Montag, 8. August 2022
06.04.2022 10:16
Biolandbau

Bio-Produkte: Absatz legt nur wenig zu

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Von: blu/sda

Die Bio-Branche hat 2021 nicht mehr gleich stark von der Corona-Pandemie profitiert wie im Jahr zuvor. Der Dachverband Bio Suisse verzeichnete beim Absatz von Bio-Produkten noch ein Wachstum von knapp vier Prozent. 2020 war der Verkauf um ein Fünftel gestiegen.

Der Gesamtumsatz stieg auf gut 4 Milliarden Franken, wie Bio Suisse am Mittwoch mitteilte. 2020 lag er bei rund 3,9 Milliarden Franken. Der Marktanteil von Bio-Produkten stieg um 0,6 Prozentpunkte auf 10,9 Prozent. Die Deutschschweiz (2 Mrd. Fr., +1,8%) und die italienische Schweiz (89 Mio. Fr., +1,7%) verzeichneten auch 2021 ein leichtes Umsatzwachstum. In der Romandie hingegen hat Bio einen Rückgang hinnehmen müssen. Die Bio-Verkäufe sanken um 3 Prozent 653 Millionen.

Der Bio-Markt knackt die 4-Milliarden-Grenze.
Bio Suisse

459 Franken pro Kopf

Ein Grund für das gebremste Wachstum im Bio-Markt sei, dass Schweizerinnen und Schweizer wieder vermehrt in Restaurants gegessen und weniger Bio-Produkte für die eigene Küche gekauft hätten, sagte ein Verbandssprecher der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage.

Der Pro-Kopf-Konsum erzielt mit 459 Franken eine neue Bestmarke.
Bio Suisse

Trotz des schwächeren Wachstums: Noch nie gaben Schweizerinnen und Schweizer in einem Jahr so viel Geld für Bio-Produkte aus. Pro Kopf waren es im vergangenen Jahr 459 Franken, das sind 3,1 Prozent. Im Jahr zuvor lag der Betrag bei 445 Franken pro Kopf.

Am meisten Umsatz mit Milchprodukten

Am beliebtesten unter den Bio-Lebensmitteln waren weiterhin Eier mit einem Marktanteil von 29,2 Prozent. Der Anteil ist hier aber um 3,6 Prozent gesunken. Den zweithöchsten Marktanteil erreicht das Brot mit 26,3% (+3,2%), es folgt Gemüse, Salate und Kartoffeln mit 23,8% (-5%). Deutlich zulegen konnte Bio bei den frischen Convenience-Produkten. Neu liegt der Marktanteil bei 12,4%, das ist ein Plus von 6,5%.

Umsatzmässig an der Spitze liegen die Milchprodukte und Käse. Insgesamt wurden für solche Erzeugnisse im vergangenen Jahr 405 Millionen Franken ausgegeben. Das Marktanteil der liegt  bei 11,4%. Bei den Milchprodukten gab es einen Rückgang um 4 Millionen auf 276 Millionen, beim Käse ein Wachstum des Umsatzes um 4 Millionen auf 129 Millionen.  Den zweithöchsten Umsatz mit 370 Millionen wurde mit Gemüse, Salate und Kartoffeln erzielt. Auf Rang 3 folgt die Kategorie Frühstück, Beilagen, Tierbedarf mit 347 Millionen und einem Marktanteil von 17 Prozent.

Generationenwechsel zeigt sich

Ende 2021 waren in der Schweiz 7’750 Bio-Betriebe (Direktzahlungsberechtigte sowie nicht Direktzahlungsberechtigte) registriert. Davon wirtschaften 93 Prozent bzw. 7’216 Betriebe nach den Richtlinien von Bio Suisse. Das sind 94 Betriebe mehr als im Jahr 2020.
Bio Suisse

In der Schweiz arbeiteten im vergangenen Jahr 7116 Landwirtschaftsbetriebe (inklusive 40 Betriebe aus Liechtenstein) nach den Richtlinien von Bio Suisse. Mit landesweit netto 23 zusätzlichen Bio-Betrieben seien weniger neue Betriebe hinzugekommen als in Vorjahren, schrieb Bio Suisse. Dies liege unter anderem am Generationenwechsel, durch den mehr Betriebe aufgegeben wurden. Die meisten Neuumstellungen stammen aus den Kantonen Bern (+47), Waadt (+32) und Aargau (+24).

Die biologisch bewirtschaftete Landwirtschaftsfläche hat im Jahr 2021 um 4’970 Hektaren zugenommen. Total wird in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein eine Fläche von 177’060 Hektaren biologisch bewirtschaftet.
Bio Suisse

Aktuell werden 177’060 Hektaren nach Bio-Kriterien bearbeitet, das sind 4900 Hektaren mehr als im Vorjahr.  Mit 63,9 Prozent hat der Kanton Graubünden unangefochten den grössten Anteil Bio-Betriebe. 16,8 Prozent aller Schweizer Landwirtschaftsbetriebe produzieren nach Bio-Suisse-Richtlinien. Die Kantone mit den meisten Knospe-Betrieben sind Bern mit 1358 und Graubünden mit 1232 Höfen. Damit vereinen die beiden Kantone 36 Prozent alle Schweizer Knospe-Betriebe. Im Talgebiet werden 12 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) biologisch bewirtschaftet. In den Bergzonen ist es knapp ein Viertel.

Coop und Migros klare Marktführer

Der Umsatz in den Handelskanälen wächst weiter. Keiner der Händler konnte die hohen Wachstumswerte vom letzten Jahr fortsetzen, teilt Bio Suisse mit. Während die Marktführer, Coop und Migros, auf hohem Niveau moderat ausbauen konnten, wachsen der übrige Detailhandel sowie die Direktvermarktung überdurchschnittlich. Coop mit 1,65 Milliarden und Migros mit 1,25 Milliarden bleiben die klaren Dominatoren. Zusammen weisen sie einen Marktanteil von über 72 Prozent auf (Coop 41,2%, Migros 31,2%).

Bio Suisse rechnete damit, dass künftig die Nachfrage nach Bio-Produkten weiter steigen wird. Die Suche nach interessierten Bauernhöfen, die nach Bio-Standards produzieren wollen, habe der Dachverband intensiviert.

Strengere Richtlinien, mehr Tierwohl

Im letzten Jahr sei es gelungen, gemeinsam mit anderen Akteuren des Lebensmittelsystems in wesentlichen Bereichen der Landwirtschaft nochmals nachhaltiger zu werden, schreibt Bio Suisse. Beim Tierwohl hat traten neue Regelungen in Kraft. So beschloss im November die Delegiertenversammlung den Ausstieg aus dem Kükentöten per 2026. Ab dann sollen alle Küken leben. Und zu Beginn dieses Jahres traten neue Richtlinien für die Wiederkäuerfütterung in Kraft. Kühe, Schafe und Ziegen erhalten nur noch Schweizer Knospe-Futter und maximal 5 Prozent Kraftanteil (zuvor 10%, EU-Bio bis 40%). 

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2 Responses

  1. Dieser Absatz hier kann nicht stimmen: „ In der Schweiz arbeiteten im vergangenen Jahr 7116 Landwirtschaftsbetriebe (inklusive 40 Betriebe aus Liechtenstein) nach den Richtlinien von Bio Suisse. Knapp zwei Drittel der Betriebe lagen im Kanton Graubünden.“ Fast zwei Drittel der Bündner Betriebe sind bio. Die Bündner Biobauern machen jedoch nicht zwei Drittel aller Schweizer Biobauern aus.

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