Donnerstag, 22. April 2021
20.03.2021 08:23
Medien

Er gab dem «Schweizer Bauer» den Namen

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Von: sal

Der «Schweizer Bauer» heisst erst seit 1896 «Schweizer Bauer». Mitbeteiligt an der Namensänderung war Redaktor Gottfried Flückiger. Zwei Nachfahren berichten.

Am 18. Dezember 1896 stand zum ersten Mal «Schweizer Bauer» über dem Titel «Bernische Blätter für Landwirthschaft». Verantwortlicher Redaktor war damals Gottfried Flückiger aus Oberburg BE.

1894 «Schweizer Bauer Kalender»

Er hatte 1894 bereits den «Schweizer Bauer Kalender» lanciert, von wo der Name übernommen wurde. «Bei uns gehörte es zur familiären Grundausbildung zu wissen, dass unser Urgrossvater Redaktor des <Schweizer Bauer> war. Auch wenn wir ihn selbst nur über seine Texte und über seine Tochter, unsere Grossmutter, kennengelernt haben», sagt Fritz Bichsel aus Wohlen BE, Urenkel von Gottfried Flückiger, vor dem Haus seines Cousins Hans-Peter Burkhard in Oberburg BE.

Bichsel hat im Bücherregal einen 12-bändigen Duden, mit dem sein Urgrossvater gearbeitet hat, Burkhard einen Wanderstock mit Stilett, und sie sind im Besitz von alten Ausgaben des «Schweizer Bauer», die ihr Urgrossvater hat binden lassen. Die zwei Nachfahren haben Freude, dass ihr Urgrossvater für die bernische und die schweizerische Landwirtschaft eine so reiche Tätigkeit entfaltet hat.

In Oberburg bei Burgdorf geboren

Gottfried Flückiger wurde 1861 als Sohn einer Bauern- und Handwerksfamilie in Oberburg geboren, auf dem Hof, der heute der Familie von Hans-Ulrich Salzmann gehört. Flückigers Vater aber starb früh, so dass er mit seiner Mutter nach Bern kam. Er wurde Lehrer und kam in dieser Funktion zurück nach Oberburg, wo er bald in der Gemeindepolitik und in den Dorfvereinen vielfältig engagiert war.

Einflussreiche Kreise wurden auf ihn aufmerksam, er wurde 1889 Sekretär der Oekonomischen und Gemeinnützigen Gesellschaft (OGG) Bern, die bis heute den «Schweizer Bauer» herausgibt. 1892 gab er die Stelle als Lehrer auf, um Redaktor der «Bernischen Blätter für Landwirthschaft» zu werden. In seiner Zeit stieg die Zahl der OGG-Mitglieder von 3’500 auf 20’000, die Zahl der Zeitungsabonnenten von 3’000 auf 12’000 in der ganzen Schweiz.

«Solch freimütiges Auftreten liebt der Bauer»

Flückiger vertiefte sich in die Politik, in die Volkswirtschaft und in viele Gebiete der Landwirtschaft, brachte von seinen Auslandreisen her eine internationale Perspektive ein und lancierte 1903 auch ein Sonntagsblatt als Beilage zum «Schweizer Bauer». Am 8. Januar 1897 schrieb ein langjähriger Abonnent in einem Leserbrief:

«Wir bleiben beim ‹Schweizer Bauer›! Das ist das Bauernblatt, das wir haben müssen, ein Blatt, das frei und offen redet und sich nicht scheut, den Dingen stets den rechten Namen zu geben. Ein solches freimütiges Auftreten liebt der Bauer, der auch nicht gewohnt ist, Glacéhandschuhe zu tragen.» Und weiter: «Ist irgend ein anderes landwirtschaftliches Blatt so tapfer und unerschrocken eingestanden für unsere landwirtschaftlichen Interessen, wie es damals die Bernischen Blätter für die Landwirthschaft, die nun den schönen Namen ‹Schweizer Bauer› tragen, getan haben? Nein!»

Umtriebiger Redaktor starb jung

Am 23. September 1908 aber musste der «Schweizer Bauer» auf der Titelseite den Tod seines Redaktors vermelden. Flückigers Herz hatte plötzlich aufgehört zu schlagen. Die Trauer in seiner Familie (Flückiger war verheiratet mit Melanie geb. Howald und hatte zwei Kinder, die er über alles liebte), in seinem Dorf und in der bernischen und schweizerischen Landwirtschaft war gross.

An der Trauerfeier würdigten ihn unter anderen Ernst Laur, Leiter des Schweizer Bauernsekretariats, das Flückiger im «Schweizer Bauer» auch gefördert hatte, und Nationalrat und OGG-Präsident Jakob Freiburghaus aus Mühleberg BE. In den Nachrufen hiess es, Flückiger habe sich in seinem grossen Fleiss und seinem Engagement für die bäuerliche Sache schlicht überarbeitet. «Als Opfer schwerer Pflicht ist er auf dem Felde geistiger Arbeit gefallen», hiess es. Flückiger redigierte den «Schweizer Bauer», der damals dienstags und freitags erschien, anfänglich alleine, später waren sie auf der Redaktion zu zweit.

Nachkommen weiter in Landwirtschaft tätig

Die Landwirtschaft ist in der Familie Flückiger präsent geblieben. Fritz Bichsel arbeitete als Landwirt und stellvertretender Betriebsleiter auf mehreren Höfen, bevor er sich 24 Jahre im landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen engagierte und vollamtlicher Kreisrichter im Amt Bern wurde.

Und nun hat ein Enkel von ihm grosse Freude an seinem Wochenplatz bei Landwirt Beat Krähenbühl in Wohlen und beginnt im kommenden Sommer die Lehre zum Landwirt.

Schicken Sie uns Ihr schönstes Erlebnis

Haben Sie oder jemand aus Ihrer Familie eine besonders schöne Erinnerung oder gar ein spezielles Erlebnis mit dem «Schweizer Bauer»? Haben Sie Ihren Hof über ein Inserat in unserer Zeitung kaufen können? Oder haben Sie gar Ihren Ehepartner dank dem «Schweizer Bauer» gefunden? Oder haben Sie ganz einfach ein schönes Bild im Zusammenhang mit dem «Schweizer Bauer»?

Senden Sie uns Ihr schönstes oder besonderes Erlebnis mit dem «Schweizer Bauer». Ein Bild dazu ist von Vorteil. Wir publizieren eine Auswahl im nächsten Special vom 20. März und möglichst viele auf schweizerbauer.ch. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre Adresse an und schreiben Sie ein paar Zeilen, warum das eingesandte Bild Ihr schönstes Erlebnis festhält. Bitte senden Sie es ein an: meinbeitrag@schweizerbauer.ch

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