Montag, 6. Dezember 2021
22.10.2021 19:22
Dok-Film

Am Ende siegt die Familientradition

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Von: sal

Trotz unsicherer wirtschaftlicher Zukunft wird das Acherli im Urner Maderanertal als eigenständiger Betrieb weitergeführt, wie ein Dok-Film von SRF zeigt. Tochter Silvia übernimmt zusammen mit ihrem Mann Stefan den Betrieb von Sepp Epp. Bereits 2012 kam die Familie im TV. 

Der Dok-Film, den das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) im Mai 2012 zeigte, bewegte viele Menschen in der Schweiz. Er zeigte das Schicksal des Bergbauern Sepp Epp aus dem Urner Maderanertal und dessen Familie. Der Schweizer Bauernverband zeichnete den Filmer Hanspeter Bäni damals mit seinem Medienpreis aus. Nun wurde diese Woche am Donnerstagabend auf SRF 1 ein Fortsetzungsfilm gezeigt, der fast zwanzig Jahre umfasst. 

Gleich mehrere Schwierigkeiten

Viel Schwieriges kommt bei ihnen zusammen: Die Mutter der älteren drei Kinder Marianne, Silvia und Marcel verliess die Familie, heiratete ein drittes Mal und wird nun des Mordes an ihrem Ehemann angeklagt und dafür auch verurteilt. Die Kinder halten trotz aller Schwere und Fragen den Kontakt zu ihrer Mutter aufrecht. Maria, die neue Frau an der Seite von Sepp, die mit Tamara eine Tochter mitbringt, engagiert sich stark und schenkt Sepp eine weitere Tochter namens Julia.

Das Geld ist in der Famile  durchgehend knapp bis sehr knapp, Weihnachtsgeschenke gibt es nur ausnahmsweise. Eine schadenstiftende Schneelawine ist eine zusätzliche finanzielle Belastung. Und da sind die grossen gesundheitlichen Probleme von Sepp: er kann kaum mehr gehen. Es tut weh, ihm beim Gehen zuzusehen. So sieht man am Ende des Films von 2012, wie Sepp die Hälfte seines Viehs verkaufen muss, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren, und der Sprecher im Off vermutet, dass auch dieser Bergbauernbetrieb bald verschwinden werde.

Alle Kinder absolvieren Berufslehren

Der am Donnerstagabend auf SRF 1 gezeigte Fortsetzungsfilm von Hanspeter Bäni zeigt, dass sich der Sprecher getäuscht und den Zusammenhalt der Familie und den Fleiss von Sepp, Maria und der fünf Kinder unterschätzt hat. Der Hof existiert nämlich auch zehn Jahre später noch, der Viehbestand konnte wieder vergrössert werden. Neben ihren Ausbildungen helfen die Kinder zuhause nach Kräften mit. In der Freizeit und in den Ferien arbeiten sie auf den Wiesen und im Stall ihres liebenswürdigen Vaters Sepp, der sich trotz allem Schweren, das er erlebt hat und erlebt, einen unverbrüchlichen Optimismus erhalten hat. Alle Kinder haben eine aufgestellte Art und sind fleissig in ihrer Ausbildung.

Sohn Marcel macht eine Lehre als Lastwagenfahrer und gründet ein eigenes Geschäft. Er fällt mit Aussagen auf, die für sein junges Alter auf eine grosse Reife verweisen. Auch seine Schwester Tamara macht die Lehre als Lastwagenchauffeuse.

Zwei Töchter mit starkem Agrar-Bezug

Tochter Marianne absolviert die Hotelfachschule und arbeitet sich zur Chefin von 13 Personen hoch. Aus Liebe zur Scholle holt sie gleichzeitig die landwirtschaftliche Ausbildung nach und hilft während vier Jahren ihrem Vater entscheidend auf dem Hof «Acherli». Ihr persönlich schwebt vor, Landwirtschaft und Gastronomie dereinst in Kombination zu betreiben.

Ihre Schwester Silvia  wird Pflegefachfrau, kann aber wegen beständiger Hüftprobleme nicht mehr auf diesem Beruf arbeiten. Ihr Mann Stefan Roos (später Stefan Epp) hat in Ruswil LU einen Hof von seinen Eltern gepachtet, das Verhältnis zu ihnen ist aber laut dem Film angespannt. Weitgehend auf sich allein gestellt, muss er als Milchbauer mit 20 Kühen Konkurs anmelden, was ihn in eine Depression stürzt. Die beiden, inzwischen mit einem herzigen Töchterchen an der Seite, haben keine berufliche Perspektive.

Konflikt bei Hofnachfolge

So kann man dem liebenden Vater Sepp Epp gut nachfühlen, als er Silvia, die das Rindvieh schon immer gerne mochte, und Stefan das Acherli übergeben will, damit auch sie einen Ort zum Leben und eine Existenz haben. Indem Sepp die beiden dadurch zu Unternehmern macht, überträgt er ihnen aber auch eine grosse Aufgabe. Für die sie aber Unterstützung benötigen.

Die Tragik liegt nun gewissermassen darin, dass sich Silvias Schwestern Marianne und Tamara von dieser Lösung distanzieren und ankündigen, dass sie nicht oder kaum mehr auf dem Hof helfen werden. Es ist den beiden aber nicht zu verargen, dass sie im Acherli, das dann «nicht mehr ihr richtiges Zuhause sein wird», nicht mehr so viel Freizeit mit Arbeit verbringen wollen. 

Nein zu «Hobbybetrieb»

Beim Familienrat sagt Marianne, dass es eine sehr schwierige Sache sei, mit diesem Betrieb als Familie finanziell über die Runden zu kommen, sie habe vier Jahre lang die Buchhaltung gesehen. Im Film nur indirekt dargestellt ist ein anderes Konzept, das sie offenbar vorgeschlagen hat. Sohn Marcel nennt es: «alles zusammenstreichen, Land verpachten und einen Hobbybetrieb daraus machen» und urteilt: «Das ist nichts.»

Tochter Silvia sagt dazu: «Der Daddy hat so viele Stunden auf dem Hof gearbeitet, dass ich es schade finde, wenn man das jetzt den Bach runtergehen lässt, obwohl man den Betrieb eigentlich erhalten könnte.» Marianne wehrt sich noch und sagt, man könne ja noch «ein Tierli» haben, worauf Silvia sagt, das habe mit Landwirtschaft aber nichts mehr zu tun.

Familie mindestens vorübergehend gespalten

Marianne unterliegt gegen das Traditionsverständnis von Vater Sepp und ihren Geschwistern Silvia und Marcel, welche den Bauernbetrieb, den Sepp in vierter Generation führt, ähnlich wie bisher weiterführen wollen. Und ihm gehört der Hof, er entscheidet.

Die Spaltung der Familie zeigt sich, als Silvia und Stefan auf dem Acherli einziehen und von den Geschwistern nur Marcel gekommen ist, um zu helfen. Es gibt aber unter Geschwistern auch keine lebenslange Verpflichtung, einander unter allen Umständen beim Zügeln zu helfen.

Sepp ist zuversichtlich

Der jungen Familie im Acherli ist zu wünschen, dass sie bei der Führung ihres Hofes Unterstützung bekommt, von wo und wie  auch immer. Überhaupt ist sehr zu hoffen, dass der Mut und die Offenheit der Familie Epp, sich bei schwierigen und intimen Momenten filmen zu lassen, nicht zu vorschnellen Urteilen und negativen Kommentaren führen, sondern zu Zuspruch, Mittragen und praktischer Hilfe.

Der Film endet versöhnlich mit der Zuversicht von Sepp Epp, der sagt: «Ich habe schon viele schwere Momente gehabt im Acherli, das kommt schon wieder gut.» Dazu lächelt er in seiner unverwüstlichen Art.   

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6 Responses

  1. Dok-Film, den das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) im Mai 2012 zeigte, bewegte viele Menschen in der Schweiz. Er zeigte das Schicksal des Bergbauern Sepp Epp aus dem Urner Maderanertal und dessen Familie.
    DANKE DANKE
    Wieder einmal ein super DOK Sendung des SRF
    Es hat ja viele CH die das SRF ja leider immer nur kritisieren aber sicher solche Sendungen nie Anschauen werden
    Vor allem in Kreisen der SVP

  2. Gretel:
    herzlichen Dank für den Dok-Film der sehr bewegte. Hautnah erlebt, wie die Bauernfamilie mit vielen schwierigen Verhältnissen leben muss. Das riesige Gottvertrauen und Hoffen , dass Alles gut wird. Vater Epp ist zu bewundern und überträgt sein Vertrauen auf die Kinder. Wir im Tal unten können gar nicht erahnen, wie es ihnen hie und da zu Mute ist. Ergreifend die Szene“ Weihnachten“. Ich wünsche Silvia und Stefan viel Kraft und dass Sepps Familie wieder zusammen findet.

  3. Super DOK Sendung.
    Ich hoffe die Geschichte ist hier nicht zu Ende sondern wir dürfen auch am weiteren Schicksal der Epps auf dem Acherli teilhaben.

  4. Liebe alle ja dieser Doku bewegt. Auch ich wünsche der Familie alles Gute. Hoffe dass sie es packen. Nur der Schwiegersohn muss 20kg abnehmen und die andere Schwester wo eine Ausbildung als Landwirt gemacht hat soll die Geschäftsführung machen,sonst kommt es nicht gut. Lg k.R.

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