einkommen müsse betriebsspezifisch entweder über Wachstum oder mit höherer Wertschöpfung mit Labels, Direktvermarktung oder einem Zusatzerwerb ausserhalb des Betriebes gefunden werden. Die Ansprache von damals habe ich bis heute aufbewahrt und kann sie immer noch voll unterschreiben.

Vor mir stehen zwei pensionierte und fitte alt Chefredaktoren aus zwei Generationen. Ernst Eggimann, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie den «Schweizer Bauer», wie er heute daherkommt anschauen?
Eggimann: Ich habe immer Freude, wenn der «Schweizer Bauer» kommt. Denn schliesslich sieht er so aus, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe, wenn wir schon früher die Möglichkeit und das Geld dafür gehabt hätten.

Haudenschild: Die OGG hatte das Geld wegen der speziellen Konstellation mit der Verbandsdruckerei nicht. Verleger Charles von Graffenried hingegen hat dann Ressourcen freigemacht, um den «Schweizer Bauer» weiterzuentwickeln und Tamedia hat ab 2008 Transparenz in die Rechnung gebracht und mit einem rigiden Kostenmanagement Gewinne erwirtschaftet, die es der Mehrheitsaktionärin OGG schlussendlich ermöglicht haben, den «Schweizer Bauer» vollständig zurückzukaufen. Das ist eine hervorragende Ausgangslage, um unabhängig zu bleiben. Heute stellen sich wieder neue Herausforderungen. Etwa die Digitalisierung und das Angebot von Info-Dienstleistungen auf den verschiedensten Kanälen mit entsprechenden neuen konvergenten Redaktionssystemen.

Was würdet ihr beide der heutigen Redaktion weitergeben?
Eggimann: Dass einer, der auf diesem Wachtposten ist, die Bauern gern haben muss. Die Bauern gerne zu haben, bedeutet, sehr viele verschiedene Bauern gerne zu haben. Die sich halt nicht immer einig sind.

Haudenschild: Die Bauern müssen immer ein Einkommen erwirtschaften können, um ein Auskommen zu haben. Nur so können sie auf ihren Höfen bleiben. Für den «Schweizer Bauer» bleibt wichtig, dass er sachlich und unabhängig technische und wirtschaftliche Informationen und Einschätzungen liefert und den Bauern so aufzeigt, was in der Welt los ist, wo Risiken und wo Chancen bestehen. Entscheiden müssen die Bauern selber. Und sie müssen schlussendlich auch die Konsequenzen ihrer Entscheidungen tragen. Und Krisen sind immer auch Chancen.

Eggimann: Deshalb braucht es Redaktor(inn)en, die, abgesehen davon, dass sie das journalistische Handwerk beherrschen, das Wirtschaftliche, das Fachliche, das Mediale wie auch das Geschichtliche und Philosophische vereinen. Wenn man Ruedi Haudenschild so zuhört und ihn liest, dann merkt man, weshalb es richtig war, dass er 1991 mein Nachfolger wurde und es fast 30 Jahre blieb.

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