Montag, 6. Dezember 2021
28.10.2021 12:19
Getreide

Brotgetreide: Ernte bricht um 30% ein

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Von: blu

Die miese Witterung in den Sommermonaten hat sich negativ auf die Erntemenge und Qualität ausgewirkt, wie die Branchenorganisation Swiss Granum mitteilt. Die backfähige Brotgetreidemenge liegt insgesamt rund 30% unter derjenigen des Vorjahres. Die Branche will zur Sicherstellung Importvorbezüge beantragen.

Der Sommer 2021 geht als nass, stürmisch und eher kühl in die Geschichte ein. Der Wind, Regen und Hagel haben beim Getreide Spuren hinterlassen. «Die Erntesituation war geprägt durch tiefe Erträge und tiefe Erntemengen bei allen Kulturen», schreibt Swiss Granum.

103’000 Tonnen weniger Brotweizen

Beim Brotgetreide sind die Ausfälle am höchsten. Insgesamt resultiert aus der diesjährigen Ernte eine backfähige Brotgetreidemenge von 304’079 t, das sind über 130’000 Tonnen weniger als im Vorjahr. Ähnlich unterdurchschnittlich war die Erntemenge im Jahr 2016, damals wurden 313’000 Tonnen eingebracht.

In diesem Jahr lag das Minus beim Brotweizen im Vergleich zum bei 30,5 Prozent. Die Erntemenge lag bei 282’000 Tonnen, rund 103’000 Tonnen weniger als im Vorjahr. Auch der Dinkel (- 24.5% auf 16’900 Tonnen) und insbesondere der Roggen (- 55.3% auf 4’000 Tonnen) weisen 2021 deutlich tiefere Erntemengen aus als im vergangenen Jahr.

Swiss Granum

Viel Auswuchs

Die Durchschnittserträge sind bei allen Kulturen tief. Dies ist gemäss Swiss Granum auf die aussergewöhnliche Witterung im Frühling und Sommer sowie den Hagelschlag zurückzuführen. 23.5% der Brotweizenmenge, 12.6% der Dinkelmenge sowie 47.7% der Roggenmenge sind vom Auswuchs betroffen. Diese nicht backfähigen Brotgetreidemengen von rund 95‘000 t werden im Futtersektor vermarktet. Die Höhe der Auswuchsmenge ist vergleichbar mit derjenigen des Jahres 2014, das ebenfalls ein Auswuchsjahr war.

Die schlechte Wetter wirkte sich auch negativ auf die Qualität des Brotweizens aus. Die ersten Qualitätserhebungen zeigen tiefere Proteingehalte, Zeleny-Werte und Fallzahlen als im Vorjahr. Die Werte sind vergleichbar mit denjenigen des Auswuchsjahrs 2014.

Importe vorher beziehen

Gemäss Swiss Granum besteht insbesondere bei den Brotweizenklassen Top und I sowie beim Dinkel und auch beim Bio-Brotgetreide ein Manko. Dieses kann teilweise aus bestehenden Lagern gedeckt werden. «Zur Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit allen Brotgetreidearten, einer kosteneffizienten Umsetzung derselben sowie der Gewährleistung des Ernteübergangs fürs Folgejahr wird Swiss Granum einen Antrag beim Bundesamt für Landwirtschaft einreichen», heisst es in der Mitteilung. Die Verteilung der Freigabemengen des Zollkontingents Nr. 27 (Brotgetreide) sollen für 2022 angepasst werden. 30’000 t der Teilmenge des zweiten Halbjahres sollen bereits ab 1. Januar respektive 1. März 2022 verfügbar sein.

Swiss Granum

Auch deutlich weniger Futtergetreide

Eine unterdurchschnittliche Ernte gibt es auch beim Futtergetreide zu verzeichnen. Die Erntemengen bei der Gerste sank um – 11.9% (-22’000 t) auf 164’000 Tonnen. Beim Futterweizen ging die Menge um 22.6% (-15’000 t) auf 50’800 t zurück. Auch bei Triticale (- 19.4% auf 36’600 t) und Hafer (- 19.9% auf 4’560 t) fielen die Erntemengen deutlich tiefer aus als im vergangenen Jahr.

Die Eiweisserbsen-Ernte fiel schwach aus.
Sonja Basler Liebegg

Ein analoges Bild bezüglich der Erntemengen zeigt sich auch bei den Eiweisspflanzen, schreibt Swiss Granum. Die Gesamterntemenge sank um 2’500 Tonnen auf 13’100 Tonnen. Der Rückgang ist auf die schlechte Ernte bei der Eiweisserbse zurückzuführen. Hier gab es einen Rückgang von 2’300 Tonnen auf 7’850 Tonnen. Auch bei den Ackerbohnen wurde ein Rückgang von 330 Tonnen auf 1600 Tonnen registriert. Gestiegen, wenn auch auf tiefem Niveau, sind die Erntemenge bei Lupinen und Linsen. Ausstehend sind aktuell noch die Zahlen zur Körnermaisernte. Diese Erhebung wird per Ende November erfolgen. 

Swiss Granum

12% weniger Raps

Bei den Ölsaaten mussten die Produzenten auch tieferen Erntemengen in Kauf nehmen. Beim Raps machen sich die Auswirkungen der Witterung sowie zusätzlich der erhöhte Schädlingsdruck in einer tieferen Erntemenge bemerkbar. Gesamtschweizerisch konnte 12.5% (11’000 t) weniger Raps geerntet werden als im Vorjahr. Von der Erntemenge von 77’073 Tonnen sind 26’967 t Holl-Raps.

Mit dieser Erntemenge kann die Nachfrage nach inländischem Raps nicht gedeckt werden. Die Erntemengen für Soja und Sonnenblumen werden erst Ende November erhoben.

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