Freitag, 23. Juli 2021
09.07.2021 13:28
Futterbau

7 Meter für ein 7000-Liter-Fass

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Von: sum

Wenn Schleppschlauchverteiler nächstes Jahr Pflicht werden, gilt es, das Fass nachzurüsten – oder künftig auf den Lohnunternehmer zu setzen. Das allerdings macht die Schleppschlauchvorteile teils wieder zunichte.

Jetzt heisst es für viele Betriebe, sich mit der Anschaffung eines Schlepppschlauchverteilers auseinanderzusetzen.

7 bis 15 Meter Arbeitsbreite

Michael Kohli von der H. U. Kohli AG aus Gisikon LU zur möglichen Nachrüstung: «Die wichtigsten Fragen sind, ob die Fassgrösse für den Betrieb noch ausreichend ist, ob das Fass in einem guten Zustand ist, ob der Traktor wegen der Begrenzung der Achslast das Gewicht des Verteilers auch noch tragen kann und ob die Achse des Fasses verschoben werden kann, damit die Stützlast eingehalten wird.»

Bei einem Fass bis rund 7000 Liter werde meist ein 7-m-Schleppschlauchverteiler montiert, so seine Erfahrung. «Ab 7000 bis 10000 Liter sind es 9 Meter, und darüber kann man je nach Fahrgassen verschiedene Verteiler von 9, 12 oder 15m Breite anbauen.» Je nach Breite ändern sich auch die Kosten, wobei sich die Anbaukosten je nach Fass von etwa 3000 Franken an aufwärts bewegen. «Wir bieten den 7-m-Verteiler ab 16500, den 9-m-Verteiler ab 18500 und die 12-m-Variante ab 23000 Franken an», präzisiert er.

Heikle Frühlingsgülle

«Ein neuer Vakuumkompressor kostet 2000 bis 3000 Franken, und das Fass läuft auch nach 20 Jahren noch sehr günstig.» Zudem könne der Schleppschlauchverteiler nach einigen Jahren wieder an ein anderes grösseres oder auch neues Fass montiert werden: «Beide Maschinen sind immer separate Maschinen.»

So gut der Schleppschlauch bezüglich Emissionen abschneidet: Nicht wenige stehen ihm skeptisch gegenüber. Oft geäussert werden zwei Fragen: Schadet es dem Gras, wenn die Gülle in «Mädli» abgelegt wird? Und wie rasch verstopfen die Schläuche, wenn die Gülle einen hohen Strohanteil hat? Hanspeter Hug, Futterbauberater am Strickhof in Lindau ZH, kennt die Frage nach den Güllemädli: «Das Thema ist im Frühling sehr akut, weil die Gülle dann allgemein dicker ist als im Sommer oder Herbst.»

Allerdings, so Hanspeter Hug, habe die Analyse von Futterproben keine gesicherten Aussagen zur Futterqualität erlaubt, weder bezüglich Futterwert noch bezüglich Befall mit Hefen oder Fäulnisbakterien. «Beim Heuen ist die Gefahr von Verschmutzungen durch Güllereste in jedem Fall kleiner als bei Silage.»

Je flüssiger, desto besser

Eine sichere Methode, um sowohl Güllemädli wie auch Verschmutzungen des Futters zu vermeiden, ist das Verdünnen der Gülle. Hanspeter Hug erwähnt diesbezüglich auch die Separierung der Gülle, die allerdings mit Kosten verbunden ist. «Bei der Separierung könnten die festen Güllebestandteile bis im Herbst gelagert oder auf den Acker ausgebracht werden, während man die restliche Flüssigkeit mit den gelösten Nährstoffen zu Beginn und während der Vegetation ausbringt. Dabei kommen die Vorteile bei Schleppschlauch und Breitverteiler zum Tragen.»

Einen grossen Unterschied zwischen den beiden Ausbringverfahren aber gibt es. Und bei diesem ist der Schleppschlauch der Gewinner. Wegen der Futterverschmutzung und Brennschäden konnte man beim Breitverteiler nämlich nicht auf nachgeschossenes Gras güllen, da dies Verbrennungen auf den Gräsern durch Güllenreste, die auf den Blättern kleben blieben, zur Folge hatte. Mit dem Schleppschlauch sollte man in nachgeschossenes, mindestens fausthohes Futter güllen.

Laut dem Schweizer Bauernverband (SBV) sind vor allem grössere Talbetriebe auf den Schleppschlauch umgestiegen.
Agrarfoto

Durch Lohnunternehmer

Laut dem Schweizer Bauernverband (SBV) sind vor allem grössere Talbetriebe auf den Schleppschlauch umgestiegen. Kleinere Betrieben werden wohl den Lohnunternehmer beauftragen. Damit würden die Zusatzkosten steigen, und Betriebe mit Hanglagen müssten in Zukunft verschiedene Güllesysteme nutzen, was die Kosten zusätzlich in die Höhe treibe und unnötigerweise auch graue Energie von unausgelasteten Systemen verbrauche, so der SBV.

«Ein Ausbringen der Gülle ausschliesslich über Lohnunternehmen birgt zudem die grosse Gefahr, dass die Witterungsverhältnisse zu wenig beachtet werden können.»

Fahrspuren vermeiden

Das grösste Problem der Schleppschlauchvariante sieht Hanspeter Hug in der schwereren Gülletechnik: «Bei 9m Arbeitsbreite braucht es ein Fass von 10000 Litern oder mehr, damit man eine Feldlänge güllen kann. Dass da in den Fahrspuren gerade bei nassen Böden das Futter nicht mehr gut wächst, ist klar. Und dass sich in diesen Fahrspuren schlechte Futterpflanzen vermehren, ist die unweigerliche Folge davon.»

Laut dem SBV werden rund 45 Prozent der Gülle emissionsarm ausgebracht, aufgrund der topografischen Verhältnisse sind maximal 70 Prozent möglich.

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10 Responses

  1. dass man ein gerades rechtegiges Feld mit einem Schleppschlauch güllen kann ist mir klar, und vielleicht auch sinnvoll. aber wie das geht bei Hochstammbäumen oder Halbstammbäumen, wenn ein Feld unförmig oder steil ist, davon war noch nie die Rede! Gerne würde ich auch solche Lösungsvorwchläge sehen

  2. Macht doch mal vorwärts mit der Pflanzenkohle in der Gülle. Aber das fängt an bei dessen Herstellung und Finanzierung mit diversen Anreizen. Denn das wird Zukunft haben vor allem wegen dem Co2. Mit der Pflanzenkohle wird eine grosse Menge CO2 im Boden deponiert und wenn sie dem Mist oder der Gülle beigemischt wird bindet es auch noch das Amonjak. Und wenn die Kohle erst mal im Boden ist, speichert sie die Närstoffe in der oberen Erdschicht und verhindert bei Starkregen, dass der Dünger in die..

  3. kann mir jemand sagen was passiert wenn ich nicht mit dem schleppschlauch gülle ab 1. januar? gibt es irgemdwoo Landwirte die sich irgendwie dagegen einsetzen? Ich würde mich anschliessen, aber wo? ich bin vorallem wegen dem >Gewicht sehr negativ eingestellt. gibts noch mehr?

  4. Ich bin Verpächter von 4 ha Land. Nach Ablauf der gekündigten Pachtdauer (inkl Fristerstreckung) werde ich mein Land nur noch an einen Hoby – Schaffhalter zur Weidung (ohne jeglicher Düngung) zur Verfügung stellen.
    Freue mich schon jetzt auf eine schöne Magerwiese mit viel Blumen.

    1. Du bist ein Träumer….auch die Blumen brauchen eine geringe düngung….auf langen Ökowiesen verschwinden die Blumen nach längerer Zeit

  5. Da kannst sicher sein es gibt Gegner,vorallem punkto Sichereit,in der Hügelzzone und im Berggebiet sehr gefährlichdass hatten diese Politiker in keiner Art und Weise berücksichtigt

  6. Meine Erfahrung mit Holzkohle in der Gülle,sehr negativ.Auch in der Fütterung der Milchkühe ,weil die Aufnahme von Mineralstoffen und Spurenelementen gehemmt ist. Also nur im kleinen Rahmen Versuche machen

  7. Die Schreibtischtäter sind der Untergang der Berg- und Kleinbetriebe. Regelmässig neue Auflagen und Vorschriften. Über dem Kopf das Damoklesschwert der Kürzungen der Direktzahlungen. Der Bauer muss parieren. Bis zum bitteren Ende!

  8. Ich bringe die Gülle seit 10 Jahren mit dem Schleppschlauchverteiler (montiert am Vakuumfass) aus. Vor allem wenn man ein Einfamilienhaus- Quartier als Nachbarn hat. Es stinkt mit diesem System weniger. Aber man muss
    aufpassen, dass man in der Wiese nicht jedesmal in der gleichen „Fahrgasse“ fährt. (Bodenverdichtung
    und schlechte Futterpflanzen machen sich schnell breit…..Vor-Nachteil 50:50%)
    Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sie Schleppschlauchpflicht nach ein paar Jahren wieder fällt, da sie vermutlich
    nicht das bringt was die Politiker jetzt entschieden haben, war ja nur die „Retourkutsche“ von links Parteien wegen
    den verlorenen Agrarinitiativen.

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