Samstag, 27. Februar 2021
05.02.2021 18:23
Menschen

Zu Besuch bei der Landfrauenküchen-Siegerin

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Von: Julia Spahr

Barbara Matter aus Rumdendingen BE ist die Gewinnerin der Landfrauenküche 2020. Sie erzählt, was nach ihrem Sieg passierte, wie sie im Alltag kocht und verrät uns ein Rezept ihrer Grossmutter.

Vor rund drei Monaten lief im Fernsehen die Finalsendung der SRF-Sendung Landfrauenküche. Wegen Corona nicht wie üblich als live, die Folge war bereits einen Monat zuvor aufgezeichnet.

Grosser Trubel

Siegerin Barbara Matter musste ihre Freude also ziemlich lang für sich behalten. «Ausnahmsweise war ich froh, dass ich eine Maske tragen musste, so konnte ich mein Lächeln verbergen», sagt sie und wahrscheinlich lächelt sie wieder unter der Maske. In ihrer Küche in Rumendingen BE zeigt sie uns ein Rezept ihrer Grossmutter und sie erzählt, wie es nach der Ausstrahlung der Sendung, als es schliesslich alle wussten, ziemlich turbulent wurde.

«Eine Redakteurin vom SRF sagte mir nach der Siegerehrung, ich solle mich auf etwas gefasst machen. Und sie hatte recht», so Matter. Das Telefon klingelte ununterbrochen, unzählige Nachrichten und Briefe erreichten sie, viele von ihr unbekannten Leuten, Journalistinnen riefen an, ein Vertreter einer Küchenmarke bot ihr an, Botschafterin zu werden, sie wurde eingeladen, Vorträge zu halten.

Besondere Erfahrung

Neben all den Reaktionen, die durchweg positiv gewesen seien, ist auch der Kontakt zu den anderen Landfrauenküche-Teilnehmerin geblieben, sie treffen sich im Rahmen der Möglichkeiten bald zum zweiten Mal und schreiben einander Nachrichten. Diese neuen Bekanntschaften freuen Matter. Auch sonst war die Erfahrung bei der Landfrauenküche für sie eine Besondere. «Ich koche sehr gern für Gäste und konnte den Abend dank guter Vorbereitung geniessen.»

Im Alltag sei das Kochen dagegen manchmal kein so grosser Genuss. Die 42-Jährige hat nämlich viel zu tun. Neben der Betreuung ihrer zwei Töchter, dem Haushalt und der Stallarbeit am Abend ist sie 60 Prozent als Kindergärtnerin im Wasen im Emmental BE angestellt. «Bei all dem ist das Kochen manchmal eher ein Müssen als eine Freude», sagt sie.

«Grundsätzlich orientiere ich mich dabei an der traditionellen Art, wie meine Mutter gekocht hat. Wir essen fast jeden Tag Fleisch, etwa Ragu mit Knöpfli und Gemüse. Dabei legt sie Wert darauf, dass die Produkte aus der nächsten Umgebung kommen. Von befreundeten Bauern aus dem eigenen Garten oder aus der Metzgerei in Wynigen BE.

Abwechslungsreich

Sie wolle zudem abwechslungsreich kochen. «Als ich ein Kind war, gab es bei uns zu Hause fast jeden Abend Rösti, das war schon ziemlich eintönig», sagt sie. «Da war es immer ein besonderes Ereignis, wenn es zum Znacht ausnahmsweise etwas anderes gab. Zum Beispiel ‹ Burli›». Das sind Kugeln aus frittiertem Brandteig, die man mit Zimt und Zucker zu Apfelmus isst.

Barbara Matter rührt gerade die Eier in den Teig, als sie davon erzählt. Ihre Mutter habe das Rezept von ihrer Mutter und so freue sie sich, dieses Gericht auch ihren Töchtern zuzubereiten, sagt sie. «Meine ältere Tochter hat sich jedenfalls gefreut, als sie erfahren hat, dass wir das heute zum Zmittag essen», sagt Matter und erhitzt das Öl in der Fritteuse.

Bäuerinnenschule

Auch ihr Mann wird zum Zmittag erwartet, er ist draussen am Arbeiten. Er ist auf dem Betrieb aufgewachsen, den seine Frau und er nun gemeinsam führen. Sie halten 34 Milchkühe, betreiben auf rund 35 Hektaren neben Grasland Futter- und Ackerbau. Zu den 35 Hektaren gehört auch das Land, das zu Barbara Matters elterlichem Betrieb in Dürrenroth BE gehört. Auch diesen haben sie übernommen und dort halten sie rund 30 von insgesamt 80 Aufzuchtrindern. Eigene und solche von anderen Bauern.

«Meine Eltern kümmern sich weitgehend um die Tiere, in Spitzenzeiten und zum Heuen oder wenn sie in die Ferien fahren, übernehmen wir», so Matter und fischt eine dampfende Teigkugel aus der Fritteuse. Das Wissen rund ums Kochen, Haushaltsführung, Produkteverarbeitung und so weiter hat sich die ausgebildete Kindergärtnerin später an der Bäuerinnenschule am Inforama Waldhof in Langenthal BE angeeignet. «Es war mir wichtig, diese Ausbildung zu machen, um meine Arbeiten hier im Haus richtig ausführen zu können»; sagt sie und stellt einen schön angerichteten Teller mit herrlich duftenden Burli und Apfelmus auf den Tisch.

Rezept: Burli mit Apfelmus

Zutaten für ca. 20 Stück: 2,5 dl Wasser; 80 g Butter, ¼ TL Salz; 200 g Mehl; 2 TL Backpulver, 20 g Zucker, 5 Eier; 2 kg Kokosfett oder 2 l Öl zum Frittieren. Zubereitung: 1. Wasser, Butter und Salz in einer Pfanne aufkochen, Mehl, Zucker und Backpulver zugeben und so lange unterrühren, bis sich der Teig vom Pfannenboden löst und einen Klumpen bildet. Der Brandteig in eine Schüssel geben und nach und nach die Eier unterrühren (z. B. mit Handmixer). 2. Kokosfett oder Öl in einer Pfanne oder Fritteuse auf 170 °C erhitzen. Mit einem Esslöffel (ergibt 20 Burli) oder einem Teelöffel (ergibt 40 Burli) aus dem Teig Bällchen ausstechen. Portionsweise goldgelb ausbacken, anschiessend auf einem Küchenpapier abtropfen lassen. Achtung, die Bällchen gehen stark auf, darum nicht zu viele auf einmal in den Pfanne oder die Fritteuse geben. 3. Die Burli am Schluss in einer Zimt-Zucker-Mischung wenden und zu Apfelmus servierten.
Rezept: Barbara Matter

 

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