Mittwoch, 29. September 2021
19.07.2021 07:34
Käse

Sie verkauft ihren Berner Alpkäse in Hamburg

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Von: sam

Lisa Gschwender aus Hamburg hat zwei Jobs. Im Sommer käst sie als Sennerin auf einer Alp in der Region Saanen. Den Rest des Jahres verkauft die 40-Jährige Käse in ihrer Heimatstadt im Norden Deutschlands. Mit zunehmendem Erfolg auch Berner Alpkäse AOP, den sie selber im Sommer produziert hat.

«Schweizer Bauer»: Wie kommt eine Hamburgerin von der Nordsee als Sennerin auf eine Alp im Berner Oberland?
Lisa Gschwender: Ich bin in Oberstdorf im Allgäu aufgewachsen. Der Bodensee und die Schweiz sind auch nicht weit von dort. Mein Vater war schon Alphelfer, so war mir die Alpwirtschaft von Kindheit an nahe. Meine Mutter war Hamburgerin und ich bin irgendwann zum Studieren dort hin und geblieben. Hamburg ist schön, aber die Sehnsucht nach den Bergen ist immer da.

Im Allgäu hat es auch Alpen. Warum sind Sie als Sennerin in die Schweiz gekommen?
Zum einen gibt es im Allgäu gar nicht so viele Kuhalpen, sondern vor allem Rinderalpen. Zum anderen machen die EU-Hygienevorschriften das Käsen für mich unattraktiver. Es ist mittlerweile steriler, die Käseküchen sind meist gefliest und die Kessi aus Edelstahl, ganz ursprüngliche Alpsennereien gibt es kaum noch. Über die Internetseite www.zalp.ch habe ich dann die Alp Kühdungel oberhalb von Lauenen bei Gstaad BE gefunden und bin 2011 das erste Mal als Helferin und Zusennin dorthin – und nie wieder davon losgekommen. Beruflich bedingt konnte ich nicht jeden Sommer auf die Alp, manchmal habe ich unbezahlten Urlaub genommen, um zumindest für ein paar Wochen dort sein zu können.

Wie kommt es, dass Sie heute selber käsen?
Ich habe über die Jahre sehr viel gelernt dort und bin dankbar, dass mir das Wissen und das Handwerk weitergegeben wurden! Vor zwei Jahren habe ich dann den Käserkurs gemacht und durfte 2019 und 2020 selbst käsen. André, der viele Jahre dort gekäst hat, war als Ansprechpartner weiter für uns da und so konnten wir beide Jahre 20 Punkte erzielen.

Zurück zu ihrem sonstigen Leben. Heute haben sie einen Verkaufsstand für Käse in Hamburg. Das war ja aber nicht immer so?
Ich habe Ernährungswissenschaften studiert. Auch schon meine Abschlussarbeit war zum Thema Käse. Nach dem Studium bin ich dann das erste Mal z Alp gegangen. Und am Ende des ersten Sommers war klar, dass ich wieder kommen möchte. Weil ich in Hamburg einen Job brauchte, habe ich bei einem Käsestand auf dem Wochenmarkt angefragt und dort als Aushilfe angefangen.

Heute gehört aber das Geschäft Ihnen. Wie kam es dazu?
Sechs Jahre lang habe ich in Hamburg ein Sensorik-Labor geleitet, hatte aber immer Kontakt zu dem alten Wochenmarkt-Team. Letztes Jahr wollte der frühere Inhaber sich dann zur Ruhe setzen. Ich wollte mich beruflich verändern – also habe ich den Stand kurzerhand gekauft. Gerade als ich anfing, kam dann Corona. Glücklicherweise durften wir aber immer öffnen, ich kann mich deshalb nicht beklagen.

Mit Ihrer Erfahrung aus dem Sensorik-Labor können Sie sicher beschreiben, was den Berner Alpkäse ausmacht?
Im Pflichtenheft steht: Der Berner Alpkäse AOP darf «tierisch» schmecken. Ich finde das ein sehr schönes Bild. Die Milch ist dort oben besonders und die handwerkliche Verarbeitung trägt zum Geschmack bei. Es ist spannend, dass jeder Käse von jeder Alp anders schmeckt.

Wie kommt Alp- und Hobelkäse AOP in Hamburg an?
Sehr gut. Wir haben ja viele Schweizer Käsesorten im Sortiment, zum Beispiel auch Emmentaler AOP, Gruyère AOP und Spezialitäten aus kleineren Käsereien. Aber Alpkäse ist eben was Spezielles, und viele Kunden kennen den Unterschied gar nicht. Ich erzähle ihnen dann von der Herstellung und der Tierhaltung und der vielen Arbeit, die in so einem Käse steckt. Wenn sie mal auf den Geschmack gekommen sind, wollen sie meistens mehr davon und kommen wieder.

Der Käsestand von Lisa Gschwender in Hamburg. Mit Erfolg verkauft sie hier auch ihren eigenen Berner Alpkäse AOP.
zvg

Wie viel Schweizer Käse setzen Sie ab?
Jede Menge! In Kilo kann ich es gar nicht sagen, ich führe da keine Statistik. Alpkäse hätte ich viel mehr verkaufen können, aber wegen der Reisebeschränkungen bzw. der Quarantäneregelungen konnte ich seit letztem Herbst nicht mehr in die Schweiz und Nachschub holen. Jetzt habe ich nur noch etwas Hobelkäse, die Kunden freuen sich aber schon auf den frischen Alpkäse im Herbst.

Was wissen die Hamburger über die Schweiz und wie werben Sie für den Berner Alpkäse?
Viele meiner Kunden waren schon in der Schweiz und im Berner Oberland. Zwei kennen sogar Lauenen. So kommt man natürlich ins Gespräch. Ich habe einen digitalen Bilderrahmen mit Fotos vom Alpsommer auf meinem Stand, da wollen die Leute immer wissen, wo das genau ist und sie bekommen direkt Sehnsucht nach den Bergen. Die Sortenorganisation CasAlp hat mich toll unterstützt und mir Werbematerial mitgegeben, auch das kommt gut bei den Hamburgern an.

Kommen Sie auch weiterhin in die Schweiz auf die Alp?
Ja, unbedingt. Ich habe in Hamburg ein super Team von jungen Frauen, sie heissen bei uns auf dem Markt die «Käseprinzessinnen». Sie führen den Laden den Sommer über weiter, so kann ich meinen Traum vom Alpleben verwirklichen. Mein bester Freund und Zusenn Marc – auch ein Allgäuer, der in Hamburg gestrandet ist – und unsere Hündin Mica und ich sind parat! Wir sehen es wirklich als Privileg, wieder z Berg gehen zu können.

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