10 Jahre Claas Traktoren aus Le Mans

Vor 10 Jahren stieg Claas mit der Übernahme der Renault Agriculture ins Traktorengeschäft ein. Heute präsentiert das Familienunternehmen ein weiterentwickeltes Programm und eine moderne Fabrik in Le Mans F.

Daniel Etter |

Vor 10 Jahren stieg Claas mit der Übernahme der Renault Agriculture ins Traktorengeschäft ein. Heute präsentiert das Familienunternehmen ein weiterentwickeltes Programm und eine moderne Fabrik in Le Mans F.

Leidenschaft für Landtechnik, das hatte August Claas schon 1913, als er die Firma Claas gründete. Bis heute ist die Firma in Familienbesitz. Claas stand bis dahin vor allem für Futtererntetechnik, Feldhäcksler und Mähdrescher. Seit 2003 steht Claas aber auch für Traktoren. Vor genau zehn Jahren übernahm das deutsche Familienunternehmen den französischen Traktorenbauer Renault.
Mit diesem Schritt wollte Claas nicht nur seine Produktepalette ausbauen, sondern sie vor allem vervollständigen, zum Gesamtanbieter werden also. «Der Traktor ist eine Schlüsselmaschine», sagte Sales-Manager Rainer Mersmann. So könne Claas ein komplettes Produkteprogramm aus einer Hand bieten.

Renault weiterentwickelt

Mit dem Kauf von Renault Agriculture kaufte Claas viel Wissen und Erfahrung ein. Schliesslich hatte Renault während 88 Jahren zig Baureihen auf den Markt gebracht und 695'000 Traktoren produziert. Claas musste also nicht bei null beginnen. Die Firma Claas, welche mit ihrem Namen für Qualität steht, setzte sich zum Ziel, die Traktoren vorwärtszubringen. Es wurde investiert.

Investiert in die Entwicklung neuer Modelle, in die Weiterentwicklung bestehender Typen, aber vor allem auch in das Traktorenwerk in Le Mans (F). Sowohl die Farbgebung wie auch die Kabinenmontage wurde komplett erneuert und modernisiert. Und weitere Investitionen werden folgen.

Exporte markant erhöht

Dass Claas die Traktoren von Renault vorwärtsgebracht hat, dafür sprechen die Zahlen. Claas brachte in den vergangenen zehn Jahren zwölf neue Baureihen auf den Markt. Auch verdoppelte sich der Exportanteil. Vor der Übernahme exportierte Renault nur gerade jeden dritten Traktor. Heute exportiert Claas rund 68% ihrer Traktoren. Wohlgemerkt, in Frankreich konnte Claas den Marktanteil von Renault halten.

Entsprechend ist die Zahl der in Le Mans gefertigten Traktoren gestiegen. Aktuell sind es täglich 63 Traktoren. Total sollen so im Jahr 2013 rund 13'500 Traktoren vom Band fliessen. Das Werk hat aber noch Kapazität. Würde zweischichtig produziert, könnten jährlich etwa 20000 Traktoren hergestellt werden.

Nicht ganz jeder Claas Traktor aber stammt aus Frankreich. Der Xerion, das Flaggschiff von Claas, wird nach wie vor im deutschen Harsewinkel produziert. Die kleinen Modelle Elios (für Berggebiet und Gemüsebau) und Nexos (für Reb- und Obstbau). Die Baureihen Axion 800 und 900, Arion 400, 500 und 600 und Axos hingegen stammen aus Le Mans.

Axion mit Teilrahmen

Beim Axion 900 setzt Claas auf eine Teilrahmenbauweise. Verbaut werden Motoren von Fiat Powertrain Technologies mit bis zu 410 PS. Die Leistung erreichen sie ohne Boost, wie immer wieder betont wird. «Boost dient eigentlich nur dazu, die Motorenleistung in tiefen Geschwindigkeiten zu reduzieren, um hohe Drehmomente zu verhindern», erklärte Markus Westhuse, technischer Leiter von Claas Traktoren. Des Weiteren verbaut Claas beim Axion 900 das stufenlose Getriebe Cmatic von ZF. Der kleinere Bruder heisst Axion 800. Er ist mit bis zu 260 PS und wahlweise mit dem Lastschaltstufengetriebe Hexashift oder stufenlosem Getriebe Cmatic erhältlich.

Die Traktoren der Serie Arion sind breit einsetzbar. Sie werden mit Motoren von Deere Power Systems ausgestattet. In den 600er-Modellen sind es 6 Zylinder, in den 500er und 400er sind es 4-Zylinder-Motoren. Sie decken die Leistungsklasse zwischen 95 und 184 PS ab. Ausgestattet sind sie mit einer 5-Pfosten-Kabine und dem Hexashift oder dem Quadrishift, sprich mit Lastschaltstufengetrieben mit automatischem Gruppenwechsel.

Arion kommt stufenlos

Auch bei der kleinsten in Le Mans gebauten Modellreihe Axos werden Deere-Power-Systems-Motoren verbaut. Er ist in fünf verschiedenen Getriebevarianten erhältlich und deckt den Leistungsbereich von 70 bis 100 PS ab. In der Schweiz ist der Axos 330 CX mit 90 PS aktuell als Jubiläumsangebot für rund 50'000 Franken erhältlich.

In nächster Zeit wird sich bei den Claas Traktoren einiges tun. Auf die Agritechnica  ist mit einem stufenlosem Getriebe bei den Arion-Modellen zu rechnen. Zwar ist man bei Claas überzeugt, dass ein automatisches Lastschaltstufengetriebe ebenso komfortabel, aber vor allem effizienter ist. Doch würden stufenlose Getriebe am Markt zunehmend verlangt. Weiter kann mit neuen Modellen gerechnet werden. Mit solchen wird Claas das Angebot erweitern.

Claas kauft zu

Im Vergleich mit anderen Traktorenmarken ist Claas ein eher kleiner Anbieter. Um technisch die Nase immer vorne zu haben, kauft Claas viele Bestandteile zu. So etwa die Motoren, ein Grossteil der Getriebe, Achsen, Kühlsysteme und so weiter. «Das bietet den Vorteil, dass wir immer das qualitativ beste und effizienteste Produkt verbauen», begründet Westhuse. Dies ermögliche es, etwa Traktoren für Länder wie Russland oder Kasachstan, weniger strenge Abgasnormen haben, mit anderen Bauteilen zu versehen oder gar verschiedene Motoren zu verbauen.

Russland gewinnt für Claas übrigens an Bedeutung. Das Familienunternehmen wird mit 115 Mio. Euro das Mähdrescherwerk in Krasnodar ausbauen. Künftig sollen dort in Le Mans vorgefertigte Traktoren zusammengebaut werden. Auch in anderen Ländern mit grossflächiger Landwirtschaft wie etwa in Australien ist Claas auf dem Vormarsch. Insbesondere für den Axion 900 bergen solche Länder grosses Verkaufspotenzial. Doch betonte Mersmann, dass Claas auch weiterhin alles daran setzt, die passenden Geräte für die kleinräumige Landwirtschaft zu haben.

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